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Vulva 3.0 - ein Film über das weibliche Geschlechtsorgan

Der Film "Vulva 3.0", der jetzt auf Kino-Tour geht, setzt das weibliche Geschlechtsorgan in Szene. Wir haben mit den Regisseurinnen des Dokumentarfilms über Genitalverstümmelung, Schamlippenkorrekturen und fehlende Vulva-Vorbilder gesprochen.

BRIGITTE: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Film über das weibliche Geschlechtsorgan zu machen?

Ulrike Zimmermann: Wir betreiben eine Produktionsfirma für Lehr-DVDs, die sich unter anderem mit sexueller Energie und Tantra befassen. Und bei den Dreharbeiten zu dem Film "Reich werden im Irak" habe ich mit vielen erfolgreichen Geschäftsfrauen gesprochen und dabei erfahren, dass die Genitalverstümmelung nicht nur in afrikanischen Länder praktiziert wird. Auch im kurdischen Teil des Iraks wird fast jede dritte Frauen beschnitten. Viele Frauen, mit denen ich gedreht habe, waren betroffen. Ich musste feststellen, dass sich mein Blick auf sie dadurch völlig verändert hat. Ich habe mich gefragt, was passiert gerade mit meinem Bild von dieser Frau? Was passiert eigentlich bei einer Beschneidung? Oftmals fehlt das anatomische Wissen über unser Geschlechtsorgan, auch bei den Frauen selbst. Dann bin ich zusammen mit Regisseurin Claudia Richarz tief in das Thema eingestiegen.

Haben Sie während der Dreharbeiten etwas dazu gelernt?

Claudia Richarz: Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Genitalverstümmelungen auch in Europa durchgeführt wurden. Bis in die Fünfziger Jahre wurde die Klitoris abgeschnitten, um Hysterie zu behandeln. Das war mir vorher nicht bekannt.

Ihr Film beginnt mit einem operativen Eingriff. Finden Sie, dass Schönheits-OPs im weiblichen Intimbereich in Richtung Genitalverstümmelung gehen?

Zimmermann: Das ist natürlich eine steile These. In unserem Film geht es um die Darstellung der Vulva in den Medien, wo wir es ja nur mit retuschierten Genitalien zu tun haben. Daraus resultiert eine Selbstwahrnehmung, die Optimierung für nötig hält. Ich möchte mit dem Film darauf hinweisen, dass Missverständnisse vorliegen: Das Unwissen um die eigene Anatomie. Das Nicht-Feiern der Vielfalt. Die Reduktion der weiblichen Sexualkraft durch Retusche, das sogenannte "Aufräumen". Stichwort: kindliche Schönheitsideale. Durch operative Eingriffe passen sich Frauen an diese Ideale an. Ich will das nicht verdammen, jede Frau kann mit sich und ihrem Körper machen, was sie will. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die Gründe und Gefühle, die zu diesen OPs führen, auf Irrtümern beruhen.

Könnte das auch daran liegen, dass reale Bilder fehlen?

Zimmermann: Ja, leider haben wir es der Sexfeindlichkeit und dem Bilderverbot der Deutschen zu verdanken, dass wir viel zu wenig (unretuschierte) Bilder sehen.

Richarz: Und es fehlen Frauen, die sagen, dass man schön ist - so wie man ist.

Claudia Richarz

Ulrike Zimmermann

Zeigt sich im gesellschaftlichen Verständnis der weiblichen Genitalien auch eine Ungleichheit der Geschlechter?

Zimmermann: Ja. Indem die Vulva Vagina genannt wird, wird das weibliche Geschlechtsorgan auf einen bloßen Eingang reduziert - also auf das Zeugen und Gebären von Kindern. Aber wenn wir die Vulva darauf reduzieren, unterschätzen wir, wozu weibliche Lust fähig ist.

Wird der Trend zur genormten Vagina zunehmen? Richarz: Ja, in den letzten Jahren haben die Ärzte, die Intim-Operationen anbieten, einen starken Zulauf. Laut unseren Recherchen haben wir in den letzten zwei Jahren einen Anstieg um 400 Prozent erlebt.

