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Diese Bewerbungsmythen können Sie vergessen!

Wie bewerben Sie sich richtig? Zwei Experten geben Tipps und decken zehn gängige Bewerbungsmythen auf.

Sich richtig bewerben

Die Erfolgsbewerbung für alle Fälle gibt es nicht - dafür aber jede Menge Blockaden und Missverständnisse, die Bewerberinnen plagen. Grundsätzlich gilt: Wer nicht probiert, hat schon verloren. Aber wer sich traut, kann auch positive Überraschungen erleben, weil sich richtig bewerben auch keine Zauberkunst ist. Nicht jeder Bewerbungsmythos ist wahr! Wir haben für Sie zwei Experten nach den häufigsten Bewerbungsirrtümern gefragt - und Tipps erhalten, wie Sie sich richtig bewerben können.

Mythos Nr. 1: Auffallen um jeden Preis

Viele Bewerberinnen denken, sie müssten im Bewerbungsprozess wie eine Art Zauberin gegenüber dem Arbeitgeber auftreten: Für jedes Problem eine Lösung, auf jede Frage eine Antwort parat haben. "Stimmt nicht", sagt der Wirtschaftsjournalist und Autor Florian Vollmers. Nicht zuletzt in Zeiten der Krise legen Personaler Wert darauf, dass Sie sich als Bewerberin selbst realistisch einschätzen können. Eigenschaften wie Verlässlichkeit, Treue, Gründlichkeit und saubere Arbeit können schwerer wiegen als das Superfrau-Image. "Einen individuellen Winkel zu finden ist am wichtigsten", stimmt auch Karriere-Beraterin Svenja Hofert zu. "Immer noch übernehmen ca. 30 Prozent der Bewerberinnen einen Slogan von der Website der potenziellen Arbeitgeber, weitere 60 Prozent schreiben Standardphrasen aus Bewerbungsratgebern ab. Es bleiben ca. zehn Prozent mit wirklich individuellen Bewerbungen."

Mythos Nr. 2: Eine Initiativbewerbung lohnt sich nicht

"Die lohnt sich definitiv", sagen Svenja Hofert und Florian Vollmers - auch wenn viel Überwindung und Energie dazu gehören! Die besten Erfolgschancen hat eine Initiativbewerbung, wenn Sie wissen, was Sie können und was Sie wollen. Fragen Sie sich immer, wer Ihre Bewerbung in die Hand bekommt. In einem großen Unternehmen ist es wahrscheinlich der Personaler, in einem kleineren wahrscheinlich der Chef selbst. Wie wirkt das, was Sie geschrieben haben auf diejenigen, die es lesen werden? Initiativbewerbungen lohnen sich vor allem in sehr spezialisierten Branchen, empfiehlt Svenja Hofert, aber auch Berufsanfänger können damit Erfolg haben.

Mythos Nr. 3: Nur große Firmen sind gute Arbeitgeber

Sind Sie Berufsanfänger? Möchten Sie sich unbedingt bei einem erfolgreichen Großkonzern bewerben? Diese Unternehmen suggerieren Sicherheit, Möglichkeiten zur Weiterbildung und gute Arbeitskonditionen. Großunternehmen sind nicht die einzige Möglichkeit einen guten Job zu finden. Die Bewerbungsverfahren sind oftmals standardisiert und die Konkurrenz ist groß. Deswegen lohnt es sich, auch bei den mittelständischen Unternehmen anzuklopfen: Die klagen nämlich oft über zu wenig qualifizierte Bewerber. In kleineren Betrieben ist es auch wahrscheinlicher, dass der Personalchef oder Abteilungsleiter selbst Ihre Bewerbung in die Hand bekommt.

Mythos Nr. 4: Ich habe kein Vitamin B

Svenja Hofert trifft immer wieder auf Frauen, die glauben, sie hätten keine Kontakte. Für Svenja Hofert ist das eine Frage des Selbstvertrauens. "Jeder kennt jemanden", hält sie dagegen. Wenn sie Sätze hört, wie "Das ist schon fünf Jahre her, da kann ich nicht anrufen", widerspricht sie vehement. Außerdem würden soziale Netzwerke mit Karrierebezug noch viel zu oft vernachlässigt, so Hofert. Karriere-Netzwerke sind zum Beispiel Xing, squeaker, linkedin und e-fellows.

Mythos Nr. 5: Eigen-PR betreiben - "Das kann ich nicht"

"Oft machen wir uns viel zu viel Druck", sagt Florian Vollmers. Informieren Sie zuerst Ihre Freunde, Bekannten und Kollegen, dass Sie auf der Suche sind. Und das soll schon Networking sein? "Ja klar", so Florian Vollmers. Und selbst wenn es Sie immer noch Überwindung kostet, auf Recruitingveranstaltungen zu gehen, sollten Sie diese Möglichkeit auf jeden Fall nutzen.

Mythos Nr. 6: Soziale Netzwerke sind Privatsache

Natürlich geht es eigentlich niemanden etwas an, was Sie privat so machen, mit wem Sie feiern und wen Sie daten. Aber: 161 von 260 Personalern sind neugierig, kam bei einer Umfrage eines Online-Portals heraus. Gerade bei Kandidatinnen in der engeren Auswahl werden ein paar Zusatzinformationen via Google, Facebook oder StudiVZ schnell interessant. Wenn Sie in der Bewerbungsphase stecken, sollten Sie sich darüber Gedanken machen, was im Netz über Sie zu finden ist und möglicherweise mal einen Kommentar weniger schreiben, ein Foto weniger hochladen oder auch ein paar Informationen löschen.

