Du darfst deinen Chef bald fragen, was dein Kollege verdient

Frauen im Job

Gleiches Gehalt bei gleicher Position? Sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Ein neues Gesetz soll die Lohnlücke schließen.

Der monatelange Streit um mehr Lohngerechtigkeit von Männern und Frauen ist beigelegt worden. Das Bundeskabinett hat gestern Manuelas Schwesigs "Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit" abgesegnet.

Das Ziel: Gleiches Gehalt bei gleicher Position

Der Gesetzentwurf der Bundesfamilienministerin sieht vor, dass Firmen ab 200 Mitarbeitern Frauen und Männern das gleiche Gehalt bezahlen müssen, wenn sie die gleiche Position bekleiden. Unternehmen ab 500 Mitarbeitern werden durch das Gesetz verpflichtet, darüber zu berichten, wie sie die existierende Lohnlücke zwischen Männern und Frauen schließen wollen.

"Mit diesem Auskunftsanspruch hat man zukünftig die Möglichkeit, von einer Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts zu erfahren, wie dort durchschnittlich bezahlt wird", so Schwesig. Genauer: Eine Frau kann das Durchschnittsgehalt von sechs männlichen Kollegen mit vergleichbarer Tätigkeit erfragen. Und ein Mann das Durchschnittsgehalt von sechs Kolleginnen. Lenkt der Arbeitgeber bei einer Lohnlücke nicht ein, kann die benachteiligte Person klagen.

Wie groß ist die Lohnlücke wirklich?

Laut Statistischem Bundesamt ist der durchschnittliche Bruttoverdienst von Frauen um 21 Prozent niedriger als bei den Männern. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen häufiger in Teilzeit und in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, etwa in der Pflege oder in Dienstleistungsberufen. Werden diese Faktoren herausgerechnet, verdienen  Frauen im Durchschnitt aber immer noch 7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Die Union hatte das Vorhaben der Familienministerin lange Zeit torpediert. Begründung: Das Gesetz sei ein "Bürokratiemonster".

"Das kann so nicht bleiben"

Für Schwesig ein Scheinargument. Im Interview mit "Spiegel online" sagte sie: „Das Grundgesetz verpflichtet uns dazu, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben sollten. Aber ihre Lebenswirklichkeit sieht oft anders aus: Sie haben die niedrigeren Löhne und werden sogar für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt. Das kann so nicht bleiben. Wir sind dazu verpflichtet, diese Unterschiede abzubauen.“

 

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