Erfolg im Beruf: Sechs neue Regeln

Mehr Freude, mehr Spielraum, mehr Erfolg im Beruf: Hier sind sechs neue Gebote für den Job, die Sie bestimmt zufriedener machen.

1. Lobe deinen Chef

Erfolg im Beruf: Sechs neue Regeln

Es gibt viele Gründe, vom Chef genervt zu sein. Warum Sie ihn trotzdem loben sollten? Weil es die klügste Art ist, ihn zu manipulieren. Diese Kunst der "Führung von unten", wie es im Fachjargon heißt, ist allerdings nicht immer so einfach: Grundsätzlich interessiert sich der Chef nicht wirklich für die Meinung des Mitarbeiters, sondern ist überzeugt, dass umgekehrt alle sich nach seiner Meinung verzehren sollten. Auf keinen Fall sollte das Cheflob den Eindruck erwecken, es sei gnädig und gönnerhaft. "Sie sind ein toller Chef", so ein Wischiwaschi-Satz reicht nicht. Besser ist, man lobt konkrete Ereignisse "Ich fand es gut, dass Sie mir im Fall X die Leitung der Gruppe zugetraut haben."

Lobt man den Chef geschickt, wird man erreichen, dass er einen schätzt und im besten Fall immer wieder die Nähe sucht. Mit einem über seine Ideen und anstehende Entscheidungen spricht. Und schon kann den Chef dazu zu bringen, dass er gut findet, was man selbst gut findet. Lobt man zum Beispiel eine Idee des Chefs, die einen selbst weiterbringen könnte, dann wird er noch fester an die Idee glauben.

2. Kappe alle Netzwerke

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Xing und Facebook. Und dann noch Kaffeetrinken mit dem Ex-Kollegen. Alle reden davon, wie wichtig es ist, sich zu vernetzen. Besser, Sie vertrauen wieder auf sich selbst! Netzwerke aufkündigen - das klingt für Sie nach gesellschaftlichem Selbstmord? Das Gegenteil aber ist richtig: Es ist ein Befreiungsschlag vom schalen Gefühl, das das Netzwerken mit sich bringt. Denn genauso, wie es sich für einen selbst blöd anfühlt, wenn man nur weiterhelfen soll, ist es auch für die anderen unbefriedigend, wenn wir sie benutzen. Wer sich der Abhängigkeit entzieht, gewinnt seine Freiheit zurück. Die Freiheit, bei niemandem mehr in der Schuld zu stehen. Aber auch die Freiheit, sich nicht mehr umsehen zu müssen, was andere für einen tun könnten. Netzwerken bedeutet auch, immer nach anderem Ausschau zu halten, nach dem, was man nicht hat, und nach dem, was die anderen machen - es kann einem den Blick verbauen auf das, was man eigentlich hat und will. Wer die Dinge aus eigenem Antrieb und mit den eigenen Möglichkeiten schafft, erntet eine riesige Portion Selbstbewusstsein. Und den Mut, sich im Job auch wieder etwas zu trauen.

3. Setze Deinen Körper ein

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Zurückhaltung ist Gift. Das Büro ist eine Bühne. Spielen Sie! Es kommt auf den großen Auftritt an. Beginnen Sie damit, Kollegen keine E-Mails mehr zu schreiben, denn jeder nicht genutzte menschliche Kontakt ist eine verpasste Chance. Sie gehen rüber, sagen: "Hallo, Kollege, wie geht's?" Und dann reden Sie in zwei, drei freundlichen Sätzen über das Geschäftliche. Wow, was für ein Auftritt. Bei diesem Kollegen bleiben Sie positiv hängen. Nächste Regel: Kleidung ist wichtig! Dabei gilt die Regel des Up-Dressings. Wenn Sie aussehen wie eine Chefin, werden Sie wahrscheinlich auch so behandelt. Und dann die Stimme: zu hoch und zitternd? Gegen dieses Phänomen gibt es viele Trainingsprogramme mit Namen wie "Powerfrauen piepsen nicht". Gehen Sie da hin! Außerdem brauchen Sie zwei wichtige Handbewegungen. Handbewegung eins: "Klappe halten, jetzt rede ich!" Sobald Sie unterbrochen werden, machen Sie eine heftige Abwehrbewegung, so als würden Sie mit der flachen Hand einen Ball wegstoßen. Diese Geste macht jeden mundtot. Handbewegung zwei: der Oberarm-Ableger. Gewöhnen Sie sich an, Dank, Lob und das Bitten um Hilfe immer mit einer kurzen intensiven Berührung des Oberarms Ihres Gegenübers zu verbinden. Das schaltet Hierarchien gleich und schafft unbemerkt Nähe.

