Ehe für alle: So tolerant sind andere Länder

Wie gleichberechtigt sind Schwule und Lesben in verschiedenen Ländern? Wir haben mal verglichen - und festgestellt: Nicht nur das katholische Irland überrascht.

Irland

Auf das kleine Land schaut gerade die ganze Welt. Denn die Iren, die bislang eher für ihr katholisch geprägtes Weltbild bekannt waren, haben in einer Volksabstimmung mit einem deutlichen "Yes!" für die Homo-Ehe gestimmt. Irland ist damit der erste Staat, der die Ehe zwischen homosexuellen Partnern per Referendum einführt.

Bis 1993 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen in Irland übrigens noch strafbar.

Deutschland

Bei uns ist die Lage - mal wieder - etwas komplizierter.

Seit 2001 gibt es hier die eingetragene Lebenspartnerschaft für Schwule und Lesben. Im Lauf der Jahre haben die Paare mehr Rechte bekommen, etwa beim Ehegatten-Splitting, der Hinterbliebenen-Versorgung und im Beamtenrecht.

Die Ehe jedoch, die nach dem Grundgesetz unter "besonderem Schutz" steht, ist in Deutschland nur heterosexuellen Paaren vorbehalten. Gegen eine Änderung sprechen sich vor allem die Politiker der CDU/CSU aus.

Zwar bessert die große Koalition jetzt weiter nach: So sollen in 23 verschiedenen Gesetzen und Verordnungen die Vorschriften für die Ehe auf die Lebenspartnerschaft ausgedehnt werden. Doch es bleiben immer noch rund 150 Regelungen, bei denen gleichgeschlechtliche Paare schlechter gestellt sind als heterosexuelle Eheleute.

Auch bei der Adoption gibt es noch keine Gleichberechtigung:

Was erlaubt ist: - Wenn ein Partner ein leibliches Kind hat, kann der andere dieses Kind adoptieren (Stiefkindadoption). - Wenn ein Partner ein nicht-leibliches Kind adoptiert hat, kann unter Umständen im Nachgang auch der andere Partner adoptieren (Sukzessivadoption).

Was nicht erlaubt ist: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen nicht gemeinsam und gleichzeitig ein nicht-leibliches Kind adoptieren.

Niederlande

Im gleichen Jahr, in dem bei uns die rechtliche Sonderlocke erfunden wurde, führten unsere Nachbarn schon die Ehe für alle ein. Die Niederländer waren damit weltweit Vorreiter bei der gleichgeschlechtlichen Ehe. Auch die gemeinsame Adoption ist in den Niederlanden für Lesben und Schwule möglich.

USA

Die Homo-Ehe ist in den USA nach wie vor ein heißes Eisen, und wird insbesondere von religiösen Gruppen hart bekämpft. Aktuell berät der Oberste Gerichtshof darüber, ob Schwule und Lesben in den USA heiraten dürfen. Bis Juni 2015 soll eine Entscheidung fallen - der Ausgang ist noch völlig offen, die Meinungen unter den Richtern gespalten.

Derzeit ist die Homo-Ehe in 36 Bundesstaaten erlaubt. Und in 22 Bundesstaaten dürfen gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren - egal, ob es sich dabei um den leiblichen Nachwuchs eines Partners handelt oder nicht.

Schweden

In Schweden dürfen homosexuelle Paare seit 2009 standesamtlich und kirchlich heiraten - wobei eine kirchliche Hochzeit auch juristisch bindend ist. Auch gemeinschaftliche Adoptionen sind dort gestattet.

Norwegen

Auch in Norwegen gibt es seit 2008 sowohl kirchliche als auch standesamtliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare - "eingetragene Lebensgemeinschaften" gab es dort bereits seit 1993. Adoptiert werden dürfen dort nur Stiefkinder eines Partners.

Belgien

Seit 2003 sind in Belgien homosexuelle Paare bei der Eheschließung gleichgestellt, Kinder dürfen sie seit 2006 adoptieren.

Spanien

In Spanien, wo die katholische Kirche ebenfalls großen Einfluss hat, dürfen gleichgeschlechtliche Partner seit 2005 heiraten. Auch die Adoption ist gestattet - selbst, wenn die Partner nicht verheiratet sind.

Großbritannien

England und Wales stimmten im Juli 2013 für die Einführung der Homo-Ehe, Schottland folgte im Februar 2014. Zuvor gab es eine "bürgerliche Partnerschaft", die seit 2005 Gleichstellung für homosexuelle Paare bei Adoption, Erbschaft, Arbeit und Rente gewährte.

Dänemark

Dänemark startete sogar schon 1989 mit der Möglichkeit, homosexuellen Paaren eine "eingetragene Lebenspartnerschaft" zu bieten. Seit 2012 ist dort auch ganz offiziell die kirchliche und standesamtliche Trauung möglich, adoptieren dürfen gleichgeschlechtliche Paare seit 2009.

