Elterngeld - das müssen Sie wissen

Gibt es Sonderunterstützung für Alleinerziehende? Kann man auch 24 Monate in Elternzeit gehen? Gibt es für Pflegekinder Elterngeld? Alles was Sie zum Thema Elterngeld wissen sollten.

Wem steht Elterngeld zu?

Seit dem 1. Januar 2007 gibt es das Elterngeld. Das Eltergeld bekommen Mütter und Väter, die für die Kinderbetreuung ihre berufliche Tätigkeit unterbrechen oder auf maximal 30 Stunden die Woche einschränken. Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens, das in den 12 Monaten vor der Geburt durchschnittlich verdient wurde. Die Höchstgrenze liegt jedoch bei 1800 Euro.

Liegt keinerlei Einkommen vor, gibt es 300 Euro Mindest-Elterngeld. Gezahlt wird das Elterngeld zwölf Monate lang oder 14 Monate, wenn auch der Partner eine Babypause nimmt (oder höchstens 30 Wochenstunden arbeitet). Um Anspruch auf das Elterngeld zu haben, müssen Mutter und Vater mit ihrem Kind in einem Haushalt leben und einen Wohnsitz in Deutschland haben oder die meiste Zeit des Jahres hier verbringen.

Fragen zum Thema Elterngeld - diese Experten haben uns beraten

  • Inés Calle Lambach, 33, Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Hamburger Kanzlei Dammann
  • Wolfgang Stadler, Geschäftsführer des Elternservice der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bielefeld
  • Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Unterstützung für Alleinerziehende?

Ich bin schwanger und habe mich von dem Vater des Kindes getrennt. Ich werde also alleinerziehend sein. Gibt es da so etwas wie eine Sonderunterstützung?

Ja. Alleinerziehende können das Elterngeld 14 Monate lang beziehen. Üblich sind sonst nur zwölf Monate. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend muss aus dem Antrag auf Erziehungsgeld jedoch klar hervorgehen, "dass der andere Elternteil weder mit dem antragstellenden Elternteil noch mit dem Kind in einer Wohnung lebt". Sie müssen also bescheinigen, dass Sie sich vom Vater des Kindes getrennt haben. Die Ausnahmeregelung - 14 statt zwölf Monate Elterngeld - gilt auch für Elternteile, deren Partnern die Übernahme der Elternzeit objektiv unmöglich ist. Dies ist zum Beispiel der Fall bei schwerer Krankheit, Schwerstbehinderung oder wenn das Wohl des Kindes gefährdet ist.

Elterngeld für Freiberufler?

Ich arbeite selbstständig als Grafikerin. Bekomme ich als Freiberuflerin auch ? Wenn ja, wie viel?

Auch Selbstständige oder Freiberufler haben ein Recht auf Elterngeld. "Maßgeblich für die Berechnung ist der durchschnittliche Nettoverdienst der vergangenen zwölf Monate vor der Geburt", erklärt Inés Calle Lambach. Sollten Sie Ihre Tätigkeit nach der Geburt einstellen, erhalten Sie ein Jahr lang ein monatliches Elterngeld in Höhe von 67 Prozent dieses Nettoeinkommens.

Beispiel: Beläuft sich Ihr Verdienst als Freiberuflerin in den zwölf Monaten vor der Geburt auf netto 21.000 Euro, bekommen Sie als Elterngeld jeden Monat 1172,50 Euro. Arbeiten Sie nach der Geburt weiter - bis zu 30 Stunden pro Woche sind trotz Elternzeit erlaubt -, erhalten Sie von der Differenz zwischen dem Nettoeinkommen aus dieser Arbeit und Ihrem Einkommen vor der Geburt 67 Prozent.

Wichtig: Da der Verdienst als Freiberuflerin von Monat zu Monat schwanken kann, muss bei der Antragstellung das voraussichtliche Jahreseinkommen prognostiziert werden. Dann gibt es einen vorläufigen Bescheid, und je nach Abweichung des tatsächlichen Einkommens von der Einschätzung müssen Sie am Ende zurückzahlen oder bekommen Elterngeld nachgezahlt.

Beispiel: Haben Sie in den zwölf Monaten vor der Geburt netto 21.000 Euro verdient (das entspricht 1750 Euro pro Monat) und jetzt in Teilzeit ein Monatseinkommen von 900 Euro, verdienen Sie 850 Euro weniger als vor der Geburt. Von diesem Differenzbetrag erhalten Sie 67 Prozent als Elterngeld, also 569,50 Euro. Damit haben Sie 1469,50 Euro pro Monat zur Verfügung.

Elterngeld für unverheiratete Paare?

Mein Freund ist Polizist, ich bin Redakteurin mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Mein Freund würde die nehmen, sein Job ist sicherer. Bekommt er Elterngeld, obwohl wir nicht verheiratet sind?

