"Die göttliche Ordnung" - Diesen Film MÜSST ihr sehen!

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Filmkritik: "Die göttliche Ordnung"

Okay, der Filmtitel enthält zwei Dinge, mit denen ich nicht so viel anfangen kann: Ordnung und Gott. Außerdem spielt der Film in der Schweiz, auf dem Dorf und vor meiner Geburt. Ich hätte also nicht gedacht, dass mich "Die göttliche Ordnung" sonderlich berührt. Doch dann sitze ich plötzlich heulend im Kino und weiß nicht, wie mir geschieht.

Titelheldin Nora - Heimchen am Herd?

Anfangs war der Film wie erwartet: befremdlich. Die Schuhe, der Rock, das Kopftuch – Hauptfigur Nora ist halt dieses Heimchen am Herd, das Bettlaken faltet, Kartoffeln schält und dem Schwiegervater ungefragt die leere Bierflasche abnimmt und ihm eine neue holt.

Diese Frau will Freiheit!

Man ahnt es schon, als Nora mit dem Fahrrad durch die Schweizer Berglandschaft saust – diese Frau liebt die Freiheit. Und so kommt es, dass sie von der braven Hausfrau zur Anführerin der dörflichen Frauenrechts-Bewegung wird und dabei nicht nur die Frauen im Dorf berührt, sondern auch die Zuschauer.

Auf einer Demo in Zürich spürt Nora zum erste Mal, wie es sich anfühlt, eine Stimme zu haben.

Auf einer Demo in Zürich spürt Nora zum erste Mal, wie es sich anfühlt, eine Stimme zu haben.


Hier geht's um die Selbstbestimmung der Frau

Noras Bewegung kämpft vor allem dafür, dass Frauen wählen dürfen – in der Schweiz hatten Frauen bis zum 7. Februar 1971 tatsächlich KEIN Stimmrecht auf nationaler Ebene. Und genau wie in Deutschland durften verheiratete Frauen in der Schweiz im Jahre 1971 auch nur arbeiten, wenn der Ehemann es erlaubt (in Deutschland wurde dieses Gesetz 1977 geändert).

Warum muss man heulen?

Ehrlich gesagt: Vielleicht waren es bei mir einfach die Hormone. Oder ich war müde. Aber diese eine Szene, in der Nora bei einer Demo in Zürich ist, und alle rufen "Frauenrecht ist Menschenrecht!" hat in mir etwas aufgebrochen.

Es war diese Erkenntnis: Jahrhundertelang haben Frauen die zweite Geige gespielt. Meine Oma hatte keine Wahl, wie sie ihr Leben gestaltet. Frauen haben geheiratet, Kinder geboren und sich um den Haushalt gekümmert.

Ich wusste das natürlich, aber während des Films habe ich es auch gespürt. 

Und so hat man das damals begründet:

"Es ist ein Privileg, sich ganz der Familie widmen zu können. Frauen sind auch ohne Stimmrecht in der Lage, die Stimme des Herzens durchzusetzen. Diese Gleichmacherei der Geschlechter ist eine Sünde gegen die Natur. Frauen in der Politik sind schlichtweg gegen die göttliche Ordnung."

Nora versucht auf der Dorfversammlung, gegen "die göttliche Ordnung" zu argumentieren.

Nora versucht auf der Dorfversammlung, gegen "die göttliche Ordnung" zu argumentieren.


Geht's noch?

Was, wenn ich nicht an Gott glaube? Was, wenn ich kein Händchen für Kindererziehung habe? Wäre ich eine Generation früher geboren – ich wäre im Arsch gewesen. 

Nun leben wir ja heute. Alles gut - oder?

In weiten Teilen der Welt (siehe Saudi-Arabien, Ägypten, Syrien ...) werden Frauen heute noch genauso benachteiligt wie die Frauen in unserer Geschichte. In den großen Wirtschaftsunternehmen, an der Börse, in den Parlamenten – wie hoch ist der Frauenanteil in Machtpositionen? Vom Selbstoptimierungsdruck des weiblichen Geschlechts will ich gar nicht erst anfangen.

Es ist kein Geheimnis: Wir leben noch immer nicht in einer gleichberechtigten Welt. Wie sollten wir auch eine jahrhundertelange Tradition innerhalb von ein bis zwei Generationen aufbrechen? Wir haben Fortschritte gemacht und genießen Freiheiten, von denen Frauen vor 100 Jahren nicht einmal träumen durften. Ich gehe fest davon aus, dass wir auf diesem Weg weitermachen.

Vielleicht sitzen dann in 50 Jahren Menschen im Kino und erinnern sich an unsere Zeit, als eine Frau als Bundeskanzlerin noch etwas Besonderes war.

Regisseurin Petra Volpe

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