Zehn Berufe mit Zukunft

Angesichts der Entlassungswellen bei Schlecker, Opel und Karstadt fragt man sich, ob es noch Berufe mit Zukunft gibt. Wir können Sie beruhigen: Es gibt auch Branchen, die boomen und dringend Fachkräfte suchen. Hier sind zehn Beispiele, von der Ingenieurin bis zur Optikerin.

Ingenieur/in

Jobaussichten: Zehn Berufe mit Zukunft

Im Juli 2012 gab es auf dem Ingenieursmarkt 107.100 offene Stellen. Ein Mangel an Fachkräften herrscht besonders im exportorientierten Sektor des Fahrzeug- und Maschinenbaus. Das resultiert aus dem technischen Fortschritt: Neuerungen bei Elektromobilität und Erneuerbaren Energien erfordern Spezialisten. Ein Grundstudium der Ingenieurswissenschaften oder des Maschinenbaus ist ratsam, im Master sollten sich Ingenieure spezialisieren, zum Beispiel auf Fahrzeugtechnik. Das Gehalt variiert je nach Branche, das Einstiegsgehalt liegt zwischen 37.000 und 40.000 Euro (brutto) im Jahr. Mit ein bisschen Berufserfahrung verdient ein Ingenieur schnell 20.000 Euro mehr.

Apotheker/in

Ähnlich begehrt sind Apotheker: Fast vier freie Arbeitsplätze kommen hier auf einen arbeitslosen Bewerber. Gerade in ländlichen Regionen finden Apotheker nur schwer eine Übergangsvertretung oder einen Nachfolger. Sie locken mit übertariflichen Löhnen und flexiblen Arbeitszeiten. Zudem zählt die deutsche Pharmazie-Ausbildung zu den besten der Welt. Absolventen können sich quasi aussuchen, in welcher Apotheke sie arbeiten möchten – und in welchem Land. Denn viele Pharmazeuten gehen ins Ausland. Besonders die Schweiz und Kanada werben engagiert um deutsche Absolventen. Der des Apothekers setzt ein Pharmazie-Studium voraus. Der Frauenanteil dort ist hoch, im Wintersemester 2009/10 waren 73 Prozent der Studierenden weiblich. Ein Berufsanfänger verdient knapp 2900 Euro, Berufserfahrene sogar über 3500 Euro.

Optiker/in

Die Augenspezialisten sind derzeit viel gesuchte Fachkräfte. Die Nachfrage ist fast viermal so hoch wie das Angebot an ausgebildeten Arbeitskräften. Das Unternehmen plant jährlich dreißig neue Filialen, scheitert aber, weil unter anderem ausgebildete Fachkräfte fehlen. Als Optiker braucht es nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch soziale Kompetenz im Umgang mit Kunden und Verkaufstalent. Der Beruf erfordert eine Ausbildung von drei Jahren und wird dual vermittelt, das heißt im Handwerksbetrieb und an der Berufsschule. Dort bekommt ein Azubi zwischen 256 und 575 Euro im Monat Später verdienen Optiker laut Tarifverträgen 1500 bis 1800 Euro brutto.

Altenpfleger/in

Mit dem demografischen Wandel steigt auch die Nachfrage nach Dienstleistern für ältere Menschen. Der Beruf des Altenpflegers hat daher ein starkes Wachstumspotenzial. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) schätzt, dass die Branche schon im Jahr 2020 eine der wichtigsten Säulen der deutschen Wirtschaft sein könnte. 60.000 neue Jobs seien 2011 im Gesundheitssektor entstanden, so der DHIK. Ein Altenpfleger hat eine dreijährige Ausbildung hinter sich, in der er bis 1038 Euro verdient, später sind es bis zu 2600 Euro. Doch nicht nur Altenpfleger werden händeringend gesucht, auch Verwaltungskräfte, Medizintechniker und Kauffrauen aus dem medizinischen Bereich sind gefragt. Inzwischen wird sogar schon eine universitäre Ausbildung zum Pflegemanager angeboten. Pflegemanger bekommen ein Jahresbruttogehalt von bis zu 55.000 Euro.

