Was kann ich konkret tun, um Flüchtlingen zu helfen?

Seit dem Zweiten Weltkrieg waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht wie heute. Ihr wollt den Flüchtlingen helfen, wisst aber nicht, wie? Hier findet ihr Tipps und Infos.

Alles wird knapp: Unterkünfte, Sanitäranlagen, Helfer ...

Die Flüchtlingssituation ist dramatisch. "Im vergangenen Jahr flohen mehr Menschen als jemals zuvor seit Beginn unserer Aufzeichnungen", sagte der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Antonio Guterres. Mehr als 60 Millionen Menschen weltweit hätten ihre Heimat verloren. 2015 rechnet die Bundesregierung statt mit den prognostizierten 450.000 nun mit bis zu 750.000 Asylbewerbern. Alles wird knapp: Flächen, Unterkünfte, Sanitäranlagen, Helfer.

... obwohl die Hilfsbereitschaft riesig ist

Die dramatische Situation ruft nicht nur Rechte und Rechtsextreme auf den Plan, die in der Bevölkerung Ängste und Hass schüren, sondern zum Glück auch viel Helfer, die den Flüchtlingen das Leben erleichtern wollen - mit Deutschkursen, Sachspenden, Spielangeboten für die Kinder, Übersetzungsdiensten, Zuwendung und Zeit. Überall gründen sich Initiativen, oft noch, bevor die Hilfsbedürftigen überhaupt in die Unterkünfte einziehen.

"Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft in der Bevölkerung sind unwahrscheinlich hoch," erzählt uns Birte Vogel. In ihrer Freizeit betreibt sie den sehr informativen Blog wie-kann-ich-helfen, auf dem sie Flüchtlingsinitiativen in ganz Deutschland listet und viele Links und Infos liefert. Sie sagt, dass sich mit Abstand die meisten Suchanfragen auf ihrem Blog um das Thema drehten, Flüchtlinge privat unterzubringen. "Offensichtlich sind bundesweit sehr viele Leute daran interessiert."

Noch immer werden helfende Hände und Sachspenden benötigt

Trotz des großen Engagements werden überall helfende Hände und Sachspenden benötigt. In Hamburg etwa sind kürzlich mehr als 1000 Flüchtlinge vorübergehend in die Messehallen eingezogen. Noch fehlen Dinge wie Zahnbürsten, Duschgel, Shampoo, Binden, Windeln und Tampons. Helfer haben einen Aufruf auf Facebook gepostet, mit der Bitte, solche Produkte zu spenden. Aber wie findet man eigentlich heraus, wo was gerade gebraucht wird?

Was genau brauchen die Menschen?

In den meisten Fällen eure Mithilfe und Sachspenden. Man braucht Leute, die den Neuankömmlingen etwas Deutsch beibringen, beim Sortieren der gespendeten Kleidung helfen, Kulturbesuche und Behördengänge organisieren oder Übersetzungsdienste anbieten. Wenn ihr Kleidung, Hygieneartikel oder Spielzeug spenden möchtet, erkundigt euch bitte immer vorher bei den Unterkünften, den zuständigen Behörden oder lokalen Initiativen, was wirklich benötigt wird. Und bitte wascht und sortiert eure gut erhaltene Kleidung, bevor ihr sie hinbringt.

Wo finde ich heraus, wie ich in meiner Nähe helfen kann?

Leider gibt es darauf keine pauschal gültige Antwort. Jede Kommune arbeitet anders und deshalb ist oft ein kleines bisschen Recherche gefragt. Eine tolle erste Anlaufstelle ist der bereits weiter oben genannte Blog wie-kann-ich-helfen von Birte Vogel. Oder ihr wendet euch an das Ordnungsamt, die örtliche Caritas, das Diakonische Werk, eure Kirchengemeinde, das Rote Kreuz oder an eine Freiwilligenagentur in eurer Nähe. Es gibt auch viele Facebook-Gruppen, die darüber informieren, was genau vor Ort gebraucht wird.

Ich möchte einem Flüchtling oder einer Familie beim Eingewöhnen helfen. Wie geht das?

