Jobberatung: Das würde ich Heidi Klum empfehlen!

Katrin Wilkens berät Frauen auf ihrem Berufsweg. Jede Woche berichtet sie bei BRIGITTE.de über Fragestellungen aus ihrer Praxis. Heute aber knöpft sie sich Heidi Klum vor. Ein Gedankenspiel.

Katrin Wilkens berät Heidi Klum

Katrin Wilkens (45) studierte Rhetorik und arbeitete als Trainerin in der Weiterbildung. Seit 2000 schreibt sie als freie Journalistin u.a. für Spiegel, Zeit, FA und Nido. Worin sie wirklich gut ist: Wichtige und weniger wichtige Persönlichkeiten portraitieren, dass sie vor Glück heulen. Oder vor Wut. Kombinieren. Dinge auf den Punkt bringen. In Menschen reinschauen. Besonderheiten entdecken. Mit ihrer Agentur "i.do" (was japanisch ist und so viel bedeutet wie "Veränderung", "Reise") berät die dreifache Mutter Frauen beim Wiedereinstieg - und verspricht: "Am Ende haben Sie eine Antwort: den maßgeschneiderten Job."

Talkshow, Stiftung, Modelinie? Och nö!

Nur mal angenommen, würde sich eines Tages zu alt fühlen für Berufsjugendlichkeit, Grinse-Alltag und den Satz „Ich habe leider kein Foto für dich“. 

Säße sie bei uns in der Job-Beratung und würde eine neue Ausrichtung suchen, wäre wohl die erste Frage: ein neuer Job – mit oder ohne Prominenz?

Mit Prominenz wäre einfach: eine eigene Talkshow, eine Stiftung, eine Modelinie. Alles, was sich medial vermarkten ließe, würde auf Klums Kernkompetenzen abzielen: Sonnenscheinattitüde + Medien + Professionalität sind ihre Kardinalwerte.

Ein Leben jenseits des Glamour

Spannender wäre es aber, sich zu überlegen, was diese Frau machen könnte, wenn sie ein neues Leben jenseits von Äußerlichkeiten beginnen wollte. Wir würden wohl einen Vorschlag für sie erarbeiten, der möglichst weit entfernt von ihrem bisherigen Tun ist, schon um nicht in die Gefahr der Vergleichbarkeit hineinzurutschen. Würde man ihr eine Model-Agentur für Silver-Agerinnen empfehlen, wäre das so, als spielte Senioren-Tennis in Wimbledon. Immer mit dem Wissen: Früher war ich mal bedeutender, agiler, besser, unsterblicher.

Wenn man Heidi Klums Gaben zusammenschüttelt, kommt ein frisch-fröhliches, vor Gesundheit und Stabilität strotzendes Made-in-Germany-Produkt heraus, das sie in der zweiten Lebenshälfte sehr wohl für Projekte einsetzen könnte, die jenseits von Glamour liegen.

Was vor allem auffällt, ist ihr ungewöhnlich enges Verhältnis zu ihren Eltern. Die Eltern managen nicht nur ihre Tochter, sie sind „Vorbild“, Instragram-Inspiration (Heidi postet alte Fotos von den Eltern als junges Paar) und waren sogar bei der Geburt der Enkel anwesend. „Das war ein Erlebnis, das ich mit meiner ganzen Familie teilen möchte“, sagte Klum damals. Hm, und wann gibt sie ihren Eltern, vielleicht auch nur symbolisch, etwas von dieser Aufopferung zurück?

How about: Eine Senioren-Residenz in den USA?

Sie könnte eine deutsche Seniorenresidenz in den gründen, die Luxus und deutsche Gemütlichkeit zusammenbringt: Thüringer Klöße statt Spargel-Pasta, Wohnzimmer statt Lofts, „Schwarzwaldklinik“ statt Netflix. Heidis Kerntugenden wären dabei gut einsetzbar:

  • Fröhlichkeit: braucht man für die Vision, den Aufbau und im täglichen Umgang mit den Senioren
  • Spaß an einer gewissen Wiederholbarkeit von Abläufen: beim Fernsehen gelernt, ist das für den strukturierten Umgang mit Senioren und ihren Helfern viel wert
  • Ahnung vom Aufbau einer Marke: So professionell, wie Heidi sich inszeniert, kann sie auch eine Seniorenresidenz-Kette aufbauen, ähnlich dem Augustinum -  nur mit dem Faktor „deutsche Gemütlichkeit“ statt blutleerem Luxus
  • Heidi Klums enges Verhältnis zu ihren Eltern ist glaubhaft und ein gutes Verkaufs-Argument

Heidi und Senioren wissen: Sich gehen lassen, heißt aufgeben

Was Heidi Klum besonders gut kann: Ehrgeiz weglächeln oder, wie es die Amerikaner stets fordern: Wenn dir jemand Zitronen gibt, mach Limonade draus. Diese Haltung entspricht dem Bedürfnis vieler Senioren, nicht den ganzen Tag über ihre eigene Sterblichkeit nachzudenken, sondern selbstoptimiert zu versuchen, am Ball zu bleiben. Wie beim Gala-Dinner eines Kreuzfahrt-Schiffes sehen auch manche Abendveranstaltungen in Senioren-Einrichtungen aus. Sich gehen lassen, heißt sich aufgeben. Keiner außer Heidi weiß um diese Weisheit besser als die Klientel über 70.

Natürlich weiß ich, dass es ein solches Senioren-Refugium niemals geben wird. Hirnkonfetti. Viel wahrscheinlicher wird sein, dass Heidi ihre älteste Tochter so vermarkten wird, wie ihr Vater das bei ihr tat.

Aber das Gedankenexperiment hilft trotzdem. Erstens, zum Abgleich mit dem eigenen Leben: Was wäre bei mir alles möglich? Bin ich nach so einem Gedankenexperiment satt („Och, eigentlich gut, so wie ich es habe“) oder werde ich hungrig ("Oh, toll, was ist denn noch alles möglich?")? Und zweitens zum "nichts nehmen wie es ist": Heidi hat schließlich damals auch nicht gesagt,  "Och, der Lagerfeld mag mich nicht, dann mach ich halt was anderes".

Wer sich überlegt, was zu welchem Promi passt, kommt oft zu kreativen Ideen. Und warum, verdammt, sollte man eine davon nicht mal ausprobieren?

Weitere Infos über die Jobberatung durch i.do unter www.i-do-hamburg.de

Hier könnt ihr Katrin Wilkens Fragen stellen!

Du willst dich auch umorientieren? Dann kannst du Katrin Wilkens per Email deine persönliche Problematik schildern. Bei BRIGITTE.de wird sie ausgewählte Fragen beantworten.

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