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Exklusiv: Steuertipps für BRIGITTE-Leserinnen

Sie haben uns Ihre Fragen geschickt - KONZ-Steuerexpertin Sabine Himmelberg hat nun für Sie eine Reihe praktischer Steuertipps zusammengestellt!

Schulgeld und Studiengebühren

Kann man auch Studiengebühren wie Schulgeld von der Steuer absetzen?

Schulgeldzahlungen und Studiengebühren können Sie unter bestimmten Voraussetzungen als Sonderausgaben abziehen. Allerdings gelten für diese beiden Arten von Ausgaben im Steuerrecht völlig verschiedene Regelungen.

Schulgeldzahlungen (z. B. für Ersatzschulen, Ergänzungsschulen oder Schulen in privater Trägerschaft) stellen grundsätzlich Sonderausgaben dar. Sie können 30 % des Schulgeldes, allerdings rückwirkend zum 1.1.2008 nur bis zu einem Höchstbetrag von 5.000 Euro, als Sonderausgaben abziehen. Diese Änderung des § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG geht auf das Ende 2008 verabschiedete Jahressteuergesetz 2008 zurück.

Auch Schulgeldzahlungen an Auslandsschulen sind abziehbar, sofern sich diese in den Staaten der EU bzw. des europäischen Wirtschaftsraums befinden. Handelt es sich um deutsche Schulen im Ausland, ist auch der Schulbesuch in Nicht-EU-Staaten begünstigt. Das Schulgeld kann rückwirkend ab 2008 auch für berufsbildende Abschlüsse als Sonderausgaben abgezogen werden. Vom Schulgeldabzug ausgeschlossen sind allerdings die zum Erwerb von Fachhochschul- und Hochschulabschlüssen zu zahlenden Studiengebühren geblieben.

Der Staat fördert die Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung (erste Ausbildung, Erststudium, Besuch allgemein bildender Schulen) durch die Möglichkeit des Sonderausgabenabzugs bis zu einer Höhe von maximal 4.000 Euro im Jahr.

Ein Sonderausgabenabzug kann sich allerdings nur dann bemerkbar machen, also die Steuerlast abmildern, wenn im jeweiligen Jahr steuerpflichtige Einkünfte erzielt worden sind, die über dem Grundfreibetrag der Einkommensteuertabelle liegen. Bei Ledigen sind das 7.664 Euro. Wird diese Grenze überschritten, ist die Palette der abzugsfähigen Kosten allerdings breit und reicht von Fachliteratur über Prüfungsgebühren bis zu Fahrtkosten.

Praktika werden steuerlich wie das Studium oder die Ausbildung beurteilt, in dessen bzw. deren Rahmen sie geleistet werden. Im Fall eines Erststudiums oder einer ersten Ausbildung werden die Kosten also als Sonderausgaben anerkannt.

Aufwendungen für private Weiterbildungen sind als Kosten der privaten Lebensführung steuerlich leider nicht absetzbar.

Tipp zum Kindergeld/zu den Kinderfreibeträgen: Bei Studenten zählen die Finanzämter von sich aus Studiengebühren zu den abziehbaren besonderen Ausbildungskosten, nicht aber übliche Semester- oder Rückmeldegebühren.Nach Ansicht des Finanzgerichts Düsseldorf (Urteil vom 16.4.2008) handelt es sich bei Semestergebühren sehr wohl um besondere Ausbildungskosten, die bei der Berechnung des Jahresgrenzbetrags in Abzug zu bringen sind. Ob diese steuerzahlerfreundliche Auffassung Bestand haben wird, muss der Bundesfinanzhof im anhängigen Revisionsverfahren abschließend entscheiden. Bis dahin sollten Sie ggf. auch übliche Semester- oder Rückmeldegebühren geltend machen (§ 32 Abs. 4 Satz 5 EStG).

Sonderbedarf für Schulbesuch und Berufsausbildung volljähriger Kinder

Kann man Unterstützung für Kinder, die von zuhause ausgezogen sind, steuerlich geltend machen?

