Glückwunsch! Das ist die sexistischste Werbung 2017

Auch 2017 müssen Frauen für sexistische Werbung herhalten. "Terre des Femmes" hat die ärgerlichsten Motive gekürt.

"Der zornige Kaktus" - ein wichtiger Anti-Preis in einer sexistischen Gesellschaft

Frauen, die auf Brüste und Hintern reduziert und als bloße Sexobjekte für Männer inszeniert werden, begegnen uns auch im 21. Jahrhundert noch an jeder zweiten Ecke. Die Frauenrechtsorganisation "Terre des Femmes" will für das Problem sensibilisieren und verlieh bereits zum dritten Mal den "zornigen Kaktus" für die frauenfeindlichste Werbung. 

Unrühmlicher Sieger ist eine des Hamburger Sportstudios „fitness & friends“. Es wirbt mit dem Foto einer lasziv an einem phallischen Eis lutschenden Frau und dem Spruch „Heiss, heiss Baby!“ für seine neuen Saunen. Das Motiv erinnert an einen Blow Job und richtet sich offenbar ausschließlich an Männer.

1. Platz: "fitness & friends"

Sexistische Werbung 2017

Dieses Motiv von "fitness& friends" kam auf den 1. Platz


Terre des Femmes begründete die Entscheidung so: „Die Pose der dargestellten Frau weckt Assoziationen mit der Darstellung eines „Blow-Jobs“/Oralbefriedigung eines Mannes in einem Pornofilm oder Pornoheft. Diese Darstellung reduziert die Frau zum reinen Sexobjekt und suggeriert ihre sexuelle Verfügbarkeit. Dieser Eindruck wird verstärkt durch den Text „Heiß, heiß, Baby!“, was Assoziationen mit den entsprechenden Anfeuerungsrufen in Porno-Filmen hervorruft. (...) Das beworbene Produkt – ein Fitnessstudio – hat keinen Produktbezug zu der dargestellten Frau in der abgebildeten Pose.“

2. Platz: "MKR Rothenbücher"

Sexstische Werbung: Zorniger Kaktus

Mindestens genauso peinlich: Der Kölner Schrotthändler kam auf Platz 2.

Auf den zweiten Platz kam eine Anzeige der Kölner Firma „MKR Rothenbücher“. Die Jury begründete ihre Auswahl so:

Die Brüste einer Frau mit „Glocken“ zu vergleichen, könnte poetisch sein – „Glocken“ für weibliche Brüste ist im Deutschen jedoch eher als derber und abwertender Jargon-Ausdruck gebräuchlich. (...) Die nackte Brustpartie wird dabei im Zentrum des Bildes inszeniert, der Kopf der Frau ist nicht zu sehen. Das Individuum, die Frau, soll nach Ansicht der Jury auch gar keine Rolle spielen, nur ihr nackter Körper wird instrumentalisiert, um Metallschrott in Szene zu setzen. Die sexualisierte Darstellung des Frauenkörpers dient lediglich als Blickfang. Die Frau wird auf ihren Busen reduziert, ohne dass ihr nackter Körper oder verdeckter Busen direkten Produktbezug hätte. Im Zusammenhang mit einem Ankauf von Schrott dann von „alten Glocken“ zu sprechen, die man gönnerisch auch „nehmen“ würde, ist zusätzlich diskriminierend und wertet nach Ansicht der Jury nicht nur Frauen generell, sondern gerade alte und ältere Frauen in unerträglicher Weise ab."

3. Platz: „Garten- und Landschaftsbau Borgmann“

Sexistische Werbung - zorniger Kaktus

Richtig, am Strand wird ja gern mal gegärtnert: Diese Anzeige kam auf den 3. Platz

Auf den dritten Platz wurde die Anzeige von „Garten- und Landschaftsbau Borgmann“ aus dem niedersächsischen Ankum gewählt:

"Diese Darstellung eines Frauenhinterns am Strand hat mit dem beworbenen Ausbildungsberuf des Gärtners (der Gärtnerin? Sie wird übrigens nicht einmal textlich erwähnt) nichts zu tun, denn hier wird ganz bewusst das sexualisierte Körperteil einer Frau als Blickfang instrumentalisiert. Nach Auffassung der Jury wird die Frau in der Darstellung reduziert auf dieses eine Körperteil, ihren Hintern, was zugleich auch Assoziationen von sexueller Verfügbarkeit weckt – durch den Text „Magst Du’s dreckig?“, der nach Ansicht der Jury an die Sprache in Porno-Filmen und der Anbahnungssituation im Prostitutions-Milieu erinnert. Das beworbene Produkt – die Ausbildung zum Gärtner – hat nach Dafürhalten der Jury keinerlei Bezug zum Körperteil der dargestellten Frau in der abgebildeten Pose."

Mehr als 80 Motive standen zur Auswahl

"Terre des Femmes" hatte die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, zornig machende Werbemotive einzureichen - und mehr als 80 sexistische Anzeigen gingen ein. Aus den Vorschlägen wählte eine dreiköpfige Jury drei Motive zur Online-Abstimmung aus. Dabei wurde das Hamburger Fitness-Studio unrühmlicher Sieger: "fitness & friends" erhielt 2.235 der insgesamt 3.720 abgegebenen Stimmen.

Die Organisation hat den Gewinner über seinen „Sieg“ informiert und zum Gespräch über Sexismus in der Werbung eingeladen. Außerdem hat sie sich beim Werberat über die drei Finalisten beschwert, damit er diese auffordert, ihre Werbung zurückzuziehen, und gegebenenfalls öffentlich rügt.

2016 hatte Justizminister Heiko Maas (SPD) ein Gesetz gegen sexistische Werbung in Aussicht gestellt, das leider auf massiven Widerstand stieß und danach beerdigt wurde. Wirklich schade.

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