"Ehe für alle": Keine Kleinigkeit, sondern ein Grundrecht

Gleichgeschlechtliche Paare sind rechtlich immer noch stark benachteiligt. Aber das ist gar nicht das dringendste Argument für die #ehefueralle, findet BRIGITTE-Redakteur Henning Hönicke

Es tut fast schon weh, solche Selbstverständlichkeiten immer wieder erklären zu müssen, aber: Es ist für gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland ein wahnsinniger Nachteil, nicht im gleichen Rahmen heiraten zu dürfen wie heterosexuelle Paare.

Ja, das Ehegattensplitting gibt es mittlerweile für alle. Aber es gibt immer noch unzählige zivil- und verfahrensrechtliche Angelegenheiten, bei denen homosexuelle Paare konkret benachteiligt werden. Und Kinder adoptieren ist immer noch Tabu, eine Wahnsinns-Ungerechtigkeit, gerade im Vergleich zu anderen Ländern.

Aber: Das ist alles eigentlich nicht so wichtig wie die ganz banale Frage, die ich als heterosexueller Ehemann stellen muss: Warum verbiete ich anderen Leuten etwas, das ich selbst darf?

Ja, stimmt: Die Ehe ist eine Formalität, ein Vorgang, der nicht zwingend notwendig zum Zusammenleben zweier Menschen ist.

"Nur" ein symbolischer Akt? Das ist vieles andere auch.

Ich kenne eine ähnliche "Formalität", sie heißt "Geburtstagstorte" und ist ziemlich beliebt hier in Deutschland. Mal angenommen, wir hätten vor Jahren allen ... sagen wir mal rothaarigen Menschen gesagt, dass sie leider keinen Geburtstag feiern dürfen. Und dann das Verbot nach und nach gelockert: "Klar, Geburtsurkunde dürft ihr jetzt haben. Und Freunde und Familie dürfen euch nun endlich auch im privaten Rahmen gratulieren. Aber einen Kuchen gibt es AUF KEINEN FALL, das verstößt gegen die gesellschaftliche Grundordnung!"

Ist das alles total albern und an den Haaren herbeigezogen? Ja, absolut. Umso schlimmer, dass mit der gleichen Logik Menschen immer noch Grundrechte vorenthalten werden.

Hochzeitstorte für alle!

Da können Leute noch so oft auf juristische Fortschritte in der Gleichstellung zeigen, oder achselzuckend bemerken, dass die Ehe ja eigentlich gar nicht mehr so wichtig ist: Ungerechtigkeit bleibt Ungerechtigkeit.

Wenn eine Frau, die als kleines Mädchen von der großen Traumhochzeit im weißen Kleid geträumt hat, als Erwachsene zu hören kriegt, dass das in ihrem Fall leider nicht drin ist, ist das ein Schlag ins Gesicht. Egal, ob sie auch ohne Ehering mit ihrer Partnerin glücklich ist.

Ob Leute die Geburtstags- bzw. Hochzeitstorte wirklich haben möchten, sollen sie selbst entscheiden. Ihnen diese Entscheidung abzunehmen, ist unmenschlich und eine Schande.

Wer hier schreibt:

Kommentare (8)

Kommentare (8)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Meine Oma sagte immer 'Nur weil alle in den Brunnen springen muss ich ja nicht auch hinein springen' Darum finde ich das Argument bezueglich homosexueller Eheschliessung voellig idiotisch. Zum Glueck geht Deutschland noch nicht so weit dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren koennen.

    Ich glaube in 'leben und leben lassen' und in ein anderes Sprichwort meiner lieben Oma 'Wo die Liebe hinfaellt........'.

    Ich persoenlich differenziere nicht zwischen 'gay' und 'straight' Paaren, so lange 'gay sein ' nicht zur Pflicht wird und man nicht als 'Homophobe' beschimpft wird wenn man seinen Kopf nich um dieses neue Gesetz wickeln kann. Dennoch finde ich dass Kinder unseren Schutz verdienen und keine Versuchsratten sind. In 30 Jahren koennte man ja die Situation noch einmal analisieren.

    Ich habe noch eine Frage: Warum suchen sich lesbische Frauen eine Partnerin die wie ein Mann aussieht und sich als Mann verkleidet . Das habe ich nie verstanden.

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Als ich in den Siebzigerjahren alleinerziehend war, gab es einen steuerlichen Haushaltsfreibetrag. Der wurde irgendwann gestrichen, weil ihn auch unverheiratete Paare in Anspruch nahmen und Ehepaare dagegen klagten. Inzwischen gibt es den Haushaltsfreibetrag wieder, aber nicht in alter Höhe. Ist das den Homopaaren gegenüber gerecht?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo "Mann"!



    Stimmt, Lesen ist ein großer Vorteil, vor allem bei Artikel 5 des Grundgesetzes, der viele wissenswerte Sachen abdeckt, aber mit Eheschließungen nichts zu tun hat. Oder meintest du den Teil "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei"? Das sind natürlich alles Dinge die irgendwie Teil einer Beziehung sind. Aber das spräche dann ja eher für eine Freigabe, als eine Fortsetzung der bisherigen Politik?



    Auf jeden Fall bin ich total deiner Meinung, Artikel 5 ist super, an den sollten sich alle Menschen halten.



    Gruß



    Henning
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Dagegen. Man muß nicht alles bekommen, was man haben will. Ehe gibt's zwischen Mann und Frau, der Rest ist Karneval. Gedeckt vom Grundgesetz, Artikel 5. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Ende der Nachricht :-=
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Mehr Eheschließungen = mehr Torte für alle ;-)

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