4. Erfinde Deinen Job

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Ein Job von der Stange macht Sie austauschbar. Nutzen Sie also Ihre Talente, um aus dem Üblichen etwas Ungewöhnliches zu machen. Es geht nicht darum, gleich alles über den Haufen zu werfen, um endlich auf einem Biobauernhof Runkelrüben zu ziehen. Sondern darum, den eigenen Job neu zu erfinden. Indem ich die bestehenden Regeln so auslege, dass sie mir und meinem Leben entsprechen. Das macht glücklich. Und das macht auch erfolgreich. Fragen Sie sich also, wie Sie Ihre Begabungen und Interessen besser im Job unterbringen können. Das kann mit einer Zusatzausbildung beginnen, eine andere Stelle im selben Unternehmen sein oder tatsächlich ganz neue Bereiche, die Sie in Ihren Arbeitsalltag hereinholen. Wie zum Beispiel die Lehrerin aus Frankfurt, die aus Leidenschaft für Bilbao einen einmaligen Schüleraustausch mit ihrer Klasse organisiert hatte. Sicher war das erst mal Mehrarbeit, aber dann kam ihr Engagement so gut an, dass daraus eine feste Institution wurde und sie nun die Verantwortliche dafür an ihrer Schule ist. Oder ich schaue auf das, was ich ohnehin schon tue. Wenn ich jede freie Minute im Internet hänge - warum nicht bei der Firmen-Homepage mitmischen, was mich zur ersten Frau in meinem Betrieb machen könnte, die zur Hälfte Team-Assistentin und zur Hälfte Content-Managerin ist. Zu heute passt Individualität: Schön, wenn man Ihren Job nicht im Stellenmarkt findet

5. Sag, dass Du es nicht kannst

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Es ist ein unerhörter Satz. Einer, der einen beim Telefonat mit der Freundin instinktiv die Luft zwischen den Zähnen einziehen lässt. "Das hast du wirklich gesagt? Zur Chefin?" Ja. "Ich kann das nicht." Das klingt nach Schwäche, nach Selbstmisstrauen, nach Schwarzmalerei. Das Gegenteil ist richtig. Nicht jeder kann alles und nicht jeder alles gleich gut. Das ist eigentlich eine Binse - im Job ist es ein Tabu. Ganz selbstverständlich mimen wir da den Tausendsassa, weil wir denken, genau der würde von uns erwartet. Fake it till you make it, sagen die Amerikaner: Tu so, als ob du es kannst, bis du es kannst. Das ist goldrichtig, wenn es darum geht, etwas Neues anzupacken, sich selbst eine neue Aufgabe erst mal zuzutrauen. Aber es ist Riesenblödsinn, wenn es um präzise Kompetenz geht, die einem fehlt. Denn perfekte Fassaden machen vor allem eins: Sie rauben Kraft. Wer sagt, was er nicht kann, übernimmt Verantwortung. Für das Unternehmen, weil er das Risiko benennt. Für die Kollegen, weil sie nicht ausbaden müssen, was man im Zweifel dann doch nicht hinkriegt. Für sich selbst, weil diese Offenheit, sich vom Tausendsassa-Anspruch zu befreien, mit das Beste ist, wie man Burnout vorbeugen kann. "Ich kann das nicht" zeugt von Überblick, Souveränität, Mut. Es ist ein selbstbewusster Satz, und zwar wortwörtlich.