Lehrer/in

Jeder zweite Lehrer ist heute bereits über 50 Jahre alt. Wenn diese Generation in zehn bis zwanzig Jahren in Rente geht, müssten theoretisch mehrere Hunderttausend junge Lehrer nachrücken – doch pro Jahr kommen nur 26.000 neue nach. Mangel herrscht allerdings nicht in jedem Fach: Deutschlehrer wird es in den nächsten Jahren im Überschuss geben, während es in Mathe, den Naturwissenschaften, Latein und Musik karg aussieht. Der Beruf führt klassischerweise über das Lehramtsstudium. Ein Lehrer verdient je nach Berufsalter und Schulform zwischen 38.200 und 64.000 Euro. Auch in der Erwachsenenbildung fehlt es an Wissensvermittlern. Denn in Zukunft wird es die Ausnahme sein, dass ein Arbeitnehmer in seinem Ausbildungsberuf bis zur Rente arbeitet. Eine Ausbildung mit Fokus auf die Erwachsenenbildung lohnt sich.

Logistiker/in

Arbeitnehmer mit der komplizierten Bezeichnung „Supply-Chain-Manager“ werden dringend gesucht. Auf Deutsch gesagt sind das Logistiker. Die weltweite Arbeitsteilung schreitet voran, Transporte müssen immer schneller und günstiger werden. Für 2012 erwartet die Bundesvereinigung Logistik (BVL) ein Wachstum von etwa fünf Prozent. Mitbringen sollte ein Logistiker ein abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften, Mathematik oder Elektrotechnik, bestenfalls mit Schwerpunkt Logistik. Das Einstiegsjahresgehalt eines Supply-Chain-Managers liegt zwischen 35.000 und 40.000 Euro brutto. Und Transporte soll umweltfreundlicher werden: Daher haben auch studierte Umweltmanager beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Hausarzt/Hausärztin

Laut einer Erhebung von Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) müssen bis zum Jahr 2020 knapp 24.000 Hausärzte ersetzt werden. Der Mangel an Landärzten ist so gravierend, dass der Staat Bayern in Zukunft die Gründung oder Übernahme von Praxen in unterversorgten Gebieten mit 60.000 Euro unterstützen will. Für das notwendige Medizinstudium gibt es von der Regierung sogar Stipendien, 300 Euro monatlich – und das geschenkt: Wenn der Nachwuchsmediziner nach dem Studium für mindestens fünf Jahre im ländlichen Raum arbeitet, muss das Stipendium nicht zurückgezahlt werden. Die Gehälter von Hausärzten schwanken, niedergelassene Ärzte verdienen netto zwischen 2000 und 5300 Euro monatlich.

IT-Techniker/in

Im Dezember 2011 gab es in der deutschen IT-Branche rund 30.500 offene Stellen, teilt der Branchenverband VDI mit, das sind fast zehntausend freie Jobs mehr als im Vorjahr. Der Mangel an IT-Kräften ist inzwischen so dramatisch, dass Konzerne um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands fürchten. Der Weg in die IT führt über das Informatikstudium oder die dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker. Das Gehalt variiert je nach Einsatzgebiet: Netzadministratoren verdienen durchschnittlich 36.000 Euro, ein IT-Leiter mehr als 110.000 Euro.

Erzieher/in

Der Mangel an Erziehern veranlasste zuletzt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vorzuschlagen, die entlassenen Schlecker-Verkäuferinnen für die Kinderbetreuung umzuschulen. Verschärft wird die Situation durch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab August 2013. Dann werden deutschlandweit bis zu 42.000 Erzieher zusätzlich benötigt. Die Ausbildung an den speziellen Fachschulen dauert zwischen zwei und vier Jahren. In anderen Ländern ist es Standard, dass Erzieherein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen können. Daher gibt es inzwischen auch in Deutschland Studiengänge im Bereich Früh- und Elementarpädagogik. Der Verdienst ist tariflich festgelegt und liegt zwischen 1900 und 3000 Euro.

