"Wie ich mich aus Essstörung und Sportsucht befreit habe"

Luisa (17) litt jahrelang an Essstörungen und Sportsucht. Hier erzählt sie, wie sie es schaffte, sich aus der Krankheit zu befreien.

Essstörungen und Sportsucht, Lulus Dreamtown

Nach einer selbstgeheilten Essstörung möchte Luisa Gaffga anderen essgestörten Menschen helfen. Die 17-Jährige hat drei Jahre ihres Lebens damit kämpfen müssen und teilt nun ihre Erfahrungen und Tipps unter "Lulus Dreamtown" auf Instagram und Youtube.

Ich fing an, mir selbst weh zu tun ...

"Du bist dick.'' - "Immer am Essen!'' - "Moppelchen"
: Mit solchen Aussagen wachsen viele Kinder auf. Bis zu meinem neunten Lebensjahr gehörte ich eher zu den dünneren Mädchen in meiner Klasse. Doch mit der Zeit wurde ich etwas ''moppeliger'', was dazu führte, dass ich mir viele solcher Sprüche anhören musste.

Mit elf kam mir der Gedanke, dass ich besser abnehmen sollte. Also probierte ich, das Abendessen wegzulassen und mehr Sport zu machen. Aber das waren immer nur Phasen und nie wirklich ernste Angelegenheiten.


Mit 13 habe ich mich dann zum ersten Mal in einen Jungen verliebt. Leider lief einiges schief in der Beziehung, und ich fiel in eine tiefe Depression und .

... und wog jedes einzelne Salatblatt ab

Es begann damit, dass ich angefangen habe, mir selbst weh zu tun, zu zählen und exzessiv Sport zu machen, auch wenn es mir nicht gut ging. Irgendwann wog ich jedes einzelne Salatblatt ab. Vor gewissen Lebensmitteln hatte ich Angst und hätte sie niemals gegessen.

Anfangs lebte ich nach einem Low-Carb-Plan. Nur Gemüse und Milchprodukte und höchstens 1200 Kalorien am Tag. Dazu kamen dann noch ein bis zwei Stunden extremes Cardio-Training.
 Mein Leben wurde zu einem strikten Plan - alles perfekt getimt, alles perfekt abgewogen, alles perfekt durchdacht.

Ich wurde zum Roboter. Ich stand eine Stunde vor meiner Familie auf, um mein Essen abzuwiegen (damit niemand mitbekommt, dass ich ein Problem habe). Dann ging ich wieder ins Bett. Ich stand auf, frühstückte, ging in die Schule, kam heim, kochte Mittagessen für mich, schaute stundenlang Abnehm-Videos, trainierte, aß zu Abend (manchmal auch nicht) und ging schlafen. Ich ging auf keine Partys, mied Treffen und   schulische Aktivitäten und machte keinen Urlaub, weil ich Angst hatte, nicht mein eigenes Essen zu mir nehmen und mich nicht genug bewegen zu können. Ich kapselte mich von meinen Mitmenschen ab und lebte in meiner selbst erschaffenen Blase.


Zur Essstörung gesellte sich die Sportsucht

Zu meiner Essstörung kam dann noch die Sportsucht hinzu. Ich hatte so große Angst vor dem Sitzen (da es zu wenig Kalorien verbrennt), dass ich ein, zwei Mal pro Stunde in der Schule auf die Toilette ging, nur um mich zu bewegen. An meinem 14. Geburtstag mussten meine Gäste eine Stunde später kommen, weil ich noch joggen gehen wollte. Dann hatte ich solche Angst, meinen Geburtstagskuchen zu essen, dass ich eine Panikattacke bekam und danach einen Binge, bei dem ich sechs Stück Torte aß.

Wegen der inzwischen täglichen Panikattacken und Angststörungen wollte meine Mutter, dass ich zu einer Therapie gehe. Leider brachte mir diese nicht besonders viel. Dann wurde über eine Klinik gesprochen, in die ich aber nicht wollte. Also musste ich, um nicht dort hingehen zu müssen, bis zu einem gewissen Datum fünf Kilo zunehmen.

Ich begann, meine Essstörung zu heilen - mit Rückschlägen

Das war der Start meiner Recovery. Nach zwei Jahren täglichem Training, täglichem Abwiegen und täglichem Kalorien zählen, begann ich, den Schritt zu wagen: 
Ich schaute mir Videos auf von Menschen an, die ihre Essstörung geheilt haben. Und ich fing an, an dem Grundproblem zu arbeiten: an meiner Selbstliebe, Selbstakzeptanz, Dankbarkeit und Selbstsicherheit.

Langsam begann ich, mehr und mehr Kalorien zu essen. Dann versuchte ich, mehr Sportpausen einzuplanen. Doch es kam immer wieder zu Rückschlägen. Weil ich nun mehr aß, wollte ich auch mehr trainieren. Mein Ziel war es, immer mehr zu verbrennen, als ich zu mir nahm.

Haarausfall, Amenorrhoe, Konzentrationsstörungen

Im Sommer 2015 sollte sich dann alles ändern. Durch das drastische Abnehmen bekam ich Probleme wie Haarausfall, Konzentrationsschwäche und Amenorrhoe (Verlust der Periode). Da realisierte ich, dass ich etwas ändern muss.

Also zwang ich mich jeden Tag, 3000 Kalorien zu essen und nicht mehr zu trainieren. Sieben Monate lang machte ich keinen Sport mehr und nahm ein Minimum an 3000 Kalorien zu mir. Irgendwann traute ich mich, in Restaurants zu essen. Ich traute mich auch an Öl, Weißmehl und sogar Zucker. Der Bewegungsdrang ging langsam weg, und ich konnte die Welt klarer sehen.

So begann ich, als "LulusDreamtown" auf Instagram und Youtube von meiner Krankheit zu berichten. Unter meinem Hashtag #lulusnightquotes versuchte ich, anderen bei ihren Problemen zu helfen, so wie auch mir geholfen wurde. Denn alles was mir geholfen hat, lernte ich auf Instagram, Youtube und anderen sozialen Netzwerken.


Natürlich kam es zu Rückfällen, Panikattacken und Zweifeln. Von all der Zeit war diese Zeit am härtesten, denn man muss etwas ändern und Veränderung macht Angst. Zuzunehmen macht vielen Menschen Angst.

Der Schlüssel heißt Selbstliebe

Bis heute habe ich 24 Kilo zugenommen. Das war sehr schwer. Aber ich habe gelernt, dass mein Aussehen mich nicht definiert. Mein Denken und Handeln ist bewusster als zuvor. Als ich ''Normalgewicht'' hatte, war ich unglücklich, mit ''Untergewicht'' war ich noch unglücklicher und nun - mit ein bisschen mehr Fett auf den Hüften - fühle ich mich plötzlich wohler denn je. Das Gewicht sagt nichts darüber aus, wie wohl man sich fühlt oder wie glücklich man ist.

Was einen wirklich glücklich macht, ist, wie man sich selbst sieht, und wofür man dankbar ist. Selbstliebe und Selbstakzeptanz sind der Schlüssel. Den perfekten Körper oder das perfekte Aussehen werden wir nie erreichen können. Denn Schönheit kommt immer von innen. Das Leben ist mehr als ein Sixpack und die größten Bootygains.

Tipp: Als "Lulus Dreamtown" zeigt Luisa tolle vegane Rezepte im Video:

- Vegane Lasagne

- Veganer Schokokuchen

- Vegane Bolognese

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