Co-Elternschaft: Wie ich einen Vater für mein Kind gefunden habe

BRIGITTE.de-Leserin Jennifer Sutholt sehnt sich nach einem Baby, hat aber keinen Partner. Nun hat sie sich für eine Co-Elternschaft entschieden.

Die Trennung

Ich war fast 35, als er ging, weil er Angst bekommen hat - vor der Verantwortung, der Veränderung, dem Druck meinerseits, dem Ende seiner Freiheit. Und ich stehe vor einer großen Entscheidung. Nochmal auf eine neue Beziehung setzen? Hoffen, dass der Traumprinz genau jetzt um die Ecke kommt, wo ich ihn so dringend brauche? Völlig gestresst auf gehen, immer mit meiner tickenden Uhr in der Hand? Einen Mann auswählen, der gerade gut genug ist?

Kind und Partner zu entkoppeln ist ein längerer Prozess, bei mir hat er fünf Jahre gedauert. Wer träumt denn nicht von der perfekten kleinen Familie, Vater, Mutter, Kind, ewige Liebe, aber wenn man einmal den Kinderwunsch von einem Partner losgelöst hat, ist das wie eine Befreiung.

Einen Partner kann ich auch später noch finden, aber das Zeitfenster für ein Kind ist nicht für immer offen. Ich denke, das Kind wird das verstehen können und akzeptieren, dass ich zwar nicht alles perfekt hinbekommen habe im Leben, aber ziemlich viel dafür getan habe, es zu bekommen.

Mit 35 wollte ich mein erstes Kind - schon immer

35 war schon immer meine Deadline für das erste Kind. Eine von mir willkürlich gesetzte Zahl, statistisch aber relevant, denn ab jetzt geht es bergab mit der Fruchtbarkeit. Ab 35 ist man „risikoschwanger“, die Möglichkeit, dass das Kind eine Trisomie hat, steigt exponentiell, es wird einem suggeriert, man solle sich beeilen. Meine Frauenärztin erwähnt schon seit Jahren, dass mein Körper jetzt wirklich gerne möchte. Natürlich kann man auch mit 40 noch schwanger werden, aber eben nicht jede. Und woher weiß ich, ob ich dazu gehöre?

Es gibt heutzutage wunderbare Möglichkeiten, um kleine Hindernisse zu überwinden, sei es eine Hormontherapie oder künstliche Befruchtung, und ich bin wirklich ein großer Fan davon, aber was, wenn es nicht funktioniert? Selbst jetzt weiß ich nicht, ob ich schwanger werden kann. Ich möchte einfach die jetzt noch besseren Chancen nutzen, und falls es nicht klappt, noch genug Zeit haben, um alles andere auszuprobieren.

Ich nehme die Sache selbst in die Hand

Diese Trennung war irgendwie anders. Sie hat mich nicht in ein schwarzes Loch gezogen, sondern darin bestärkt, zu handeln. ’Jetzt reicht es mir’ dachte ich, ich möchte mich nicht mehr abhängig machen von einem Partner, vom Wohlwollen des anderen. Es ist mein größter Wunsch, ein Kind zu bekommen, es war mir schon immer wichtig, aber wirklich angegangen bin ich es nie.

Mit 30 war ich völlig panisch, dass es nicht klappt mit meinem Lebensplan von einer Familie. Heute bin ich gerade nach einer eigentlich schönen Beziehung entspannter, ich freue mich, wenn ein neuer Mann in mein Leben tritt, aber ich bin auch zufrieden, wenn es erstmal nicht so ist.

Projekt Kinderkriegen

Ich bin mir im Klaren darüber, dass ein Kind nicht dazu da ist, mich glücklich zu machen. Wenn das mein Anspruch wäre, wäre eine Therapie der bessere Weg. Ein Kind wird mir auch nicht den Partner ersetzen und ist kein Mittel zum Zweck, damit ich geliebt oder gebraucht werde. Wenn ich mir das wünschte, sollte ich mir lieber einen Hund kaufen.

Ich sehe es eher so: Ich möchte ein Kind glücklich machen, ihm zur Seite stehen, für es da sein, hinter ihm stehen, bei allem was es tut, oder als Löwenmutter vor ihm, wenn es das Leben verlangt. Ihm eine solide Grundlage an Vertrauen, Erziehung, Glück und Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Es ausrüsten mit allem, was es braucht, um in dieser Welt so gut wie möglich zu bestehen. Sein Fels in der Brandung sein. Ihm eine feste Grundlage bauen, auf der es erhobenen Hauptes alles erreichen kann.

