"Smartphone? Will ich nicht, brauch ich nicht!"

Frau auf Bank: "Ich will kein Smartphone!"

BRIGITTE.de-Leserin Brigitte Kalies weigert sich standhaft, sich ein Smartphone zuzulegen. Und trifft auf erstaunlich viel Widerstand.

Ich.Will.Kein.!

Erst einmal: Bitte entschuldigt diesen ersten Satz. An sich finde ich diese sprachverstümmelnde Erfindung der Werbetexter, hinter jedes Wort einen Punk zu setzen, blöd. Ich weiß mir aber nicht mehr anders zu helfen, denn mich versteht niemand, wenn ich diesen Satz ganz normal von mir gebe.

Ich habe ein Handy - reicht das nicht?

Mein Handy ist zehn Jahre alt und hat Tasten. Wenn ich es heraushole, reichen die Reaktionen meiner Umwelt von mitleidigem Lächeln bis hin zu ungläubigem Staunen.

Ich kann damit telefonieren und SMS schreiben, es weckt mich, und abends finde ich das Schlüsselloch, weil es dann zu einer Taschenlampe wird. Wenn ich mit dem unterwegs bin (älter als das Handy) kann ich den Pannendienst rufen und wenn ich Bahn fahre, jedem, der es wissen soll, mitteilen, dass ich 15 bis 120 Minuten später komme. Dazu brauche ich unterwegs ein Telefon, mehr nicht. Zuhause habe ich einen Computer, wenn ich denn mal ins Internet möchte.

Leute mit Smartphone benehmen sich nicht immer smart

Natürlich ist es mir nicht entgangen, dass um mich herum nahezu alle Menschen in allen möglichen und unmöglichen Situationen ein Smartphone in der Hand haben. Sie starren wie gebannt darauf, machen wischende Bewegungen oder brüllen hinein, wobei ich denke, dies wäre bei einem modernen Gerät nicht nötig. Aber viele tun es trotzdem, vorzugsweise wenn sie neben mir in der S–Bahn sitzen und ich ein Buch lese. Sicher meinen sie es nicht böse, sondern wissen einfach nicht, was ich da mache, und dass permanentes Gerede von der Seite dabei stört. Manche halten sich das Smartphone auch vors Gesicht und schneiden Grimassen, andere stecken es auf einen Stock und halten es in die Luft.

Es passiert immer wieder, dass mir Menschen, die in ihr Smartphone schauen, vors Fahrrad oder Auto laufen. Gerüchteweise habe ich gehört, dass sie Monster suchen. Ich sehe gern Science-Fiction-Filme und dachte daher, dass diese Leute über ihr Smartphone Instruktionen von außer- oder innerirdischen Mächten bekommen. Wobei eine davon zu sein scheint, die letzten Abtrünnigen ohne Smartphone dazu zu bekehren, sich eines anzuschaffen. Wie ich darauf komme? Ich habe es erlebt.

Man hat mir ein Smartphone geschenkt - inklusive Vertrag

Brigitte Kalies will kein Smartphone

Brigitte Kalies wurde vor 55 Jahren in Berlin geboren, hat dort Medizin studiert, ein Kind bekommen und ihre ersten Berufsjahre verbracht. Seit 2009 lebt sie naturnah und smartphonefrei in der „Obstbausiedlung Eden“ in Oranienburg und arbeitet freiberuflich als Lebens- und Paarberaterin.

Es fängt ganz harmlos an mit der Schilderung der unzähligen Vorteile so eines Gerätes. Ich bekam ein Smartphone geschenkt, verbunden mit dem Angebot, mir in stundenlangen Einzelsitzungen die Benutzung zu erklären. Es wurde mir angeboten, einen Vertrag fürs erste Jahr zu finanzieren (wohl in der Annahme, dass ich dann abhängig bin und selber weiter zahle). Schließlich kam es zu mehr oder weniger versteckten Drohungen, mich aus irgendwelchen Kreisen auszuschließen, wenn ich nicht der dazugehörigen WhatsApp–Gruppe beitrete.

Richtig bedrohlich wird es wohl werden, wenn ich ohne Smartphone kein Essen mehr kaufen kann, das Bargeld soll ja demnächst abgeschafft werden, damit alle mit dem Smartphone bezahlen. Zum Glück funktionieren meine Heizung und mein Fernseher noch, obwohl sie nicht smart sind.

Ist auch gut so, schließlich werde ich in Zukunft viel Zeit allein zu Hause verbringen, da es nicht mehr möglich sein wird, Kontakte ohne Smartphone zu pflegen. Aber wer weiß, vielleicht trete ich dann einer WhatsApp-Gruppe für Smartphone-Gegner bei ...

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