"Hollaback!": Schluss mit dem Schweigen!

Die Bewegung "Hollaback!" setzt sich weltweit gegen sexuelle Belästigung auf der Straße ein, indem sie die Erlebnisse der Opfer im Netz veröffentlicht. Julia Brilling von "Hollaback! Berlin" erklärt, warum das so wichtig ist.

Sexuelle Belästigung auf der Straße: Julia Brilling, Leiterin von "Hollaback! Berlin"

Julia Brilling, Leiterin von "Hollaback! Berlin"

Ein Samstagabend, gegen 0 Uhr, in der S5 zwischen Alexanderplatz und Friedrichstraße. Julia Brilling ist auf dem Weg nach Hause. Die Bahn ist voll besetzt. Ihr Blick fällt auf eine Gruppe Jungs, etwa 16 bis 19 Jahre alt, die in einer Sitzecke ein Mädchen umringen. Das Mädchen ist sehr jung und offensichtlich angetrunken. Die Jungs bedrängen sie, machen anzügliche Bemerkungen, legen Hände auf ihre Knie. Julia Brilling glaubt zunächst, das Mädchen gehöre zur Gruppe dazu. Doch schnell wird klar, dass sie die Pöbler weder kennt, noch Lust hat sie kennenzulernen. Julia Brilling will helfen, traut sich aber nicht, alleine gegen die Gruppe anzugehen. Sie versucht, die Mitreisenden darauf aufmerksam zu machen. Aber keiner reagiert. "Das hat mich so aufgeregt", sagt sie. "Es hat einfach niemanden interessiert."

Es ist eine typische Situation, wie sie täglich überall in Deutschland passiert. Die meisten Menschen nehmen es hin, dass Mädchen und Frauen mit sexueller rechnen müssen. Doch Julia Brilling wollte es nicht mehr hinnehmen. "Ich bin danach ins Internet gegangen und habe nach Verbündeten gesucht." So stieß die 29-Jährige auf die Bewegung "Hollaback!", die 2005 als Blog gegen street harrassment in den USA begann und inzwischen mit Ablegern in fast 30 anderen Ländern vertreten ist. Julia Brilling war begeistert und beschloss, das Konzept nach Berlin zu bringen. Kurz darauf ging "Hollaback! Berlin" online.

So funktioniert "Hollaback!"

Sexuelle Belästigung auf der Straße: "Hollaback!": Schluss mit dem Schweigen!

Auf den lokalen "Hollaback!"-Seiten können Mädchen und Frauen ihre Erlebnisse mit sexueller Belästigung erzählen und den Ort des Übergriffs in einer Karte markieren. Mit dem Button "I've got your back!" (etwa: "Ihr steht hinter mir") drücken andere User ihre Solidarität aus. In den USA können die Nutzer auch Fotos von den Männern hochladen, doch das ist in Deutschland wegen der Persönlichkeitsrechte verboten. "Das ist auch nicht unser Konzept", erklärt Brilling. "Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Wir wollen den Leuten einen Ort geben, an dem sie ihre Geschichte von der Seele schreiben können. Wir zeigen: Solche Sachen passieren, täglich, überall, und du bist nicht alleine damit."

"Wir zeigen mit dem Zeigefinger auf Länder wie und tun so, als seien wir die Guten."

In Deutschland gibt es drei lokale "Hollaback!"-Seiten, neben Berlin, wo auch für Dresden und Chemnitz. Rund 300 Beiträge wurden bislang allein auf der Berliner Seite eingegeben. Von der 12-Jährigen, der ein Exibitionist auflauerte, bis zur Studentin, die auf der Tanzfläche angegrabscht wurde - allen gemeinsam ist, dass sie sich in der Situation furchtbar allein gelassen fühlten. "Es gibt eine Kultur des Schweigens bei allen Formen sexualisierter Gewalt", sagt Julia Brilling. "Wir zeigen oft mit dem Zeigefinger auf Länder wie Indien, wenn dort Gewalt gegen Frauen passiert und tun so, als seien wir die Guten. Dabei gibt es auch hier täglich Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung." Die Geschichten öffentlich zu machen, sei ein erster Schritt, um das Schweigen aufzubrechen.