Manche Kinder ziehen von zu Hause aus, sobald sie volljährig sind. Dass sie noch zur Schule (z. B. berufliches Gymnasium) gehen und kein eigenes Einkommen haben, spielt bei dieser Entscheidung keine Rolle. Wenn die Eltern ihr Kind finanziell unterstützen, bietet das Steuerrecht leider nur begrenzte Möglichkeiten, sie zu entlasten.

Eltern mit volljährigen Kindern in Berufsausbildung können den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro pro Jahr beantragen (Anlage Kind, Seite 2, Zeilen 41 - 43, vgl. § 33a Abs. 2 EStG). Dieser Freibetrag steht ihnen zu, wenn sie für ein volljähriges Kind, das sich noch in Berufsausbildung befindet, Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge haben und das Kind auswärtig untergebracht ist (z. B. an der Ausbildungsstätte vor Ort). Sind sie geschieden oder dauernd getrennt lebend, wird der Freibetrag grundsätzlich jedem Elternteil zur Hälfte zuerkannt. Beide Elternteile können jedoch gemeinsam formlos beantragen, dass die Aufteilung des Freibetrags in einem anderen Verhältnis zu erfolgen hat (Anlage Kind, Seite 2, Zeile 43). Beachten Sie jedoch, dass sich der Freibetrag vermindert, und zwar um die Einkünfte und Bezüge Ihres Kindes, die 1.848 Euro im Kalenderjahr übersteigen, sowie um Ausbildungszuschüsse aus öffentlichen Mitteln ("BAföG").

Kinder werden für das Kindergeld bzw. die Kinderfreibeträge ohne weiteres berücksichtigt, so lange sie das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ist ein Kind über 18 Jahre alt, kann es bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres weiterhin berücksichtigt werden, wenn es z.B. noch in Ausbildung ist, Wehrdienst leistet oder ein freiwilliges soziales Jahr macht.

Erst wenn Ihr Nachwuchs die maßgebende Altersgrenze überschritten hat und Sie deshalb keine Kinderfreibeträge bzw. kein Kindergeld mehr beanspruchen können, können Sie Aufwendungen für den Unterhalt und eine etwaige Berufsausbildung Ihrer Kinder im günstigsten Fall noch bis zu einem Betrag von 7.680 Euro/Kalenderjahr als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Das setzt jedoch u.a. voraus, dass Ihr Kind keine nennenswerten Einkünfte erzielt.

Vermögen geerbt: Die Steuer entsteht mit dem Todeszeitpunkt des Erblassers

Muss man sofort die Erbschaftssteuer zahlen, auch wenn das Erbe noch fest angelegt ist?

Dank eines umfangreichen internen und externen Informations- und Kontrollsystems sind die Chancen, dass dem Finanzamt ein Todesfall entgeht, als gering einzustufen. Aufgrund der Kenntnis des Finanzamts sind dann Erklärungen auszufüllen und auch der Erbschaftsteuerbescheid wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Mit der Bekanntgabe des Steuerbescheids (und dem darin enthaltenen Zahlungszeitpunkt) wird die konkrete Zahlungspflicht fällig. Abstrakt entsteht die Steuer bei Erwerben von Todes wegen (Erbschaften) mit dem Todeszeitpunkt. Zu diesem Zeitpunkt wird die exakte Bemessungsgrundlage für die Steuer festgelegt. Spätere Entwicklungen der Nachlassgegenstände sind für den Steueranspruch irrelevant.

So hat das Finanzgericht Hessen (Urteil v. 3.4.2007, Aktenzeichen 1 K 1809/04) z. B. zu Wertpapierdepots entschieden, dass sie bei der Bewertung des Nachlasses grundsätzlich mit dem Wert zum Todestag des Erblassers zu berücksichtigen sind. Diese strikte Geltung des Stichtagsprinzips führt dazu, dass Wertveränderungen nach dem Stichtag bei der Ermittlung der erbschaftsteuerlichen Bemessungsgrundlage selbst bei einer erheblichen Differenz und auch bei einer Beschränkung des Verfügungsrechts des Erben nicht berücksichtigt werden können.

