Sabbatical: Planung leicht gemacht

Nichts wie weg - aus dem trüben Licht des europäischen Nordens in die sonnendurchfluteten Landschaften des Südens. Und zwar nicht nur für drei, vier Wochen, sondern für ein ganzes Jahr. Gründe für ein Sabbatical gibt es genauso viele wie traumhafte Aufenthaltsorte. Mit ein bisschen Planung ist der Traum durchaus zu verwirklichen.

Im siebten Jahr soll die Arbeit ruhen, steht schon in der Bibel geschrieben (3. Buch Mose, Kapitel 25). Die Ersten, die diesen Rat befolgten, waren die Professoren. Sie nahmen regelmäßig Forschungsfreisemester oder Sabbaticals. Inzwischen hat sich zumindest der Begriff Sabbatjahr auch in der normalen Arbeitswelt eingebürgert. Dort steht er für ein Jahr Pause oder Ausstieg, um sich zu erholen und hinterher wieder mit neuer, frischer Kraft einzusteigen.

Gute Gründe

Viele Arbeitgeber finden diesen Ansatz grundsätzlich positiv. Robert Reichling, Leiter der Abteilung Tarifpolitik beim BDA (Bundesverband Deutscher Arbeitgeber): Wir müssen die Arbeitszeit anders als auf Wochenstunden verteilen, auf Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten nämlich. Damit kann sich jeder ein Zeitguthaben aufbauen und das dann zum Beispiel für Fortbildung und Qualifizierungsmaßnahmen auch als Sabbatjahr nutzen. Lehrer machen davon bereits regen Gebrauch. Private Arbeitgeber entscheiden von Fall zu Fall. Je größer das Unternehmen, desto eher besteht die Chance auf die Genehmigung einer Auszeit. Besonders, wenn es dabei um die persönliche Fortbildung geht. IBM zum Beispiel bietet unbezahlten Sonderurlaub an, etwa für die berufliche Weiterbildung oder für einen Auslandsaufenthalt, um Englisch zu lernen. Auch bei Beiersdorf (u. a. Nivea) lässt die Personalabteilung mit sich reden, wenn eine Mitarbeiterin gute Gründe für ein Sabbatjahr hat.

Finanzplanung

Wenn es geklappt hat, sich für längere Zeit vom Alltag freizuschaufeln, ist sorgfältige Finanzplanung angesagt. Das Gehalt nämlich macht ebenfalls Pause. Die dicksten Kostenbrocken sind schnell aufgezählt: Hin- und Rückfahrt, das Dach über dem Kopf vor Ort, von kleiner Pension über komplette Wohnung oder Haus bis zum Hotel. Was Sie sich im Ausland leisten können, hängt mit davon ab, wie viel sich zu Hause einsparen lässt. Da lohnt sich ein Kassensturz: Was kostet das Leben zu Hause? Auch wenn es Ihnen wenig Spaß macht, in Kontoauszügen zu stöbern - sie bieten den besten Überblick über alle festen Ausgaben:

  • Miete bzw. Kapitaldienst für Eigenheim oder Wohnung
  • Wohnungsnebenkosten
  • Strom
  • Telefon
  • Kredit- bzw. Leasingrate für das Auto
  • Kfz-Steuer
  • Beitrag für Sportverein oder Fitnessclub etc.
  • Zeitungsabonnements
  • Versicherungen (Hausrat, Haftpflicht, Unfall, Kfz, Krankenversicherung)

Die Mitgliedschaft im Fitnessclub, Telefon, Strom und Abonnements können gekündigt oder für ein Jahr unterbrochen, das Auto kann abgemeldet werden. Kredite aber laufen ebenso weiter wie Versicherungen. Hausrat-, Haftpflicht- und Unfallversicherung müssen nur weiterbezahlt, Kranken- und Autoversicherung hingegen - wenn das Auto auf die Reise mitgenommen wird - an den neuen Wohnort angepasst werden. Versicherungen sollen schließlich für Schäden aufkommen, und damit es im Ernstfall kein Problem gibt, ist es ratsam, vor dem Sabbatjahr den Versicherungsberater anzusprechen. Das trifft besonders für die Kfz-Versicherung zu. Dank der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten ist fast jedes Fahrzeug anders versichert. In Deutschland ein Garagenwagen, in Spanien ein Parkplatz unter dem Sternenzelt - das kann sich nicht unerheblich auf den Versicherungsschutz auswirken.

Außerdem bestehen alle europäischen Länder darauf, dass Fahrzeuge, die länger als sechs Monate auf ihren Straßen herumfahren, der Steuern wegen auch in ihrem Land angemeldet sind. Das hat Konsequenzen für die Versicherung. Mit der Ummeldung ist automatisch der in Deutschland abgeschlossene Vertrag beendet, eine neue, einheimische Versicherung muss her. Zu der kann man bereits Kontakt aufnehmen, bevor das Sabbatjahr beginnt, denn fast alle deutschen Versicherer arbeiten mit Partnerunternehmen im Ausland.

