Der Fall Gina-Lisa Lohfink: Wer ist hier im Recht?

Gina-Lisa Lohfink hat zwei Männer wegen Vergewaltigung angezeigt. Nun steht sie selbst vor Gericht.

"Eine Vergewaltigung, im Film dokumentiert"

Ex-GNTM-Kandidatin hat 2012 zwei Männer wegen Vergewaltigung angezeigt. Von dem Vorfall gibt ein Video, auf dem sie mit einem Mann auf einem Sofa liegend zu sehen ist und drei Mal deutlich zu ihm sagt: "Hör auf!"

Nach der betreffenden Nacht habe sie sich nach eigener Aussage zunächst an nichts erinnern können. Sie vermutet, dass die Männer ihr K.O.-Tropfen verabreicht haben. Erst als Lohfink die Video-Aufnahme von sich sieht, die die betreffenden Männer im Netz verbreiten und an die Medien verkaufen wollen, geht sie vor Gericht.

Keine Verurteilung wegen sexueller Nötigung

Trotz der Videoaufnahme werden die beiden Männer lediglich zu geringen Geldstrafen wegen der Verbreitung des Filmmaterials verurteilt. Das Gericht sieht keine ausreichenden Beweise für den Tatbestand einer oder sexuellen Nötigung.

Lohfinks Verteidiger Burkhard Benecken sagte zur "Welt", dass das Video keinen Zweifel daran lasse, dass es sich um nicht einvernehmlichen Sex gehandelt habe. "Eine Vergewaltigung, im Film eindeutig dokumentiert." Und der "Stern" berichtet: "Fast jeder, der das Material zu sehen bekommt, ist überzeugt, eine Straftat zu erkennen."

Nun sitzt Lohfink selbst auf der Anklagebank

Nun aber sitzt die Frau auf der Anklagebank: Lohfink soll 24.000 Euro wegen Falschaussage zahlen.

Vor Gericht beteuert sie, immer die Wahrheit gesagt zu haben. Und fügt hinzu: "Eines weiß ich genau. Ich würde niemals wieder in meinem Leben, auch als Geschädigte, ohne einen Strafverteidiger zur Polizei gehen. Bedauerlicherweise verstehe ich heute auch, dass viele Frauen, obwohl sie Opfer einer Sexualstraftat geworden sind, aus Angst vor Konsequenzen in Bezug auf die eigene Person den Weg zur Polizei nicht mehr gehen. Ich finde es traurig, dass ich dies sagen muss, aber ich wusste nicht, dass man von der Geschädigten zur Täterin gemacht werden kann."

Was ist das für ein Signal an Frauen, die sexuelle Gewalt erleben?

Für die vielen Frauen in Deutschland, die sexuelle Gewalt erleben, könnte dieser Vorgang ein fatales Signal sein. Schon jetzt kommt es bei rund 160.000 angenommenen Vergewaltigungen pro Jahr nur zu wenigen Verurteilungen: ungefähr 1.000.*

Viele Frauen zeigen ihre Peiniger nicht an – aus Scham, weil die Männer zur Familie oder zum "Freundeskreis" gehören. Oder weil sie Angst vor Vorverurteilung und den demütigenden Fragen der Justiz haben.

Immer noch sehen sich Frauen dem Verdacht ausgesetzt, dass sie nicht ganz unschuldig an einer Sexualstraftat sind: falsche Kleidung, falsches Benehmen, falscher Ort, selber schuld. Klar ist: Im Falle von Lohfink schwingt ein mehr oder weniger explizit geäußerter Vorwurf mit: So ein "Busensternchen" ("B.Z.") fordere das ja schon irgendwie heraus. Im Gerichtsflur wurde sie von drei Männern als "Hure" beschimpft.

"NEIN heißt NEIN" lautet ein Grundsatz, den Feministinnen schon lange fordern. Gut möglich, dass der Fall Gina-Lisa Lohfink die Debatte um eine Verschärfung des Sexualstrafrechts neu entfacht.

Der Prozess soll am 27. Juni in Berlin fortgesetzt werden.

*Nachtrag der Redaktion, 22.06.2016: Die genannten Zahlen zu Vergewaltigungen und der Verurteilung von Tätern in Deutschland stammen von "Terre des Femmes e. V."

Kommentare (8)

Kommentare (8)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Diesem Artikel wurde die fragwürdige Ehre zuteil, von Herrn Fischer zum journalistischen Tiefpunkt der Woche erklären worden zu sein. Herr Fischer widmet dem Thema immerhin drei Seiten seiner Kolumne und lässt kein Haar der Autorin ungekrümmt. Er bezeichnet die Auslassungen der Autorin zum Thema Lohfink als Zeilen purer Kenntnisfreiheit, was beim an Bürgerrechte, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und journalistische Kompetenz glaubenden Menschen Brechreiz auslöst kann. Man kann der Autorin zu einer solchen Auszeichnung nur gratulieren.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hier mal eine komplett andere Sichtweise der Dinge, in der auch die Begründung des Gerichts erwähnt wird, nämlich dass das Nein von Lohfink sich nur auf das Filmen bezog:



    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/rechtspolitik-sexualstrafrecht-vergewaltigung-taeter-opfer-fischer-im-recht/komplettansicht



    Dass der Rechtsanwalt anderer Ansicht ist, sollte klar sein, und dass ein verallgemeinernder Stern-Journalist eine andere Meinung vom Tatgeschehen hat spielt keine Rolle.



    ... und ganz nebenbei noch die Abrechnung, warum solche wesentlichen Dinge hier nicht erwähnt werden.

    Alles in allem wird hier aus einer Täterin ohne Ahnung vom Fall ein Opfer gemacht.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Zu derdahalt:

    Über wen spricht er? Den Namen habe ich noch nie gehört. Und von Orthografie hat er noch nichts gehört.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Der Kommentar von Winche ist nun wirklich völlig daneben. Einfach widerlich dem Opfer die Schuld zu geben. Betrunken, kurzer Rock, Pornokarriere? Scheiß egal! Das ist nicht relevant.

    Nein heißt Nein! 'Das muss akzeptiert werden. Und das Strafrecht muss angepasst werden. Fahre ich unerlaubt mit jemandes Auto mache ich mich strafbar, nur beim ungewollten Sex muss sich das Opfer wehren, sonst ist es keine Vergewaltigung im strafrechtlichen Sinne. Maximal ein Mißbrauch Widerstandsunfähiger kann dann noch möglich sein, wenn die Person aufgrund körperlicher oder geistiger Gründe nicht in der Lage war sich zu wehren. Angst, Schockstarre, völlige Verwirrung aufgrund der Situation können aber dazu führen, dass die Frau sich eben nicht körperlich wehrt. Und dann soll es in Ordnung sein?

    Das schlimmste in diesem Fall ist aber, dass die Staatsanwaltschaft nicht das Augenmaß besessen hat, keine weiteren Schritte gegen Frau Lohfink zu unternehmen. Da zweifelt man wirklich an der Ju
  • Anonymer User
    Anonymer User
    @winche:

    Gleiche Rechte für alle.

    Was hat das Vorleben des Opfers mit der Bewertung der Tat zu tun?

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