An vielen Orten gibt es Initiativen, die sich ehrenamtlich um die Belange der Flüchtlinge kümmern und Patenschaften vermitteln. Als Pate oder Patin seid ihr Ansprechpartner für eine Person oder eine ganze Familie. Ihr seid für die Menschen da, wenn sie in der Fremde Hilfe brauchen - wenn es darum geht, einen geeigneten Arzt zu finden, eine Glühbirne zu kaufen oder Behördendeutsch zu verstehen.

Zimmer frei? Falls ihr einen Flüchtling bei euch aufnehmen wollt

Alles ist besser als ein isoliertes, anonymes Massenlager. Ihr habt ein freies Zimmer in eurer Wohnung oder WG oder wisst von anderen Unterkunftsmöglichkeiten? Der Verein "Mensch Mensch Mensch e.V." bringt euch mit Flüchtlingen zusammen, die ihr aufnehmen könnt. Unter www.fluechtlinge-willkommen.de findet ihr die Unterstützung, die ihr braucht. Der Verein hilft auch bei der Finanzierung der Miete. Einige Bundesländer übernehmen die Kosten der privaten Unterbringung.

Ihr wollt für minderjährige Flüchtlinge da sein?

Immer mehr minderjährige unbegleitete Flüchtlinge kommen in Deutschland an, die niemanden haben, der sich um sie kümmert. Falls ihr an einer Privatvormundschaft interessiert seid, wendet ihr euch am besten an die Landes- und Ortsverbände des Deutschen Kinderschutzbunds e.V. oder an das Jugendamt. Ein Privatvormund nimmt sich Zeit für die entwurzelten Jugendlichen, hört ihnen zu und unterstützt sie dabei, sich in unserer Kultur zurechtzufinden. Zwar haben Minderjährige immer einen Amtsvormund, doch der betreut bis zu 50 Minderjährige gleichzeitig und kann keine persönliche Beziehung zu einem Mündel eingehen.

Wer hier schreibt:

Kommentare (5)

Kommentare (5)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Was kann man tun, damit die Menschen diese Boote gar nicht erst besteigen müssen



    das Wirtschaftssystem ändern - zurück zur Sozialen Marktwirtschaft. Dem Wirtschaftswachstum zu Gunsten einiger Weniger wird alles geopfert - Kultur, Humanität........und TTIP wird das ganze Desaster noch verstärken
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ist ja sehr interessant, weil der Redaktion der Brigitte mein Kommentar nicht gepasst hast wurde er geloescht.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Die vielen Helfer finde ich toll und auch die Tipps, wie und wo man Flüchtlingen hier helfen kann, aber rettet das auch nur einen einzigen Menschen vorm Ertrinken? Dort wäre doch ein Eingreifen schnell und dringend von Nöten. Was kann man tun, damit die Menschen diese Boote gar nicht erst besteigen müssen oder wie kann man sie auf sicheren und geordneteren Wegen aus der Gefahrenzone bringen? Was unternimmt die EU in dieser Hinsicht? Hier wären Geld und echte Hilfe vieler Promis und Politiker gefragt, von allen, die mehr als genug haben, sich aber lieber in ihren Nobelvierteln verschanzen und von dort aus belehrende Worte schicken. Stattdessen zündelt man lieber auf der einen oder anderen Seite und versucht das Drama für sich auszunutzen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Warum kann man die Flüchtlinge nicht selbst in die Arbeiten mit einbeziehen. Schwache und Kranke natürlich ausgenommen. Überall werden Helfer gesucht und junge, kräftige Männer sitzen tatenlos auf den Feldbetten. So schafft man auch Struktur und Sinn für ihren Alltag. Warum müssen deutsche Putzfrauen deren Toiletten sauber machen?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wenn man zum Beispiel in der Wesermarsch Flüchtlingen helfen will, kann man sich auch an das Refugium Wesermarsch Standort Brake oder Nordenham wenden. Dort erfährt man, welche konkrete Hilfe benötigt wird. Manchmal reicht es auch schon, wenn man die Flüchtlinge bei Behördengängen begleitet oder die sogenannte Alltagshilfe leistet. - Wo ist der nächste Arzt? Wo sind Spielplätze bzw. Sportplätze? Und Und Und

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