Wiedereinstieg: "Ist es wirklich eine gute Idee, ein Café zu eröffnen?"

Katrin Wilkens berät Mütter beim Wiedereinstieg nach der Babypause. In loser Folge berichtet sie bei BRIGITTE.de über Fragestellungen aus ihrer Praxis.

Katrin Wilkens

Katrin Wilkens (45) studierte Rhetorik und arbeitete als Trainerin in der Weiterbildung. Seit 2000 schreibt sie als freie Journalistin u.a. für Spiegel, Zeit, FA und Nido. Worin sie wirklich gut ist: Wichtige und weniger wichtige Persönlichkeiten portraitieren, dass sie vor Glück heulen. Oder vor Wut. Kombinieren. Dinge auf den Punkt bringen. In Menschen reinschauen. Besonderheiten entdecken. Mit ihrer Agentur "i.do" (was japanisch ist und so viel bedeutet wie "Veränderung", "Reise") berät die dreifache Mutter Frauen beim Wiedereinstieg - und verspricht: "Am Ende haben Sie eine Antwort: den maßgeschneiderten Job."

Anja K. fragt: "Soll ich ein Café aufmachen?"

„Früher war ich Ingenieurin in einem medizintechnischen Konzern, dort habe ich es hauptsächlich mit Männern zu tun gehabt. Ich musste Dialyse-Maschinen erklären und Ärzte und Krankenschwestern einweisen. Wenn es Beschwerden gab, liefen die immer über mich. Reisen: viel, Karrieremöglichkeiten: groß – solange man nicht schwanger wurde.

Nun bin ich 44 Jahre und habe drei Kinder, zwei Mädchen und einen Jungen. Ich habe genug von Sandburgen und Dinkelbrei. Und dieser Pseudo-Harmlos-Talk am Sandkasten macht mich fertig. Ich will nicht filzen oder Brot backen, ich will einen Job, der mich nährt.

Jetzt sitze ich als Dreifach-Mutter da und bin trocken gelegt. Fast jeder, den ich frage, rät mir: 'Mach doch ein tolles Café auf, dafür hast Du doch jetzt Zeit!'“ Ist das wirklich eine gute Idee?

Anja K., Maschinenbauingenieurin, Köln

Liebe Frau K.,

Ein Café ist der klassische Traum … aber leider auch die beste Methode, um nach ein paar Jahren nicht nur Dreifach-Mutter, sondern auch noch hochverschuldet zu sein.

Wer keine Ahnung von Gastronomie, Marketing oder Pâtisserie und keine reiche Erbtante im Hintergrund hat, die die ersten drei Jahre überbrückt, hat leider große Chancen, mit dem schönen Traum auf die Nase zu fallen. Wer nichts wird, wird Wirt – dieser Spruch stimmt leider nicht.


Und Ihre berufliche Kombination aus Technik, Schulung und einem stark männlich geprägten Umfeld sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein Spitzendecken-Ambiente.

Ich würde Ihnen eher raten, sich bei familienfreundlichen Betrieben zu bewerben. Warum nicht bei der Bundeswehr, Abteilung Materialprüfung? Die Bundeswehr stellt auch Zivilisten ein, schafft in den nächsten Jahren neue Stellen und gilt als familienfreundliches Unternehmen. Und ein etwas rauerer, prägnanter Ton wird Sie nicht schrecken.

Um das Familienleben genießen zu können, brauchen Sie einen deutlichen Kontrast, also arbeiten Sie bloß nicht mit Kindern, Dienstleistungen oder Versehrten zusammen, da wird Ihnen mehr Geduld abverlangt, als Sie übrig haben.

Wer es aber schafft, mit Nephrologen und Krankenschwestern zusammenzuarbeiten, schafft auch die Bundeswehr.
In diesem Sinne: Abtreten! Und viel Erfolg!

, i.do

Weitere Infos zum Wiederseinstieg nach der Babypause unter www.i-do-hamburg.de

Hier könnt ihr Katrin Wilkens Fragen stellen!

Du bist auch gerade mit dem Wiedereinstieg in den Job beschäftigt? Dann kannst du Katrin Wilkens per Email deine persönliche Problematik schildern. Bei BRIGITTE.de wird sie ausgewählte Fragen beantworten.

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