Anwalts- und Prozesskosten bei Erbschaftsstreit

Kann man Anwalts- und Prozesskosten bei einem Erbschaftsstreit von der Steuer absetzen?

Anwalts- und Prozesskosten aus Anlass eines Erbschaftsstreits fallen leider in die reine Vermögenssphäre. Denn Erbfälle gelten grundsätzlich als private Vorgänge. Damit scheidet eine steuerliche Berücksichtigung, z. B. als Werbungskosten, aus.

Wenn sich die Erben über das Erbrecht oder über die Höhe der Erbquote eines Miterben streiten, sind die Kosten eines Zivilprozesses selbst dann keine Werbungskosten, wenn aus dem Nachlass Einkünfte fließen. Mit der Anerkennung von Gerichts- und Anwaltkosten für Zivilprozesse als außergewöhnliche Belastungen tun sich die Finanzämter ebenfalls sehr schwer. Denn das höchste deutsche Steuergericht - der Bundesfinanzhof - hat entschieden, dass solche Kosten regelmäßig nicht zwangsläufig entstehen. Sie sind daher grundsätzlich nicht als außergewöhnliche Belastungen zu berücksichtigen. Ein Abzug kommt nur ausnahmsweise in Betracht, wenn der Steuerzahler ohne den Rechtsstreit Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in dem üblichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu können (BFH, Urteil v. 20.4.2006, BStBl II 2007, S. 41).

Immobilie gekauft: Steuerentlastungen auch bei Selbstnutzung?

Gibt es Steuerentlastung auch, wenn man eine Immobilie selbst renoviert?

Wer eine gebrauchte Immobilie gekauft hat, um sie selber zu sanieren und zu bewohnen, hat nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, steuerlich Entlastung zu bekommen.

Für zu eigenen Wohnzwecken genutzte Baudenkmale und Gebäude in städtebaulichen Sanierungsgebieten gibt es eine besondere Steuerbegünstigung (nach § 10f EStG). Steuerliche Auswirkungen ergeben sich außerdem vor allem, wenn eine Immobilie (auch) vermietet wird.

Wer allerdings eine ganz "normale" Immobile kauft, um sie selber zu bewohnen, hat sich - spätestens seit der Abschaffung der Eigenheimzulage ab 2006 - für die steuerlich denkbar schlechteste Alternative entschieden. Will heißen: Der Fiskus lässt sich nicht an etwaigen Sanierungskosten beteiligen - schon gar nicht, wenn sie in Eigenleistung erbracht werden.

Wird dagegen ein Fachmann mit Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen beauftragt, können Sie immerhin von der Steuerermäßigung für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen profitieren: Ab 2009 werden Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen mit 20 % der Kosten von maximal 6.000 Euro vom Fiskus bezuschusst. Das bedeutet - unabhängig davon, ob Sie Eigentümerin oder Mieterin sind: Wenn Sie solche Handwerkerleistungen in Auftrag geben, erhalten Sie bis zu 1.200 Euro als direkten Zuschuss vom Staat.

Zu guter Letzt: Seit dem 1.1.2008 gilt das "Eigenheimrentengesetz". Angespartes Geld aus Riester-Verträgen können Sie künftig auch für den Kauf, Bau oder die Entschuldung einer selbst genutzten Immobilie verwenden. Der Staat bezuschusst entsprechende Vorhaben - wie bei anderen Riesterverträgen auch - durch Zulagen und ggf. einen zusätzlichen Steuerbonus.

Achtung: Das gesetzgeberische Ziel ist zwar aller Ehren wert, allerdings sollten Sie nicht blindlings entsprechende Verträge abschließen. Die vorgesehene nachgelagerte Besteuerung in der sog. Auszahlungsphase könnte sich als Bumerang erweisen. Sie bekommen aus solchen Verträgen nämlich gar keine "Geldrente" mehr, sondern müssen quasi das mietfreie Wohnen versteuern.