6. Du sollst kündigen

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Je länger man einen Job macht, desto schwerer ist es, sich von ihm zu trennen. Doch manchmal ist es das einzig Richtige. Wir suchen tausend Gründe, warum wir es weiter miteinander versuchen sollten: "Ich bin schon vierzig, wer will mich denn noch in diesem Alter?", "Ich weiß gar nicht, ob ich das kann, mit einem anderen noch mal ganz von vorn anfangen", "Was, wenn es mit dem nächsten auch nicht klappt?", "Natürlich gibt's noch andere, aber bei ihm weiß ich wenigstens, woran ich bin", "Immerhin bringt er zuverlässig sehr viel Geld nach Hause". Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Niemand sollte seinen Job aus einer Laune heraus hinschmeißen. Was aber, wenn Gewohnheit und Sicherheit das Einzige sind, was der Job uns noch zu bieten hat? Wenn er uns zwingt, alle anderen Bedürfnisse - nach Anerkennung, Herausforderung und Weiterentwicklung - dauerhaft zurückzustellen? Eine unglückliche Partnerschaft kann krank machen. Ein Job, mit dem wir unglücklich sind, auch. Also malen Sie sich nicht nur aus, wie ein Leben ohne ihn weitergehen könnte. Tun Sie alles, um wahr werden zu lassen, was Sie sich ausgemalt haben. Und wenn Sie einen realistischen Plan haben, einen neuen Job oder einen Businessplan in der Tasche, dann sollten Sie sich trennen, bevor er sich trennt.

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Sieben Schritte zum neuen JobSie haben innerlich längst gekündigt? Dann wird es vielleicht Zeit für einen Berufswechsel! Finden Sie mit unserem interaktiven Tool heraus, welche Schritte dafür nötig sind.

Texte: Beatrix Gerstberger, Andrea Benda, Stefanie Hellge, Friederike Dithmer, Stefanie Hentschel, Georg CadeggianiniFotos: Katrin BinnerEin Artikel aus der BRIGITTE 6/2011

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Kommentare (4)

Kommentare (4)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    @paulla

    Weil Leute wie ich, die im Blaumann an Schaltschränken rumreparieren nicht die Zielgruppe sind.
    Ich interessiere mich weder für Mode noch Diäten und lese diese Zeitschrift fast nur beim Arzt.
    Das Einzige, was mich regelmäßig anspricht, sind die Dossiers.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich kommentiere zum ersten Mal einen Artikel, aber dieser hat mich sofort an den Rechner "verfügt". Beim lesen hab ich so oft zustimmend genickt, dass ich euch unbedingt danke sagen muss! Besonders die Geschichte mit den Netzwerken hat mir aus der Seele gesprochen. Unbewusst hab ich schon lange gespürt, dass ich damit nicht so viel anfangen kann; nur traut man sich ja kaum, das laut zu sagen.

    Auch dass es kein Makel ist, an entsprechender Stelle zu sagen, dass man was nicht kann, finde ich sehr befreiend.

    Mit dem Wissen geht es mir zukünftig in meinem Job - der mir überwiegend schon Spaß macht - auf jeden Fall noch besser!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Warum wird in dieser Art von Artikeln immer davon ausgegegangen, dass alle Menschen im Büro arbeiten ?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Der Artikel beschreibt meine berufliche Situation ziemlich genau.

    Ich bin leider schlecht im Loben meines Chefs (wuesste gar nicht wofuer), ich sage zu selten "nein" oder "ich kann nicht", und vor allem finde ich dass meine besten Fahigkeiten gar nicht gesehen und eingesetzt werden.

    Ja, der Job ist stabil und gut bezahlt, aber ich bin ziemlich frustriert.

    Und es ist tatsaechlich an der Zeit etwas zu unternehmen.

    Herzlichen Dank fuer diesen Artikel!

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