Magersucht: Tipps für Angehörige und Freunde

Eltern und Freunde sind oft überfordert im Umgang mit Menschen, die unter Essstörungen leiden. Hier geben ehemalige Magersucht-Patientinnen Ratschläge.

Ratschläge für Mütter

  • Ich habe Schuldgefühle, weil du unter meiner Krankheit leidest. Such dir selber Hilfe, zum Beispiel bei einer Selbsthilfegruppe. Gib dir auf keinen Fall die alleinige Schuld. Da kriege ich nur wieder ein schlechtes Gewissen, weil es dir wegen mir nicht gut geht.
  • Rede nicht mit anderen über mich, sondern mit mir!
  • Auch wenn ich Bücher über Essstörungen barsch abwehre, brenne ich darauf, sie heimlich zu lesen.
  • Behandle mich nicht wie ein rohes Ei, sondern wie einen normalen Menschen!
  • Nimm mich in jeder Hinsicht ernst. Es verletzt mich, wenn du dich nur noch für mein Ess-Verhalten oder mein Gewicht interessierst.
  • Ich wünsche mir mehr Aufmerksamkeit von dir - nicht, indem du mein Lieblingsessen kochst. Diese Art der Zuwendung macht mich aggressiv.

Ratschläge für Väter

  • Ich wünsche mir, dass du mich auch einmal lobst und mir das Gefühl gibst, dass Anerkennung und Liebe von Leistung unabhängig sind. Ich denke sonst leicht, dass ich immer noch besser sein muss, um überhaupt wahrgenommen und geliebt zu werden.
  • Tu meine Essstörung nicht einfach als Schlankheitstick oder kleine Spinnerei ab! Es ist furchtbar für mich, wenn ich als ein bisschen verrückt behandelt werde.
  • Reagiere nicht mit Aggression und Gewalt auf mein Essverhalten.
  • Schiebe nicht die ganze Verantwortung auf meine Mutter ab und gib nicht ihr die Schuld an meiner Krankheit. Ich wünsche mir, dass du dir auch Gedanken machst.

Ratschläge für Gleichaltrige

  • Lass mich nicht fallen! Ruf an, schlag Unternehmungen vor, die nichts mit Essen zu tun haben. Ich brauche das Gefühl, dass ich dir wichtig bin, schaffe es aber oft nicht, mich aus meiner Isolation zu befreien.
  • Sei herzlich, nimm mich ruhig mal in den Arm.
  • Frag mich, wie es mir geht. Sei aber bitte nicht enttäuscht oder wende dich ab, wenn ich dich abweise. Ich kenne mich oft selbst mit meinen Gefühlen nicht aus und verletze dich, ohne es zu wollen.
  • Lass dich nicht auf Figurvergleiche ein! Sie unterstützen nur mein krankes Denken.
  • Bewundere nicht mein extrem kontrolliertes Essverhalten und mein Untergewicht! Sonst bestätigst du mich noch in meinem kranken Verhalten.
  • Streich das Wort "Streber" aus deinem Wortschatz. Ich bringe meine guten Leistungen nicht, um zu schleimen, sondern weil ich mein Selbstbewusstsein stärken will.

Tipp: Diese Ratschläge finden sie neben vielen weiteren in "Was sind Ess-Störungen? Ein kleines Handbuch zur Diagnose, Therapie und Vorbeugung" von M. Gerlinghoff / H. Backmund. 8,90 Euro, Beltz Verlag.

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