Denn der aus einem Riester-Sparvertrag entnommene Betrag und die geförderten Tilgungsleistungen nebst der dafür gewährten Zulage von Ihrem Vertragsanbieter (z.B. Bank oder Bausparkasse) werden auf einem "Wohnförderkonto" festgehalten und jährlich mit 2 % fiktiv verzinst. Diese fiktiven Beträge müssen Sie im Alter in Ihrer Einkommensteuererklärung angeben und versteuern!

Sie sollten deshalb sehr genau abwägen, ob sich die Förderung in der Ansparphase für Sie tatsächlich lohnt und sämtliche Konsequenzen genau prüfen. Modellrechnungen haben nämlich schon gezeigt, dass unterm Strich lediglich geringe Zinsvorteile übrig bleiben, nur bei Familien mit mehreren Kindern sieht's etwas besser aus.

Steuerermäßigungen für Handwerkerleistungen

Wo muss man die Handwerkerkosten in der Steuererklärung eintragen?

Die absetzbaren Handwerkerleistungen gehören nicht in die Anlage N, weil sie weder Sonderausgaben noch Werbungskosten darstellen. Stattdessen ist im Mantelbogen extra eine Zeile für solche Kosten reserviert.

Die Steuerermäßigung für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen tragen Sie in Zeile 112 des Mantelbogens ein (also nicht in die Anlage N!). Vergessen Sie nicht, die Art der von Ihnen in Anspruch genommenen Handwerkerleistung zu bezeichnen. In die dafür vorgesehene Zeile passt leider nicht viel Text. Daher empfiehlt sich eine kleine Übersicht über die Handwerkerleistungen und die Rechnungsbeträge auf einem separaten Blatt als Anlage, wenn Sie mehr als einen Handwerker mit Arbeiten beauftragt haben.

Versicherungsbeiträge als Sonderausgaben

Welche Versicherungsbeiträge sind abzugsfähig?

Die Beiträge zu persönlichen Versicherungen sind, anders als die Beiträge zu Sachversicherungen, steuerlich als Sonderausgaben abziehbar.

Als Sonderausgaben sind nur die Beiträge zu persönlichen Versicherungen wie Kranken- (auch Reisekranken- und Auslandskrankenversicherung), Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen abziehbar, vgl. § 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG.

Übrigens: Auch die Haftpflicht für Tiere wird anerkannt.

In R 10.5 Einkommensteuer-Richtlinien 2008 ist außerdem geregelt: Wenn Sie ein Kfz teils für berufliche und teils für private Zwecke benutzen, können Sie den Teil Ihrer Kosten für die Kfz-Haftpflichtversicherung, der dem Anteil der privaten Nutzung entspricht, im Rahmen des § 10 EStG als Sonderausgaben abziehen. Wenn Sie Ihre Aufwendungen für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder Familienheimfahrten mit Ihrem eigenen Kfz in Höhe der Entfernungspauschale abziehen, können Sie die Kosten für die Kfz-Haftpflichtversicherung zur Vereinfachung in voller Höhe als Sonderausgaben ansetzen.

Dagegen können Sie Beiträge zu Sachversicherungen wie z. B. Hausrat oder Kfz-Kasko steuerlich leider nicht als Sonderausgaben geltend machen. Denn die Hausratversicherung gilt genauso wie die Kasko fürs Auto als Sachversicherung.

Krankheitskosten: Grüne Rezepte und IGeL

Kann man grüne Rezepte und Quittungen für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) beim Finanzamt einreichen?

Manchmal fallen in einem Jahr höhere Kosten im Bereich Gesundheit bzw. Krankheit an. Dann stellt sich die Frage, in welchem Rahmen sich das Finanzamt an den Kosten beteiligen lässt, die Ihnen krankheitsbedingt entstehen.

