Diese Zeilen sind so traurig! Tugces Bruder schreibt Brief an sein "Schwesterherz"

Der Fall Tugce bewegt bis heute die ganze Nation. Und die Zeilen, die ihr Bruder zwei Jahre später für sein "Schwesterherz" verfasst, rühren zu Tränen.

Es ist zwei Jahre her, dass die junge Tugce Albayrak auf tragische Weise aus dem Leben gerissen wurde. Am 15. November 2014 wurde die Lehramtsstudentin brutal niedergeschlagen und fiel daraufhin ins Koma. Nachdem nur noch der Hirntod festgestellt werden konnte, wurden 13 Tage später – an ihrem 23. Geburtstag - die lebenserhaltenden Maßnahmen abgestellt. Tugce hatte zwei Mädchen helfen wollen, die von einer Gruppe junger Männer bedrängt wurden und bezahlte dafür mit dem Leben.

Der Täter, der 19-jährige Serbe Sanel M., sitzt mittlerweile in Haft und soll abgeschoben werden. Für ihre Familie ist das allerdings nur ein kleiner Trost, denn sie vermissen Tugce jeden Tag. Wie schwer der Verlust wirklich wiegt, zeigt nun auch ein hochemotionaler Facebook-Post ihres Bruders Dogus Albayrak. Die Zeilen, die er an sein „Schwesterherz“ schreibt, machen deutlich, was seine Familie seit dem Vorfall auf einem McDonald’s-Parkplatz durchmachen muss.

Der Post im Wortlaut: 

"Hey Schwesterherz, als wäre es gestern gewesen, dass wir zusammen in der Frühe mit deinem lilanen Micra in die Uni gefahren sind. Ein kurzer Stop in der Tanke, denn ohne "Kaffee" wärst du wohl nicht weitergefahren. Nein es war nicht gestern Schwesterherz, mittlerweile sind genau zwei Jahre rum. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass ich Dir an diesem Abend das letzte Mal in die Augen schaue, Dich das letzte Mal so schön lächeln sehe und das letzte Mal Deine Stimme höre.

Der Tod war bis zu jener Nacht ein Fremdwort für uns, beide Omas & Opas sind noch am Leben. Was ich sagen will Schwesterherz, der Tod ist etwas, was wir mit Dir, dem jüngsten Familienmitglied kennenlernen mussten. Das ist so unfair! Mit Dir weiß ich erst, dass Menschen gehen und nicht mehr zurückkommen, dass eine Sekunde dein ganzes Leben auf den Kopf stellen kann. Dass es einem vorher eigentlich an nichts gefehlt hat und man über Dinge geklagt hat, wo ich jetzt mit dem Kopf schüttel, die einfach keinen Sinn ergeben.

Dir wird klar, dass eines der schönsten Dinge im Leben das gemeinsame Abendessen mit der vollständigen Familie am Tisch ist. Dir wird klar, dass die Zeit mit deinen Liebsten um dich die wertvollste Zeit ist, die du eigentlich hast. Dir wird klar, dass genau diese Zeiten eigentlich leider nicht selbstverständlich sind. Ich wünschte, ich hätte diese Erfahrung anders gemacht und die Zeit mit Dir intensiver verbracht!

Mit Deinem Tod, Schwesterherz, hat ein Kapitel in unserm Leben angefangen, das ich eigentlich kaum beschreiben kann. Die Zeit im Krankenhaus, Deine Beerdigung, der Prozess und währenddessen die ständige mediale Begleitung. Da sind so viele Sachen passiert, die passen hier einfach nicht rein.

Wir haben Menschen erlebt, die eigentlich keine Menschen sein können, sei es im Krankenhaus, auf der Beerdigung oder während dem Prozess. Menschen, die mit so viel Hass erfüllt sind, Menschen, die keine Empathie haben, Menschen, die pietätlos sind, Menschen, die nur an das Kommerzielle denken, Menschen, die Dich als Promotion genutzt haben, Menschen, die plötzlich mit dir verwandt sind, und und und. Mir ist heute noch schlecht wenn ich sehe, zu was die Menschen fähig sind.

Aber die Erde besteht halt nicht nur aus schwarz sondern auch aus weiß. Wir haben zum Glück auch Menschen erlebt, die das Menschsein wirklich verkörpern. Gute Menschen, die kulturelle und soziale Hindernisse überwunden haben, bei denen die Religion, Farbe und alles, was die Menschen sonst trennt, keine Rolle spielen. Diese Menschen haben vereint für Dich gebetet, Schwesterherz. (...)

Mit Deinem mutigen Handeln hast Du Dich in sehr viele Herzen gezaubert. Du hast tiefe prägende Spuren der Liebe hinterlassen. Ich bin stolz auf Dich kleine Hexe. Zwar holt Dich nichts zurück, aber wenn ich sehe, dass auf dem Campus der Uni Gießen ein Gedenkstein zur Erinnerung an Dich und Deine Tat steht, ich hier und da mal höre wie Du Gesprächsthema am Kiosk oder wo auch immer wirst, wir den Briefkasten öffnen und Briefe noch an Dich erhalten, wenn ich sehe, dass Menschen unbedingt Projekte mit dem Verein verwirklichen wollen, wenn ich sehe, dass heute noch an Deinem Grab alles hell erleuchtet ist und alles voll mit Blumen ist, wenn ich sehe, dass die Stadt in der Du geboren bist, zwei Jahre später zu Deinem Geburtstag eine Gedenktafel errichtet an dem Krankenhaus, wo Du Deine Augen das erste Mal geöffnet hast, ja dann kann ich mit Stolz zurückblicken und das Ganze als ein Trostpflaster, vielleicht sogar mehr betrachten, was uns die Wunde lindert. Schwesterherz, wir lieben Dich!


ag

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