Hotelfachfrau/mann

Dem süddeutschen Gastgewerbe gehen die Auszubildenden aus: In Baden-Württemberg sind Köche, Hotel- und Restaurantfachleute gefragt. Der Rückgang der Azubis beträgt in manchen Berufen bis zu 15 Prozent, gab die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald bekannt. Die Ausbildung zur Hotelfachfrau dauert drei Jahre, in denen sie monatlich zwischen 500 und 630 Euro verdient. Später bekommen Hotelfachfrauen im Durchschnitt 1600 Euro brutto.

Text: Lisa Rokahr

Kommentare (10)

Kommentare (10)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    ich frage mich woher hier die gehaltsangaben kommen. ist ja wirklich lächerlich bei manchen berufen.

    ein apotheker 2900€ am anfang? wohl eher 1800€ sind realistisch.



    altenpfleger 2600€? 1300-1500€ sind da die regel, manchmal sogar noch weniger



    hotelfachfrauen 1600€ ? da werden doch scharrenweise ausländerin für 4-5€ die stunde eingesetzt.



    und das krasse gegenteil bei den ärtzen 2000-5300€? bei den landen heutzutage zwischen 9000-11000 in der tasche.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich denke solchen Berichten kann man nicht 100% Vertrauen.Was heute noch gilt ist vielleicht während der Ausbildung oder des Studiums schon überholt.Nehmen wir mal ein Beispiel aus der Realität.Der/ die Altenpfleger/rin ,die Zukunftsprognosen für Arbeit für Arbeit von der man NICHT LEBEN kann ist hier besonders gut.Die Kassen sind ja jetzt schon leer.Wie wird das wohl aussehen wenn viel mehr Alte geben wird (10-15 Jahre Zukunft).....Es wird wohl nicht mehr bezahlt werden.Es wird sich über die EU grenzen hinweg nach billigen Arbeitskräften aus Osteuropa umgesehen. Krankenschwestern aus Polen sind ja heute schon die Regel.Die werden die letzten noch Überlebenden Deutschen Altenpflegern das leben noch schwerer machen.

    Das nächste Problem liegt auch schon auf der Hand..wir haben zu wenig Kinder die unser Sozialsystem stützen.Das wird den Ultimativen Kollaps aller Systeme zu folge haben.Was da auf uns zukommen könnte.....davor habe ich jetzt schon Angst.Deutschland hat lange
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Naja, abgesehen davon, dass (wie meine Vorrednerinnen bereits erwähnten) es sich von einigen dieser Gehälter nicht wirklich "gut" leben lässt, sollte bei einigen dieser Beruf nicht von Berufen mit Zukunft gesprochen werden. Ich denke da gibt es attraktivere Jobs im Medien-/Umweltbereich, die die Bezeichnung Berufe mit Zukunft mehr verdienen.

    Was mich beim lesen allerdings am meisten ärgert, ist die fehlende Vergleichbarkeit. Hier werden in einem Artikel, Monats- bzw. Jahresgehälter im Brutto als auch im Netto gennant, bzw. teilweise ohne entsprechende Angabe gemacht. So verliert der Artikel schon sehr an Aussagekraft, da es sich hier wieder um den bekannten Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen handelt. Schade.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Die Erzieherausbildung umfasst in Bayern 5 Jahre und man bekommt Ca. 1300-1400 Euro raus, große Sprünge sind da nicht drin :-(
  • Anonymer User
    Anonymer User
    ich stell mir schon auch die Frage, welche Berufe hier vorgestellt werden und wie die Chancen im Realleben dieser Berufe aussehen. Ist schon alles ein bißchen arg weit weg von der Wirklichkeit. Die Männer/Frauenfrage hingegen finde ich sekundär. Wär halt schön gewesen, wenn die recherche auch Berufe mit einbezogen hätte, die nicht so schlecht bezahlt sind wie Altenpflege oder Erzieherin. Die Gehältern die in diesen Berufen bezogen werden, reichen Leben, und ich meine nicht(!) überleben in Ballungsräumen nicht aus. Zu den Vorschlägen der Akademischen Berufe mag ich mich gar nicht äußern. Wahrscheinlich sind die Vorschläge für die ganz jungen Frauen gedacht, aber nicht für middleage... irgendwie nicht so ganz gelungen, die ganze Sache...

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