Als außergewöhnliche Belastungen sind Kosten absetzbar, die Ihnen zwangsläufig entstehen und von denen die überwiegende Mehrzahl der Steuerzahler gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands nicht betroffen ist. So lautet zumindest die theoretische Definition. Praktisch sind vor allem Aufwendungen für ärztliche Behandlungen, Hilfsmittel zur Linderung einer Krankheit, notwendige Mehraufwendungen von behinderten Menschen oder Ersatzbeschaffungen nach Naturkatastrophen begünstigt.

Das Gesetz sieht allerdings eine "zumutbare Belastungsgrenze" vor, die nach einem Prozentsatz Ihrer gesamten Einkünfte ermittelt wird und den Familienstand sowie die Anzahl Ihrer Kinder berücksichtigt. Übersteigen die "allgemeinen" außergewöhnlichen Belastungen diese Grenze nicht, verfallen die Kosten, tatsächlich kommt es also nicht zu einer steuerlichen Entlastung.

Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern und Einkünften von insgesamt 50.000 Euro hat eine zumutbare Belastungsgrenze von 3 %, also 1.500 Euro. Das bedeutet: Sind dem Ehepaar z. B. für 2008 Krankheitskosten von 2.000 Euro entstanden, werden nur 500 Euro steuerlich berücksichtigt. Bei einem kinderlosen unverheirateten Steuerzahler beträgt die zumutbare Belastungsgrenze bei einem Gesamtbetrag der Einkünfte von ebenfalls 50.000 Euro 6 %, also 3.000 Euro.

Tipp: Weil Sie im Laufe eines Jahres nicht vorhersehen können, ob ggf. zum Jahresende noch nennenswerte außergewöhnliche Belastungen anfallen, sollten Sie unbedingt alle Belege aufbewahren. Nach Ablauf des Jahres können Sie dann zunächst überschlägig berechnen, ob Sie mit den Aufwendungen in die Nähe Ihrer Belastungsgrenze kommen, und prüfen, ob sich eine detaillierte Auflistung bei der Einkommensteuererklärung lohnt.

Kosten, die Ihnen krankheitsbedingt entstehen, sind typischerweise außergewöhnliche Belastungen. Vorsicht: Die Kosten für Maßnahmen, die nur der Vorbeugung oder der Erhaltung Ihrer Gesundheit dienen, sind nicht abziehbar!

Regelmäßig müssen Sie die Zwangsläufigkeit, Notwendigkeit und Angemessenheit Ihrer krankheitsbedingten Kosten nachweisen. Deshalb benötigen Sie für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel grundsätzlich eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers. Als Nachweise der angefallenen Krankheitskosten können auch die Erstattungsmitteilung der privaten Krankenkasse oder der Beihilfebescheid einer Behörde ausreichen. Insbesondere bei Heilkuren, psychotherapeutischen Behandlungen, medizinischen Hilfsmitteln und wissenschaftlich nicht anerkannten Methoden sollten/müssen Sie ein amtsärztliches Attest vorlegen, das vor Kauf oder Behandlung ausgestellt worden ist. Dem nötigen amtsärztlichen Attest stehen ärztliche Bescheinigungen eines medizinischen Dienstes der Krankenversicherung gleich.

Die Gesundheitsreform und die Einführung des Gesundheitsfonds gehen auch an Ärzten und Arzneimittelherstellern nicht spurlos vorbei: Um sinkenden Einnahmen wirksam zu begegnen, gehen Ärzte immer häufiger dazu über, individuelle Gesundheitsleistungen (Abk. IGeL) anzubieten, die Patientinnen und Patienten aus eigener Tasche zahlen müssen. Denn die (gesetzliche) Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht.

