Auftreten im Job: "Mädels, werdet Profis - und lasst die Barbie zu Hause!"

In bauchfreien Tops und Miniröcken, mit Piercings und Klatschgeschichten: Wie Frauen sich bei ihr um Jobs bewerben, lässt Brigitte-Leserin Jutta Erbendruth aus der Haut fahren. Ihre "Stimme" ist somit ein Aufruf an ihr Geschlecht, im Job professioneller aufzutreten.

Jutta Erbendruth, 55, war einige Zeit in Deutschland als Rechtsanwältin tätig, bis sie das Fernweh packte. Nun lebt sie seit über 20 Jahren in Südfrankreich und arbeitet in einer internationalen Firma. In ihrer Freizeit kocht sie gern, genießt die Zeit mit ihren Haustieren und in einem kleinen Garten.

Jutta Erbendruth, 55, war einige Zeit in Deutschland als Rechtsanwältin tätig, bis sie das Fernweh packte. Nun lebt sie seit über 20 Jahren in Südfrankreich und arbeitet in einer internationalen Firma. In ihrer Freizeit kocht sie gern, genießt die Zeit mit ihren Haustieren und in einem kleinen Garten.

In meinem Job habe ich viel Entscheidungsfreiheit, ich kann bei Einstellungen, bei der Vergabe von Aufträgen, Praktikumsplätzen und vielem mehr entscheiden. Also könnte ich auch andere Frauen unterstützen, ihnen zu einem Auftrag oder Job verhelfen, aber manchmal frage ich mich wirklich, ob ich das will. Denn hier kommen Frauen hereinspaziert, die ich am liebsten sofort wieder rausschmeissen würde.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich würde gern Hilfestellung geben, aber es geht einfach nicht. Liebe Frauen, wenn Ihr zeigen wollt, was Ihr könnt, dann macht es richtig, kommt hier nicht als das Frauenklischee schlechthin hereingelaufen.

Sehen wir uns doch mal die Dame an, die einen Auftrag für die regelmässige Lieferung von Druckerpatronen und Büromaterial haben will. Sie kommt dahergestelzt in einem , hochgeschlitzt, einem Oberteil, das ausgeschnitten ist wie ein Ballkleid, und natürlich mit geschätzt 15 Zentimeter Hacken. Mädchen, bitte beug dich nicht über meinen Schreibtisch, ich will deinen Bauchnabel nicht sehen, auch dein Dekolleté nicht, nein! Wenn du erwartet hast, dass hier ein Mann sitzt, der die Entscheidungen trifft, Pech für dich, ich will lieber eine gute Präsentation sehen, eine Preisliste haben, die genauen Lieferzeiten... Kein Grund, hier beleidigt rauszustaksen, mach deine Hausaufgaben, kauf dir ein schickes Businesskostüm und dann versuch es nochmal.

Mein nächster Termin, zwei Mädchen, frisch von der Schule, sie suchen ein Praktikum als Technikerin. Sehr löblich, das höre ich gern. Aber, ach, welche Enttäuschung. Mädchen Nummer Eins trägt hautenge Leggins und ein Oberteil, das ich mit Not als sehr bauchfreies Unterhemd bezeichnen würde. Die Unterwäsche schaut heraus, dazu noch ein paar nicht sehr ansehnliche Piercings und Tattoos. Tattoos sind nicht mein Geschmack, das könnte ich zwar noch übersehen, aber die Kleidung? Nein, so kann ich sie nicht in die Werkstatt lassen, wer von den Mechanikern wird denn da noch arbeiten? Die würden doch nur noch starren... Und die Piercings müssen raus, denn wie will sie damit eine Schutzmaske tragen? Die junge Dame ist enttäuscht, sagt mir, sie laufe immer so rum, sie hat gar nichts anderes anzuziehen. Und da die Piercings ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit sind, will sie diese nicht entfernen, auch nicht für vier kurze Praktikumswochen. Ich schlage ihr vor, sich woanders persönlich auszudrücken.

Mädchen Nummer zwei ist eine Muslima, das ist mir egal, nur ihre Kleidung nicht, Tschador und Kopftuch, überall um sie herum weht und wogt der Stoff. Wie stellt sie sich vor, dass sie in einer Werkstatt arbeitet? Da hilft nichts, da muss Arbeitskleidung her, T-Shirt oder Sweatshirt und Jeans, dazu Arbeitsschuhe. Ich kann sie doch so nicht an eine Kreissäge lassen! Und wie bekommt sie eine Schutzmaske über das Kopftuch? Erwartungsgemäß kommt die Ansage des Mädchens, ich würde sie diskriminieren, weil sie Muslima ist. Nein, das mache ich nicht, ich habe nur ein paar Arbeitsgesetze zu beachten, und sie kann sich entscheiden, ob sie entweder Arbeitskleidung trägt oder hier nicht arbeitet. Abgelehnt!

Heute ist ein schlechter Tag, die nächste Kandidatin erscheint, ich suche eine Assistentin. Sie pflanzt sich in den Besucherstuhl, schlabbert mit ihren Latschen, erzählt lautstark von ihrem Willi seine Prostata. Upps, jetzt habe ich verpasst, dass sie von ihrer Nachbarin redet, die auch in den Beruf zurück ist. Meine Kandidatin will ja jetzt auch arbeiten, weil die Kinder groß sind, und Willi kann allein klarkommen. Sie möchte jetzt wieder Geld verdienen, schliesslich hat sie vor ihrer Ehe in einem Großraumbüro getippt. Gut, alles ok, aber was hat das mit meiner Stellenausschreibung zu tun? Ja, sie hat ein bischen geschummelt in ihrem Lebenslauf, damit sie sich besser fühlt, und sie kann ja alles noch lernen. Klar, von einsprachig auf fliessend dreisprachig in zwei Wochen? Vom Tippen auf einer elektrischen IBM vor 20 Jahren auf weitreichende Erfahrungen in Word, Excel und Powerpoint in zehn Tagen? Gute Frau, ich glaube ja an Ihre Motivation, aber ich brauche sofort eine erfahrene Kraft. Hier ist kein Nachbarschaftskaffeeklatsch. Wir müssen nicht weiterreden, das ist Zeitverschwendung, ich stelle niemanden ein, der sich durch "ein bischen schummeln" ein Vorstellungsgespräch erschwindelt, dann in Badelatschen kommt und statt von seiner Berufserfahrung von "Willie seine Prostata" redet.