Fast alle "Hollaback!"-Aktivisten arbeiten ehrenamtlich, so auch Julia Brilling. "Wer selbst eine lokale Seite aufbauen will, bekommt von der US-Zentrale ein Starter-Kit mit allen wichtigen Infos, aber Geld gibt es dafür nicht", so die Berlinerin, die als Referentin für die Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet. Zusammen mit ihren Kolleginnen Julia Pfannschmidt und Maria Lüdtke hat sie auch eine Ausstellung organisiert, die am Wochenende auf dem Festival "48 Stunden Neukölln" zu sehen ist. "Wir freuen uns sehr, dass wir dort die Werke von zwei tollen Künstlerinnen, Noah Sow und Tatyana Fazlalizadeh, zeigen können."

Tatyana Fazlalizadeh ist eine Künstlerin aus Brooklyn, die mit ihrem viel beachteten Streetart-Projekt "Stop Telling Women To Smile" gegen sexuelle Belästigung auf der Straße demonstriert. Die gezeichneten Frauen-Porträts verteilt sie in Städten und gibt so dieser subtilen Form der Gewalt ein Gesicht:

"Stop Telling Women To Smile": Mit Kunst gegen Belästigung

"Stop Telling Women To Smile": Mit Kunst gegen Belästigung

"Hollaback!" ist aber nicht nur ein Ort, um Geschichten loszuwerden, es gibt auch Tipps, so genannte "Green Dots", wie Frauen und Mädchen sich wehren können. Und auch für Zeugen haben die Aktivisten Anregungen, wie sie sich verhalten können. Auf dass die Fahrgäste der Berliner S5 beim nächsten Übergriff nicht mehr wegsehen.

Mehr Infos auf http://berlin.ihollaback.org. Die "Hollaback!"-Ausstellung auf dem Festival "48 Stunden Neukölln" ist vom 27. bis 29. Juni zu sehen bei endorphina Backkunst, Elsenstraße 52, .

Mit Grafiken wie dieser versucht "Hollaback!" aufzuklären:

Sexuelle Belästigung auf der Straße: "Hollaback!": Schluss mit dem Schweigen!

Wer hier schreibt:

Kommentare (16)

Kommentare (16)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo Zusammen und Ms Hollaback,



    nun mal ganz schön Locker!!!........und tiiiieeeeef durchatmen! :O)



    Ich weis 100 %ig dass es in Amerika lange nicht so schlimm mit dem Sexismus

    ist als in Deutschland und natürlich anderen Europäischen Ländern.



    Ich selbst habe über 15 Jahre in Ameika gelebt und noch NIE etwas derartig

    schandvolles oder deskriminierendes erlebt in all dieser Zeit.



    Und in der Tat bin ich eine sehr Sexi, attraktieve, liebevolle Frau aus gutem Haus

    und mit wohl erzogenen Manieren was man noch "Anstand und Respekt nennt."



    Was bei Nivoulosen vor allem in der heutigen Zeit fehlt! LEIDER! :(



    Ich muss eher gestehen und kann mit Gutem Gewissen behaupten

    das der Haken ganz eindeutig an Europa liegt.



    Europa ist nicht Frei!



    Und man wird hier viel eher mit Allem Tag -Täglich diskriminiert.



    Für mich ist es hier die "Reinste Tortour"

    Vor allem Frauen stehn hier leider immer noch an einer

    Sozialen Randlösung Sackgasse =

    im eigentlichen Sinn
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Im Zusammenhang mit den Vergewaltigungen in Indien, stellte ich vor kurzem fest, dass in Europa, Schweden das land mit den meisten Vergewaltigungen ist.

    Deutschland, USA u.a. haben eine sehr viel höhere Vergewaltigungsquote als Indien.

    In D und USA gibt es eine sehr hohe Dunkelziffer bei den vergewaltigten Männern, auch weil sie nicht so ernst genommen werden,wie die der Frauen.