Mythos Nr. 7: Genau das tun, was der Personaler erwartet

Sehen Sie das Bewerbungsgespräch schon vor Ihrem inneren Auge wie einen Film ablaufen? Haben Sie sich alle möglichen Antworten vorher zurecht gelegt, um den Vorstellungen Ihres Gegenübers zu entsprechen? Der Haken dabei ist: Das sind nicht Sie. Und ein Personaler sieht es Ihnen an, wenn Sie sich verstellen. "Gerade junge Leute fragen sich oft 'Was erwarten die denn von mir'", so Svenja Hofert. "Aber damit kann man nur falsch liegen. Manchmal erwarten die nämlich gar nichts. Sie möchten Sie einfach nur kennenlernen." Haben Sie also Mut, zu sich selbst zu stehen. Selbstbewusstsein und Persönlichkeit beeindrucken am meisten. Würde Ihr Personaler nicht davon ausgehen, dass Sie die notwendigen Kompetenzen für den Job besitzen, dann hätte er Sie gar nicht zum Gespräch eingeladen.

Mythos Nr. 8: Anrufen bringt eh nichts

"Telefonieren ist nicht leicht. Sie sollten deshalb davon ausgehen, dass ein gutes Telefongespräch eher eine Seltenheit ist", sagt Florian Vollmers. Dass es Überwindung kostet, zum Hörer zu greifen und sich zum Personalchef durchzufragen, kann er gut verstehen. Personaler haben oft viele Termine und keine Zeit zum Reden. Je größer das Unternehmen, desto schwieriger wird es, den Richtigen ans Telefon zu bekommen. Ein Telefonat empfiehlt sich deshalb besonders in kleinen Unternehmen. Hier haben Sie nach dem Feierabend vielleicht sogar die Chance, den Geschäftsleiter persönlich an den Apparat zu bekommen. Am wichtigsten ist es, dass Sie nichts persönlich nehmen und sich eine dicke Haut zulegen. Sie können auch zuerst per Mail um einen Telefontermin bitten.

Mythos Nr. 9: Mütter will doch keiner einstellen

Mütter werden auf dem Arbeitsmarkt zwar noch lange nicht so unterstützt, wie es sein sollte, aber das heißt nicht, dass Sie als Mutter keine Chance haben. Eine Studie belegt, dass 48 Prozent der deutschen Unternehmen in den nächsten zwei Jahren mehr Teilzeitstellen schaffen wollen, um auch Müttern mehr Arbeitsplätze zu bieten. Hohe Motivation und Flexibilität machen Mütter attraktiv als Arbeitsnehmerinnen, vor allem im Banken und Produktionssektor. Auch für flexible Arbeitszeitmodelle hat man in mittelständischen Unternehmen eher offene Ohren. Im Gegenzug profitieren die mittelständischen Unternehmen von den hohen Qualifikationen der Mütter, die ihnen sonst verloren gehen würden.

Mythos Nr. 10: Zu alt für den Arbeitsmarkt

Zu alt? Und zu teuer? Denken Sie, wenn schon die jüngeren nichts finden, haben Sie ab 50 überhaupt keine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt? Im Gegenteil! Ihre Chancen werden immer besser, belegt eine Studie der Bundesagentur für Arbeit. Ältere Arbeitnehmer werden häufiger wieder eingestellt. Unternehmen lernen in Zeiten des Fachkräftemangels wieder, die Erfahrung der Älteren zu schätzen. Außerdem gelten sie als verlässlich, identifizieren sich mit dem Betrieb und werden seltener krank. Also nicht einschüchtern lassen!

Text: Undine Zimmer Teaserfoto: istockphoto.com

Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Seit wann sind denn ältere Arbeitnehmer seltener krank? Oder werden die Krankheitszeiten der Kleinkinder von jüngeren Arbeitnehmern in diese Statistik miteingerechnet? Ansonsten widerspricht diese Aussage ja jeder gesunden Logik...
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hier möchte ich ergänzen, dass es sehr auf die Unternehmensgröße ankommt. Bei größeren Unternehmen bewerben sich so viele Menschen initiativ, dass man sich die Mühe und das Porto zumeist sparen kann; Ausnahme: Man ist ein absoluter Überflieger oder hat zumindest etwas wirklich Besonderes zu bieten.

    Je kleiner das Unternehmen, desto besser die Chancen. Anlässe dazu finden sich oft im Wirtschaftsteil der lokalen Tageszeitung: Wenn sich eine Firma vergrößert, wenn sie umzieht oder einen Preis gewonnen hat (und dadurch vielleicht mehr Kunden/Auftraggeber gewinnen könnte) etc., ist das ein guter Bezug für eine Initiativbewerbung!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hier scheinen mir zwei Dinge durcheinandergebracht worden zu sein. Zum einen geht es um die Person, um die Darstellung ihrer Fähigkeiten und Eigenschaften. In dieser Hinsicht ist weder "Auffallen" noch "Zauberin sein" maßgeblich, in vielen Fällen sicher noch nicht einmal erwünscht.

    Zum anderen geht es um die Bewerbung: Hier ist es bestimmt von Vorteil, positiv aufzufallen. Wenn man sich nicht gerade als Designer oder Werbetexter bewirbt, sollte das allerdings nicht durch eine schrille Mappe oder kunstvoll geschmiedete Worte geschehen. Positiv fällt man zum Beispiel auf, wenn man kaum bis keine Formfehler begeht, wenn man sich erkenntlich Mühe gegeben hat, ein individuelles Schreiben zu verfassen, wenn man auf alle (!) Anforderungen der Stellenausschreibung eingeht und wenn man ein schönes, freundliches Bild beilegt.

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