Ähnlich ist es mit den sog. "grünen Rezepten": Wer von seinem Arzt ein solches Rezept bekommt, weiß: Die Anwendung eines spezifischen Arzneimittels ist zwar medizinisch geboten, allerdings übernimmt die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten nicht. Mit anderen Worten: Als Patientin müssen Sie solche rezeptfreien Medikamente selbst bezahlen. Das alte rosarote Papier ist jetzt für die risikoreicheren und verschreibungspflichtigen Arzneimittel reserviert. Grüne Rezepte gibt es zwar schon länger, aber seit Anfang 2009 verteilt sie der Bundesverband der Arzneimittelhersteller großflächig in den Arztpraxen. Ihre Kosten für grüne Rezepte und für Igel-Leistungen sollten Sie auf jeden Fall im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen als Krankheitskosten steuerlich geltend machen! Die Chancen stehen nicht schlecht: Denn bisher gibt es unseren Recherchen zufolge weder zur steuerlichen Anerkennung grüner Rezepte noch zu IGeL Entscheidungen der Finanzgerichte. Auch von Seiten der Finanzverwaltung ist uns dazu keine (ablehnende) Anweisung an die Finanzämter bekannt.

Ehrenamt: steuerfreie Aufwandsentschädigungen

Unter welchen Voraussetzungen kann man Aufwendungen für ein Ehrenamt geltend machen?

Durch das "Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" hat sich ab 2007 für nebenberufliche Tätigkeiten in gemeinnützigen und ähnlichen Bereichen einiges geändert.

Der Gesetzgeber hat einen allgemeinen Freibetrag von 500 Euro pro Jahr für Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich eingeführt. Damit soll der Aufwand, der den nebenberuflich Tätigen durch diese Beschäftigung entsteht, pauschal abgegolten werden. Übertragen auf einen Sportverein setzt das also voraus: Damit Sie von diesem Freibetrag profitieren können, hat Ihr Verein Ihnen für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit eine entsprechende Vergütung gezahlt. "Freibetrag" bedeutet: Vergütungen bis zu einem bestimmten Betrag - hier: 500 Euro - sind steuerfrei.

Außer dass Sie gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Arbeit leisten müssen, hängt die Steuerfreiheit nur noch davon ab, dass Sie nebenberuflich und nicht hauptberuflich für die jeweilige Organisation tätig sind. Eine solche Nebenberuflichkeit liegt immer unzweifelhaft vor, wenn der Umfang Ihrer Ar¬beiten nicht mehr als etwa ein Drittel einer Vollzeitbeschäftigung beträgt. Das sind zurzeit etwa 13 bis 14 Wochenstunden.

Nicht von der Steuerermäßigung erfasst werden Personen, die in sog. wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben von gemeinnützigen Organisationen arbeiten. So kann etwa die Bedienung im Vereinslokal die Steuerbefreiung ebenso wenig beanspruchen wie diejenige, die die Aufgabe hat, dem Verein Werbekunden zu beschaffen und diese zu betreuen.

Der Steuerfreibetrag von 500 Euro ist ein Jahresbetrag. Er steht Ihnen deshalb auch dann in voller Höhe zu, wenn Sie nicht das ganze Jahr, sondern nur einige Monate gemeinnützig tätig waren. Haben Sie z. B. am 1.11.2008 eine gemeinnützige Tätigkeit aufgenommen und erhalten Sie dafür jeden Monat eine Aufwandsentschädigung von 350 Euro‚ bleiben von den im Jahr 2008 gezahlten 700 Euro volle 500 Euro steuerfrei.

Das Finanzamt gewährt Ihnen den Freibetrag nicht zusätzlich zu Aufwandsentschädigungen aus öffentlichen Kassen oder zum Übungsleiterfreibetrag. Anders sieht die Sache aus, wenn die Einnahmen aus verschiedenen nebenberuflichen Tätigkeiten stammen.

Der beschriebene Freibetrag für ehrenamtliche Tätigkeiten ist nicht zu verwechseln mit dem Übungsleiterfreibetrag von 2.100 Euro. Das Problem beim Übungsleiterfreibetrag ist, dass Sie ausbildend, erziehend oder im Rahmen der Pflege tätig sein müssen, um von der Steuerfreiheit profitieren zu können.

Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen Sie den Übungsleiterfreibetrag von 2.100 Euro und den Freibetrag für ehrenamtliche Tätigkeiten von 500 Euro nicht nebeneinander für dieselbe Tätigkeit in Anspruch nehmen können.