Krankenversicherung

Ebenfalls ganz wichtig: Mindestens drei, besser noch sechs Monate vor der Abreise ist ein Gespräch mit der Krankenkasse fällig. Bei der AOK etwa wird nach dem Grundsatz verfahren: Wer in Deutschland weiter Beiträge zahlt, wird im europäischen Ausland auch auf Krankenschein behandelt. Das gilt aber ausschließlich für Notfälle und akute Erkrankungen. Dafür stellt die AOK eine Bescheinigung aus, mit der Sie sich vor Ort bei der Krankenkasse einen Krankenschein holen können. Je nach Landesgesetzen gelten allerdings spezielle Grenzen für die Selbstbeteiligung an Behandlung und Therapie. Die gesetzliche Krankenkasse in Deutschland erstattet diese Beträge nicht zurück, deshalb ist es sinnvoll, zusätzlich eine private Krankenversicherung für die Zeit im Ausland abzuschließen. Die ist ohnehin ein Muss für alle, sie sich außerhalb Europas aufhalten. Denn die Abkommen über die Krankenversicherung gelten keineswegs weltweit. Auch bei der Auswahl der geeigneten privaten Zusatzversicherung ist professionelle Hilfe ratsam, die Angebote sind für einen Laien nämlich schier unüberschaubar und sehr unterschiedlich teuer. Wer mindestens fünf Jahre lang gesetzlich versichert war, kann für ein Jahr in eine private Krankenkasse wechseln. Billiger gehts nicht. Die gesetzliche Kasse muss die Aussteigerin später wieder aufnehmen. Achtung: Die private Krankenversicherung gilt auf den Tag genau nur für den vorher vereinbarten Zeitraum, sie kann nicht verlängert werden.

Wohnung

Bleibt noch die Wohnung. Versuchen Sie, für die Zeit Ihres Sabbatjahres einen Untermieter zu finden. Mit der Mitwohnzentrale (Ortsvorwahl/19430) lässt sich das relativ unkompliziert regeln, zumal sie für die Vermieterin kostenlos aktiv wird. Wohnung oder Haus gehören Ihnen? Dann müssen Sie nicht Ihren Vermieter um Erlaubnis bitten, wenn Sie die Wohnung weitervermieten wollen. Theoretisch könnte er Ihnen die Genehmigung verweigern, die Untervermietung ist nämlich nicht gesetzlich geregelt. Sobald Sie aber ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen können, wie berufliche Fort- oder Weiterbildung, haben Sie gewonnen. Auf alle Fälle aber müssen Untermieter beim Vermieter angemeldet werden. Anderenfalls kann der Ihnen die Wohnung fristlos kündigen.

Sehr wichtig ist auf jeden Fall ein wasserdichter Vertrag, in dem alle Nebenabreden aufgeführt sind. Dabei hilft Ihnen die Mitwohnzentrale. Auch wenn Sie nicht da sind, zahlt Ihre Hausratversicherung für Schäden durch Sturm oder Brand, Leitungswasser oder Diebstahl. Schäden, die der Untermieter selbst verschuldet hat, muss seine Haftpflichtversicherung zahlen. Überzeugen Sie sich deshalb davon, dass eine solche Versicherung besteht!

Übrigens stellt die Mitwohnzentrale in Deutschland über ihre Partner im Ring Europäischer Mitwohnzentralen auch Kontakte zu Organisationen in zehn anderen europäischen Ländern her. Damit können Sie sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe für Ihr Sabbatjahr im Ausland erheblich erleichtern.

Nicht vergessen!

  • Geldverkehr
  • Fein raus ist, wer online mit der Bank verbunden ist und alle Transaktionen über das Internet abwickeln kann. Wenn Sie kein Computerfan sind, hilft nur die klassische Methode:
  • ausreichend Überweisungsformulare einstecken und den Kundenberater darum bitten, die Kontoauszüge an Ihre neue Adresse zu schicken.
  • Das klappt bei Banken - im Unterschied zur Post - auch für ein ganzes Jahr, kostet aber ebenfalls Gebühren: 61 Cent nimmt etwa die
  • Vereins- und Westbank pro Sendung zusätzlich zum Porto.
  • Fragen Sie Ihren Arzt!
  • Ein Jahr fern Ihrem Hausarzt - ein Gesundheitscheck zuvor sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Auffrischung zum Beispiel des
  • Tetanus- oder Polio-Impfschutzes. Sie nehmen regelmäßig Medikamente? Denken Sie daran, einen Jahresvorrat einzupacken oder mit Ihrem Arzt
  • über den regelmäßigen Nachschub zu sprechen.
  • Überquellende Briefkästen
  • Die Post ist ein echtes Problem, wenn mehr als sechs Monate überbrückt werden müssen. Der Umzugsservice (www.post.de) bietet zwar an, Briefe auch ins Ausland nachzuschicken (gegen Gebühr), aber eben nur für ein halbes Jahr. Zeitungen, Zeitschriften und Kataloge werden
  • übrigens nicht weitergeleitet, Pakete gehen sofort an den Absender zurück.
  • Steuern sparen!
  • Steuerlich ist es zum Beispiel sinnvoll, das Sabbatjahr nicht von Januar bis Januar zu legen, sondern von Juli bis Juli. Steuern werden
  • immer auf das ganze Jahr berechnet und sind entsprechend niedriger, wenn jeweils nur ein halbes Jahreseinkommen angesetzt wird.
  • Sie wollen eventuell im Ausland arbeiten? Fragen Sie in jedem Fall vor der Abreise Ihren Steuerberater! Klären Sie, in welchem Land welche Steuern anfallen und wie Doppelbesteuerungen vermieden werden können.

Sabine Wiermann

Kommentare

Kommentare

    Unsere Empfehlungen

    KlickstarterNewsletter
    Bild Montagsnl

    Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

    Melde dich jetzt kostenlos an!

    Diesen Inhalt per E-Mail versenden

    Sabbatical: Planung leicht gemacht

    Nichts wie weg - aus dem trüben Licht des europäischen Nordens in die sonnendurchfluteten Landschaften des Südens. Und zwar nicht nur für drei, vier Wochen, sondern für ein ganzes Jahr. Gründe für ein Sabbatical gibt es genauso viele wie traumhafte Aufenthaltsorte. Mit ein bisschen Planung ist der Traum durchaus zu verwirklichen.

    Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

    E-Mail wurde versendet
    Deine Mail konnte leider nicht versendet werden