Schweiz

Wie in Deutschland haben auch in der Schweiz homosexuelle Paare kein Recht auf Eheschließung. Auch hier gibt es die "eingetragenen Lebensgemeinschaften", die aber keine Kinder adoptieren dürfen. Aber immerhin: Ab 2016 ist dort die Stiefkindadoption leiblicher Kinder legal. Und: Ein Gesetzentwurf über die gleichgeschlechtliche Ehe liegt dem Nationalrat bereits vor. Vielleicht gibt also auch das Alpenland seine konservative Haltung bald auf.

Portugal

Gleichgeschlechtliche Ehen sind seit Juni 2010 in Portugal erlaubt, Adoptionen durch Homosexuelle weiterhin unzulässig.

Finnland

Das finnische Parlament stimmte im vergangenen Jahr für die Einführung der Homo-Ehe, das Gesetz soll aber erst 2017 in Kraft treten.

Australien

Einen großen Schritt zurück machte Australien vor zwei Jahren: Der Oberste Gerichtshof Australiens erklärte ein Gesetz für ungültig, das gleichgeschlechtlichen Paaren in der Region um Canberra die Eheschließung erlaubte. Die Regelung könne nicht vor dem Bundesrecht stehen, so die Richter, in Sachen Ehe habe das Parlament das letzte Wort. Und das ist aktuell leider gegen die Homo-Ehe.

Nach der Entscheidung gab es tragische Szenen: Denn 27 Ehen wurden damit für ungültig erklärt. Viele Betroffene brachen in Tränen aus, als sie die Entscheidung hörten.

Gleichgeschlechtliche Paare können in den meisten australischen Bundesstaaten nur eine registrierte Partnerschaft eingehen. Diese wird jedoch von den Bundesbehörden juristisch nicht als Ehe angesehen.

Russland

Von einer Gleichstellung sind Schwule und Lesben in Russland noch weit entfernt, und tatsächlich hat sich ihre Position in den letzten Jahren sogar verschlechtert. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden nach wie vor vom Staat nicht anerkannt. Seit 2013 unterzeichnete Präsident Wladimir Putin außerdem ein Gesetz, das jegliche positiven Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien wie das Internet unter Strafe stellt. Außerdem wurde ein Gesetz beschlossen, wonach die Adoption russischer Kinder in Ländern mit legaler Homo-Ehe nur unter strengen Auflagen möglich ist.

Ägypten, Marokko, Mauritius, Tansania, Afghanistan, Malaysia, Malediven, Singapur, Jamaika, Kenia...

Ein kleiner Ausschnitt von Ländern, die noch weit entfernt sind von Homo-Ehe und Adoption. Hier sind homosexuelle Handlungen strafbar.

Sudan, Nigeria, Saudi Arabien, Jemen, Iran

Noch schlimmer sieht es in diesen Ländern aus. Hier droht Homosexuellen sogar die Todesstrafe.

miro

Kommentare (5)

Kommentare (5)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    @Sveta

    zitat

    "Man soll den Kindern die Möglichkeit geben, in einer neutralen Familie aufzuwachsen (also mit Vater und Mutter), wo die sexuelle Orientierung nicht durch die Eltern vorgegeben wird. "



    Ähm findest du selbst den Fehler in der aussage ? Wieso wird bei zwei Männern eine Sexualität vorgegeben bei Mann und Frau nicht ? Wenn man dann Neutralität fordern müssten Kindern dann von Asexuellen oder Robotern erzogen werden.... Alle andere leben immer eine Sexualität vor was aber egal ist den es ist erwiesen das ,

    Die Elterliche Sexualität keine Auswirkung auf der Sexualität des Kindes hat....





    Kinder haben ein Recht auf Vater und Mutter ? FALSCH



    Bei dieser aussagen Sprechen sie jeden Alleinerziehenden die Kinder ab.

    Kinder haben ein Recht mit Liebe und Geborgenheit in Frieden und Freiheit zu leben.





    Naja ist man ja gewöhnt das die homophoben mit den Sinnlosesten Argumenten kommen weil Sie ja irgendwie eine Entschuldigung für ihren Hass brauchen!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    pro homine, wenn schon, gell? Pro steht mit Ablativ. Da sind wieder Fachleute am Werk, eieiei...
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wo bleiben die Rechte der Kinder? Die Kinder haben ein Recht auf Mutter UND Vater! Hat die jemand gefragt, ob die zwei Mutter oder zwei Väter haben wollen?

    Man soll den Kindern die Möglichkeit geben, in einer neutralen Familie aufzuwachsen (also mit Vater und Mutter), wo die sexuelle Orientierung nicht durch die Eltern vorgegeben wird.

    Alle reden nur über die Rechte der Homosexuellen, was die alles haben wollen. Und das alles auf Kosten der Kinder?!!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    der "Mann" unter meinem Kommentar zeigt seine unglaubliche Schwäche, durch seinen verbitterten Kommentar, der anderen Menschen ihre Liebe nicht gönnt und nicht klar kommt mit einer freien, gleichberechtigten Welt.



    Auch er wird eines Tages zum Relikt, einer derjenigen ber die man in der Zukunft nur den Kopf schütteln wird ;)



    DAFÜR! EHE FÜR ALLE! PRO HOMO :D
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ja und? Die können so "tolerant" sein, wie sie wollen. Das heißt noch lange nicht, daß man diesen Kokolores gut finden muß. DAGEGEN!!

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