In Zeile 24 der Anlage N ist ein Feld für "steuerfrei erhaltene Aufwandsentschädigungen/Einnahmen" vorgesehen. Hier geben Sie steuerfreie Aufwandsentschädigungen/Einnahmen an, die Sie als Arbeitnehmerin für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit erhalten haben.

Viele Steuerzahler, die ehrenamtlich für Vereine arbeiten (z. B. als Übungsleiter), versuchen, ihren Aufwand als Spende geltend zu machen. Das funktioniert aber nur, wenn Sie dem Finanzamt eine schriftliche Vereinbarung vorlegen, aus der sich ergibt, dass Sie tatsächlich Anspruch auf Ersatz Ihrer Aufwendungen haben und auf diesen förmlich verzichten. Nachträgliche Bescheinigungen erkennt das Finanzamt in der Regel nicht an.

Gewinn-/Umsatzbeteiligung, Sonderzahlung und Co.

Kann man eine hohe Sonderzahlung des Arbeitgebers auch über mehrere Jahre hinweg absetzen?

Erhalten auch Sie neben Ihrem fixen Arbeitslohn erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile, sind Sie am Gewinn des Arbeit gebenden Unternehmens beteiligt ist oder zahlt man Ihnen andere einmalige Sonderzahlungen? Wenn solche Zahlungen schon geflossen sind, können Sie Ihre Hoffnung auf progressionsmildernde und damit steuerlich entlastende Umstände begraben.

Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich nämlich nur im Vorfeld, nicht aber rückwirkend: Betroffene sollten ihren Arbeitgeber auf mögliche steuerfreie oder pauschal besteuerte Leistungen (prominente Beispiele sind z. B. Tankgutscheine und kleine Sachgeschenke) ansprechen. In einigen Unternehmen wird auch schon das "Cafeteria-Modell" oder der "Cafeteria-Ansatz" (einfach mal bei Google suchen) praktiziert, der zu den betrieblichen Anreizsystemen gehört, die für Arbeitnehmer durchaus auch Steuervorteile bieten.

Mentoring-Programm: Bewirtungskosten einer Mitarbeiterin

Kann man Bewirtungskosten, die im Rahmen eines Mentoringprogramms entstehen, absetzen?

Arbeitnehmerinnen können ihre Kosten einer Bewirtung von Geschäftsfreunden des Arbeitgebers als Werbungskosten abziehen. Voraussetzung ist, dass die Bewirtung geschäftlich veranlasst ist und nicht zu Hause stattfindet.

Auch wenn Sie Ihr Team motivieren wollen und möglichst noch variable - erfolgsabhängige - Gehaltsbestandteile vereinbart haben, können Sie Ihre Bewirtungskosten steuerlich geltend machen. Bei einer geschäftlich veranlassten Bewirtung von betriebsfremden Personen (z. B. bei Vertragsabschluss) haben die Finanzgerichte ebenfalls schon einen beruflichen Anlass anerkannt. Das höchste deutsche Steuergericht, der Bundesfinanzhof, fordert übrigens in seiner neueren Rechtsprechung eine Würdigung der Gesamtumstände, um den beruflichen oder privaten Charakter der Einladung zu ermitteln. Wenn eine Arbeitnehmerin während eines Mentoring-Programms ihren Mentor zum Essen einlädt, wird das sicherlich beruflich veranlasst sein.

Sabine Himmelberg ist KONZ-Expertin. Mehr Tipps und Tricks zum Steuerrecht finden Sie auf der Seite des Verlags unter www.konz-steuertipps.de.

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wie setze ich Handwerkerleistungen ab, wenn ich ein Haus bewohne und einen Teil davon (Einliegerwohnung) vermiete? Kann ich den Lohnanteil der Rechnungen im Mantelbogen unter Handwerkerleistungen (78) und den Materialaufwand anteilig in Anlage V unter "verhältnismäßig zugeordnet" (40) absetzen? Für einen Tip wäre ich dankbar.
Bild Montagsnl

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