Natürlich sollten noch ein paar Faktoren stimmen. Wenn man sich zu einem so großen Schritt entschließt, bedarf das der Planung. Nicht nur das Sperma muss organisiert werden, auch ein Businessplan ist hilfreich. Die ganze Sache ist ja ein "Projekt", also ist es nur folgerichtig, es auch so anzugehen. Ich meine damit Grundvoraussetzungen wie etwa Geld. Ein Kind braucht Sachen, viele Sachen. Ein Kind braucht aber vor allem Zeit und die ist bekanntlich kostbar. Ich befinde mich in der günstigen Position, einen Arbeitgeber zu haben, der verschiedenste Teilzeiten anbietet, die sich hervorragend mit einem Kind kombinieren lassen. Zudem verdiene ich genug, um auch in Teilzeit genug Gemüse auf den Tisch bringen zu können.

Wie finde ich den Vater für mein Kind?

Aber woher kommt das Kind? Ein One Night Stand fällt für mich flach, ein neuer Partner erstmal auch, bleibt noch die Samenbank und die Co-Elternschaft. Eine Samenspende wollte ich nicht. Erstens ist alleinerziehend sein wirklich hart, ich ziehe meinen Hut vor jeder Mutter, die das schafft. Zweitens finde ich, dass ein Kind eine zweite enge Bezugsperson haben sollte. Ob nun ein Vater, eine zweite Mutter oder eine Oma, ist, glaube ich, eher nebensächlich, aber wenn ich mir überlege, wie oft mir meine Mama auf die Nerven gegangen ist und wieviel öfter ich ihr, dann scheint mir eine zweite Person für alle nützlich zu sein. Einen Papa sollte jeder haben. Außerdem werde ich wieder arbeiten müssen, das bedeutet bei mir Reisen und ich möchte, dass mein Kind dann in einer vertrauten Umgebung bei einer vertrauten Person ist, wenn ich mal drei Tage weg bin. Und meine Eltern möchte ich nicht damit belasten.

Es bleibt also nur das Konzept der Co-Elternschaft, das bei uns noch eher unbekannt ist, in den USA schon verbreiteter. Die Idee ist, dass zwei Menschen, die gerne ein Kind hätten, ob nun homo-oder heterosexuell, sich zusammentun und als Eltern, aber eben nicht als Paar, ein Kind großziehen. Meistens entsteht das Kind durch künstliche Befruchtung, sei es durch eine Heim-Insemination oder durch einen Arzt. Das klingt ziemlich gut für meinen Geschmack, aber die Durchführung scheint mir im ersten Moment schwierig. Woher den Mann nehmen? Es gibt Websites, auf denen sich Co-Eltern finden können, aber die, die ich als erstes fand, war eher abschreckend. Die Anzeigen klangen für mich nicht besonders vertrauenswürdig.

Das komischste Date meines Lebens

So habe ich mich damit erstmal nicht mehr beschäftigt. Bis ich einer Kollegin von meinem Problem erzählte. „Wenn du wirklich einen Papa suchst, dann habe ich den richtigen Mann für dich“, sagte sie. Das ist Schicksal, dachte ich mir, sie hat ein Kind mit einem schwulen Mann, sie muss sich also auskennen. Also habe ich zugegriffen und mich mit dem Mann getroffen. Sicherlich das komischste Date meines Lebens, aber es lief großartig, wir haben uns sofort gut verstanden und waren uns in allen wichtigen Punkten sofort einig.

Wir haben angefangen, uns zu treffen, um uns besser kennenzulernen. Wenn man einen Papa und keinen Partner sucht, kann man den anderen ohne rosarote Brille betrachten und ihn auf Vaterqualitäten überprüfen, ohne dass einem Herz oder Libido dazwischenfunken. Er scheint langweilig zu sein, weil er ungern ausgeht? Als Vater perfekt, das Kind bleibt also am Wochenende und an Silvester bei ihm.

Jetzt heißt es nur noch: Warten

Sicher werden wir auch unsere Streits und Machtkämpfe haben, aber da die Basis Freundschaft und nicht Liebe ist, ist sie vielleicht stärker. Nach einer Trennung bleibt ja oft wenig Freundlichkeit für den Ex übrig. Hat man ein gemeinsames Kind, muss man sich aber trotzdem auseinandersetzen.

Wir wissen es natürlich nicht, hoffen aber, dass uns das besser gelingt, als einem Paar nach einer erloschenen Liebe. Ansonsten stellen wir es uns ähnlich vor, das Kind wird die ersten Jahre hauptsächlich bei mir sein. Aber er wird der Vater sein, eine Bindung aufbauen, sich kümmern und babysitten, wenn ich zum Yoga gehe. Nur werden wir weiter getrennt wohnen und irgendwann kommt sicherlich ein neuer Partner dazu, ob jetzt bei ihm oder bei mir oder beiden, wir werden also hoffentlich eine schöne Patchworkfamilie werden.

Um die Freundschaft nicht zu belasten, haben wir uns für die Bechermethode entschieden. Nachdem wir uns mehrere Monate lang kennengelernt haben und nichts dagegen sprach, haben wir uns entschlossen, es zu versuchen. Statistisch gesehen dauert es ungefähr ein Jahr, bis man schwanger wird. Jetzt heißt es also nur noch: Warten.

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