Zwischendurch mal eine Abwechslung, in der Werkstatt ist Streit. Worum geht es? Ach, eine Mechanikerin hat eine Affäre mit einem Mechaniker angefangen. Nicht schon wieder! Wie oft hab ich zu den Mädchen gesagt, dies ist ein Arbeitsplatz, keine Datinghotline. Merkt euch "Never fuck the company" und handelt danach. Es wird wie üblich ablaufen, ich könnte die Stechuhr danach stellen: Hier ist die neue Mechanikerin, sie arbeitet gut, zeigt den Jungs, was sie gelernt hat, und schon am zweiten Tag geht es los, ein kleines Geplinkere mit den mascaragepinselten Wimpern, ein bischen Gekichere, Flüstern mit der Kollegin... Man reicht dem Kollegen mit einem vertrauten Händedruck den Schraubendreher....

Nächste Szene, die beiden haben offensichtlich die Nacht miteinander verbracht, sie arbeiten zusammen, verbringen die Pause zusammen, verliebtes Anstarren über der Kreissäge. Keiner kann mehr arbeiten vor lauter Verliebtheit - und die Kollegen rotten sich schon zum Lästern zusammen. So weit, so gut, am besten wäre, der Film würde hier enden, aber nein, heute reden die beiden nicht mehr miteinander, sondern starren sich wütend an, kümmern sich betont um andere; aber aus dem Weg gehen, das geht nicht, sie sind in der gleichen Arbeitsgruppe, seufz, ich weiss, was morgen passiert.

Ja, genau, nun brüllen die beiden sich an, Schimpfworte fliegen hin und her, Beschuldigungen, das Privatleben des anderen wird öffentlich zerpflückt, wieder kann keiner arbeiten, die beiden sind mit Streiten beschäftigt, die anderen müssen zuhören und dazu Kommentare abgeben, es bilden sich bereits Parteien... Und es endet wie immer, einer muss versetzt werden und das möglichst schnell und ehe wir noch erfahren müssen, wie sein Intimpiercing aussieht und was sie als Tattoo am Hintern spazierenträgt.

Liebe junge Damen, sucht euch Freunde nicht am gleichen Arbeitsplatz, mindestens eine Abteilung weiter, noch besser, in der Nachbarfirma oder lieber gar nicht, sonst verliere ich hier irgendwann die Nerven und werde unprofessionell!

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Kommentare (54)

Kommentare (54)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    ... und hat man je eine Muslima gesehen, die Tschador und Kopftuch zugleich trägt, wie die Autorin behauptet?

    Und wieso kommt die Autorin eigentlich darauf, dass sich die Muslima auch im Tschador an die Kreissäge stellen will?

    Wie kommt man überhaupt darauf, dass BewerberInnen um einen Job in einem Vorstellungsgespräch sich an ihrem späteren Arbeitsplatz genauso anziehen wollen, wie sie sich im Vorstellungsgespräch präsentiert haben?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wunderbar, danke für den pointierten Artikel !
  • Anonymer User
    Anonymer User
    ... und das, wo sich doch angeblich die Französinnen so gut kleiden können ;-) Kann ich gar nicht glauben, was da geschrieben steht...
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich halte die sogenannten Erlebnisse der Autorin zum großen Teil für frei erfunden, mindestens jedoch für stark überzeichnet und übertrieben.

    Im Grunde ist das einen Aneinanderreihung von lauter Klischees.



    Und wenn dann noch eine Autorin in unendlicher Manier über kurze Röcke, große Ausschnitte, bauchfei, Barbies, Tattoos und Piercings bei anderen Frauen herzieht, zugleich jedoch gem. Bild selbst aussieht wie eine Kopie von RTL-Frauentausch, dann sage ich: hier stimmt was nicht!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Wirklich interessanter und auch spritziger Artikel, ich habe ihn mit Aufmerksamkeit gelesen. Schade das demnach, doch noch so viele Frauen einzig Wert auf ihr Äußeres legen anstatt auf ihr Können. Auf der anderen Seite hört es sich so an als wären alle Frauen nur darauf bedacht sich einen Job zu erschleichen, mit unlauteren Methoden, und zu knapper Wäsche. Es gibt durchaus Frauen die wissen was sie können und haben es einfach nicht nötig derart aufzutreten. Ich denke mal die Frauen, welche im Artikel beschrieben werden, gehören der jüngeren Generation an, denen es noch an Aufklärung im allgemeinen fehlt was z.b. die Umgangsformen. Oder diese wissen noch nicht so richtig was sie eigentlich wollen, Beruflich. Oder kann es gar sein, dass sie gar nicht arbeiten wollen sondern nur vom Job-Center genötigt wurden sich auf diesen Job zu bewerben? Man muß ja mehrere Bewerbungen vorlegen um Geld zu bekommen. Komisch, muß nicht d. Job-Center dem Suchenden einen Job vermitteln? Verk

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