Natürlich, das Elterngeld ist nicht an die Ehe gebunden. Der Antragstellung muss dann aber die amtlich anerkannte Vaterschaftserklärung beigefügt werden. Als Dokument würde etwa die Geburtsurkunde reichen, in der Ihr Freund das Kind anerkennt. Partner in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft, die nicht Elternteil sind, haben keinen Anspruch auf Elterngeld.

Gibt es auch 24 Monate Elternzeit?

Mein Mann und ich sind Lehrer, verdienen ungefähr gleich. Wir möchten uns beide um das Baby kümmern. Haben wir zu zweit zwölf Monate? Ich habe auch mal was von 24 Monaten gehört.

Kümmern sich sowohl Mutter als auch Vater um das Kind und reduzieren dafür ihren Job beide auf weniger als 30 Stunden pro Woche oder legen ihn ganz nieder, können sie gemeinsam 14 Monate lang Elterngeld beziehen. Wie Sie sich diese Zeit als Paar aufteilen, ob zum Beispiel jeder sieben Monate nimmt (das geht auch gleichzeitig), bleibt Ihnen überlassen. Voraussetzung ist nur, dass sich jeder Partner mindestens zwei Monate lang um das Kind kümmert. Was die 24 Monate betrifft: Stimmt, Sie können auch zwei Jahre lang halbes Elterngeld beziehen.

Elterngeld bei Arbeitslosigkeit?

Mein Mann, 33, ist Architekt, jedoch seit einem Jahr arbeitslos. Ich mache eine Ausbildung. In wenigen Wochen kommt unser Kind. Mein Mann würde in Elternzeit gehen. Bekommt er Elterngeld?

Ja, auch erwerbslose Elternteile haben Anspruch auf Elterngeld. "Ist der Mann zum jetzigen Zeitpunkt bereits seit einem Jahr arbeitslos, wird er bald kein Arbeitslosengeld mehr empfangen, sondern Arbeitslosengeld II. Zusätzlich kann er dann Elterngeld in Höhe von 300 Euro beanspruchen", erklärt Inés Lambach. Jedoch: Das Elterngeld wird nur zwölf Monate gezahlt. Kritiker des Gesetzes sehen hier einen Schwachpunkt. Sie werfen dem Ministerium vor, gerade Empfänger von ALG II zu benachteiligen. Nach alter Rechtslage hätten ALG-II-Empfänger insgesamt 24 Monate lang ein Erziehungsgeld in Höhe von 300 Euro erhalten.

Elterngeld für adoptierte Kinder?

Wir können keine eigenen Kinder bekommen. Daher würden mein Mann und ich gern ein Kind adoptieren oder in Pflege nehmen. Wie sieht es in solchen Fällen mit Elterngeld aus?

Auch Adoptiveltern können Elterngeld beziehen. "Dabei zählt nicht der Zeitpunkt der Geburt, sondern wann das Kind in die Familie aufgenommen wird", so Wolfgang Stadler. Das heißt, auch wenn Sie zum Beispiel ein dreijährigesKind adoptieren, bekommen Sie Elterngeld. Diese Regelung gilt bis zur Vollendung des achten Lebensjahres. Wer ein Kind in Pflege nimmt, erhält kein Elterngeld, sondern monatlich festgesetzte Zahlungen vom Jugendamt.

Lohnt sich Elterngeld nur für Besserverdiener?

Mein Partner ist Krankenpfleger, ich arbeite als Krankenschwester. Zu zweit haben wir rund 2000 Euro netto im Monat. Ich höre oft, dass Elterngeld sich nur für Besserverdiener lohnt. Für uns also nicht?

"Das Elterngeld berechnet sich nicht nach dem Gesamteinkommen der Eltern, sondern nach dem durchschnittlichen Nettoeinkommen des anspruchstellenden Elternteils", erläutert Wolfgang Stadler.

Beispiel: Verdient jeder von Ihnen rund 1000 Euro netto im Monat, würden Sie oder Ihr Partner zwölf beziehungsweise 14 Monate lang Elterngeld in Höhe von 670 Euro erhalten (67 Prozent des Nettoverdienstes). Auch für Sie ist das Elterngeld daher vorteilhafter als das Erziehungsgeld. Inés Calle Lambach: "Bei einem gemeinsamen Jahresnettoeinkommen von 24.000 Euro hätten Sie 300 Euro Erziehungsgeld bekommen, und das nur während der ersten sechs Monate nach der Geburt."

Elterngeld für Studierende?

Mein Freund und ich studieren beide noch und erwarten jetzt unser erstes Baby. Mein Freund hat einen Nebenjob. Bekommen wir eigentlich auch Elterngeld?