Sie haben auf einem Kongress der GAERID (Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland) gefilmt. Dort wurden Live-Bilder aus dem OP während einer Schamlippen-Korrektur gezeigt - zensiert. Zimmermann: Ja, das ist eine Zwischenfassung, um die Identität der operierten Frau zu schützen. Auf ihre Zustimmung, dass diese Bilder im Kino gezeigt werden dürfen, warten wir noch. Wenn die Frau und auch die "Freiwillige Selbstkontrolle" (FSK) zustimmen, werden die Bilder unzensiert gezeigt. Es sind aber unblutige Aufnahmen, weil es sich um eine Laserbehandlung handelt.

Würden Sie einen solchen Film auch über Männer und die gesellschaftliche Bedeutung des Penis drehen? Richarz: Den haben wir schon gedreht, bei lauramedia gibt es bereits den DVD-Titel "Der Penis".

Zimmermann: Die GAERID beschäftigt sich bei ihrem nächsten Kongress übrigens mit operativen Eingriffen beim männlichen Geschlechtsorgan. Mit baumelnden Hoden geht's nicht mehr in die Sauna, vorher kommt die Straffung (lacht).

Ist Ihr Film feministisch? Zimmermann: Nicht im konservativen, "Schwarzerischen" Sinne. Aber es ist ein Film, der die Weiblichkeit, die weibliche Vielfalt und die weibliche Sexualkraft feiert. Wenn man das als feministisch bezeichnet - dann ja!

Wie kam der Film auf der Berlinale an? Zimmermann: Wir hatten vier ausverkaufte Vorstellungen, 2000 Leute haben ihn gesehen. Richarz: Das Publikum reagierte ganz positiv - und mit vielen Fragen bei den anschließenden Diskussionen. Wir haben wirklich das Gefühl, etwas in Gang gesetzt zu haben.

In folgenden Kinos können Sie den Film "Vulva 3" sehen

3.10.14, 19:30 Uhr, Kommunales Kino, Freiburg (in Anwesenheit von Marione Hulverscheidt)

4.10.14, 16 Uhr, Kinemathek, Karlsruhe (Pride Pictures, 21. lesbisch-schwule Filmtage)

4.10.14, 18 Uhr, Basel, Festival luststreifen (in Anwesenheit von Marione Hulverscheidt)

6. und 8.10.14, Aarau (Schweiz), Kino Freier Film

8.10.14, 20:30 Uhr, Programmkino Rex, Darmstadt

12.10.14, 19 Uhr, Dresden, Kino im Dach

12. 10.14, 20:30 Uhr, queerfilm Festival, Bremen (in Anwesenheit von Claudia Richarz)

15.10.14, 20:15 Uhr, Hamburg, Lesbisch Schwule Filmtage (in Anwesenheit von Claudia Richarz und Ulrike Zimmermann)

16.10.14, 20:15, Dresden, Kino im Dach

21.10.14, 18 Uhr, Queer Film Festival Perlen, Hannover

25.10.14, 20 Uhr, Rostock, QueerFilmFest

26.10.14, 15 Uhr, 9. Pornfilmfestival Berlin, Moviemento Kino

26.10.14, 19 Uhr, Dresden, Kino im Dach

27.10.2014, Hamburg, Abaton-Kino, genauer Termin folgt.

ab 30.10., Hamburg, Studio-Kino, genaue Termine folgen.

ab 30.10. - 5.11., Berlin, Kino Brotfabrik

30.10. - 13.11.14, Berlin, Kino Moviemento (am 3.11. um 20 Uhr in Anwesenheit von Ulrike Zimmermann im Ramen des Erotischen Salon)

4.11.14, 19 Uhr, Esslingen, Kommunales Kino im Rahmen des 26. QueerFilmFestival

20.11.13, Mal Seh’n Kino, Frankfurt, Uhrzeit folgt.

ab 15.01.15, bei der queeren Filmwoche Leipzig in der Kinobar Prager Frühling. Genauer Termin folgt.

Weitere Vorstellungen werden auf der Seite des Films bekannt gegeben.

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