    Selbst wenn Dunkelziffern von D,USA,und Indien hereingerechnet werden, bleibt es dabei, bei uns passiert da mehr mieses, asl wir wahr haben wollen. Und da wo die Presse aufschlägt, wird noch dazu unser Beobachtungsfokus hingelenkt. Natürlich bleibt es dabei,dass Frauen allgemein in Indien nicht angemessen wertgeschätzt wird. Aber sie wird deshalb nicht sofort vergewaltigt.

    Der Spruch kehre erst vor deiner Haustür ärgert mich.

    Aber kehre AUCH vor deiner Haustür ist öfter hilfreich.

    Wenn wir bei uns nicht richtig hingucken, können wir schlecht mit dem nackten Finger auf die anderen zeigen
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo Stefan.

    Ich will hier niemanden übertrumpfen,wenn ich von Übergrifflichkeit erzähle. Manche Männer machen eben genau das, was ich unten erzählt habe.

    Aber, du hast natürlich Recht. Was jetzt geschieht, ist zu viel. Jetzt soll es sogar Beauftragte gegen sexuelle Übergriffe in den Betrieben geben. Ich weiß nicht wohin das führt.

    Und ja, leider gibt es auch sexuelle Übergriffe auf Männer, sicherlich öfter noch,als man denkt.

    Das ist selbstverständlich auch den Frauen NICHT gestattet.

    Bei den Kommentaren hier,geht es sogar noch gesittet zu, das ist in anderen Zeitungen nicht so.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Oh Mann, Ihr Frauen.

    Tonnen über Tonnen an Aufschreigeschichten. Gerade wurde wieder eine Statistik über Sexismus am Arbeitsplatz veröffentlicht. Ergebnis 52 % der Frauen und 46% der Männer kennen das. So ist das.

    Blöde Anmachsprüche kennt jeder. Geh doch mal als Mann an Weiberfastnacht nach 15.00 auf ein Betriebsfest. Da köffnen die meisten von aufgezwungen Zungenküssen oder dem griff zwischen die Beine erzählen. Das ist nicht schön. Genauso, wie es andersherum nicht schön ist. Was aber Ihr liebe Frauen macht, ist etwas anderes. Ihr stellt Männer pauschal als schlechte Menschen da und wollt jeden zum Privatpatienten machen. Dabei ist auch keine halbhohe zu schade. Ihr habt einen Wettbewerb im Schildern von Männer Erlebnissen entfacht, bei dem mittlerweile ja angeblich quasi jede Frau das schon erlebt hat und alle Männer so sind. Das ihr dabei Euch selbst am meisten schadet, scheint Euch nicht klar zu sein. Männer werden sich ändern. Aber nicht so, wie Ihr es zu forde
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Holly. Da tanzt Robin Williams mit nacktem Oberkörper (wärend der Geburt seines Kindes), ganz offenbar sexy mit allen Posen und es stört niemand, dass er oben ohne ist, dass er seine Nippel zeigt. Stell die vor dass hätte seine Frau getan. Es hätte einen Aufschrei gegeben, Marke Nippelgate. Warum wohl stehen (viele)Amis auf dicke runde schöne Pos? Die haben keine Nippel. Femen setzen ihren Busen nicht sexuell ein. Sie wollen Aufmerksamkeit erregen. Die Bild überstrahlt, lächerlicherweise die Nippel der Nacktmodels. Nicht, weil sie die Frauen schützen wollen, sondern weil sie Bild auch in den USA verkaufen wollen, dass geht nicht mit Nippel. Auch würde die Zeitung sonst nicht mehr immer im US-Google zu sehen sein. Frauen werden als Verkaufsstrategie benutzt! Der Wert der Frau sinkt, weil sie plötzlich eine Sache ist, die man wie im Artikel einfach belästigen darf. Sie darf nicht zicken, sonst wird sie noch stärker bedrängt. Zeitungen , wie Bild, produzieren ein falsc

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