Ja. Sie erhalten ein Elterngeld in Höhe von 300 Euro - auch wenn Sie vor der Geburt neben dem Studium nicht gearbeitet haben. Kritiker merken an, dass das Elterngeld aufgrund der kürzeren Unterstützungsdauer Studenten benachteiligt. Dabei ist aber zu berücksichtigen: Auch bei Studenten koppelt sich das Elterngeld an den monatlichen Verdienst. Neben der 67-Prozent-Regelung greifen dabei die Maßnahmen für Geringverdiener.

Konkret: Das Elterngeld wird bei einem monatlichen Einkommen von unter 1000 Euro schrittweise auf bis zu 100 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens aufgestockt. Immer um 0,1 Prozent für je zwei Euro, die der Verdienst unter 1000 Euro liegt.

Beispiel: Brachte Ihnen ein Neben- oder Teilzeitjob rund 800 Euro netto im Monat ein, bekommen Sie an Elterngeld nicht 536 Euro (67 %), sondern 616 Euro (77 %). Schließlich liegen Sie 200 Euro unter 1000 Euro, macht plus zehn Prozent.

Elterngeld bei Zwillingen?

Ich bin mit Zwillingen schwanger. Wie ist das eigentlich: Gibt es das Elterngeld pro Kind?

Bei Mehrlingsgeburten erhöht sich das Elterngeld um je 300 Euro für das zweite und jedes weitere Kind.

Beispiel: Haben Sie einen Jahresnettoverdienst von 25.000 Euro, entspricht das einem Elterngeld von 1395 Euro im Monat. Bei Zwillingen würden Sie aber 1695 Euro bekommen, bei Drillingen sogar 1995 Euro. Das Elterngeld kann bei Mehrlingsgeburten über den Maximalbetrag von 1800 Euro hinausgehen.

Eine Sonderregelung gibt es auch, wenn ein weiteres Kind relativ kurz nach dem ersten zur Welt kommt. Dann gilt: Lebt die Elterngeld-beziehende Person mit zwei Kindern unter drei Jahren oder mit mindestens drei Kindern unter sechs Jahren zusammen, erhöht sich das Elterngeld um zehn Prozent, mindestens aber um 75 Euro.

Nicht zu vergessen: Das Kindergeld wird auch künftig zusätzlich bezahlt; es beträgt unverändert für das erste bis dritte Kind je 154 Euro im Monat.

Elterngeld, wenn beide Eltern zu Hause sind?

Wir erwarten unser drittes Kind. Die beiden ersten sind sieben und neun Jahre alt. Ich bin Hausfrau, mein Mann arbeitet als Personalmanager. Nun überlegt er, in Elternzeit zu gehen. Würde er Elterngeld bekommen, obwohl es mit mir schon jemanden gibt, der sich ums Kind kümmern kann?

Ja, auch Alleinverdiener erhalten Elterngeld, wenn sie ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder unterbrechen. "Ziel des Elterngeldes ist die Sicherung der Lebensgrundlage der Familie eben auch dann, wenn die Eltern sich vorrangig um ihre Kinder kümmern wollen", betont Wolfgang Stadler.

Was Sie jedoch wissen sollten: Auch wenn das monatliche Nettoeinkommen Ihres Mannes derzeit über 2700 Euro liegt, wird er nicht mehr als 1800 Euro Elterngeld bekommen.

So kommen Sie zu Ihrem Geld

Das Elterngeld muss schriftlich beantragt werden und zwar bei den örtlichen so genannten "Elterngeldstellen". Adressen dieser Stellen, nach Bundesländer sortiert, finden Sie beim Familienministerium

Hinweis: Das Geld wird rückwirkend nur für die letzten drei Monate gezahlt. Für die Antragstellung muss das Einkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt nachgewiesen werden. Arbeitnehmer reichen am besten Lohn- oder Gehaltsabrechnungen ein, Selbstständige beispielsweise auch den letzten Steuerbescheid.

Unter http://www.bmfsfj.de gibt es weitere Informationen und die Broschüre "Elterngeld und Elternzeit" zum Herunterladen und Bestellen.

Text: Nicole Maibaum Foto: dreamstime.com

Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich habe ein wichtige Frage zur Elternzeit. Wir würden gerne die 24 Moante aufteilen, geht dass das ich 18/20Monate zu Hause bin und mein Mann den Rest? Kann mir da jemand helfen?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Lolee,
    Sie haben recht. Wir haben den Fehler im Text korrigiert.
    Herzliche Grüße,

    Ihr BRIGITTE.de-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Die Berechnung im zweiten Beispiel ist falsch. Sonst würde es sich ja gar nicht lohnen Teilzeit arbeiten zu gehen. Das Elterngeld beträgt hier: 569,50Euro
    (1750Euro monat. netto-900Euro=850 davon 67% =569,50Euro; d.h. insg. hat man 1469.50Euro im Monat zur Verfügung).

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