Steffi von Wolff: "Ich muss Hunde nicht mögen!"

Steffi von Wolff

Hunde sabbern, stinken und beschallen die ganze Nachbarschaft. Warum darf man trotzdem nichts gegen sie sagen?

Man darf Schokolade, laue Sommerabende mit Gin Tonic, und die Karibik doof und sogar Babys nicht süß finden, aber gefühlt ist nichts so schlimm wie die Tatsache, keine Hunde zu mögen.

Es geht schon damit los: Ein Hund umkreist und beschnüffelt mich und wenn ich dann sage: „Nehmen Sie den Hund weg“, kommt als Antwort nicht etwa: „Ja klar, Wotan bei Fuß“, sondern ein huldvolles „Der macht doch nichts.“ Das mag ja sein. Aber wenn ich es nun mal nicht mag, beschnuppert zu werden?

Ja, ich kann sehr gut ohne Hunde

Ich gebe es zu: Ich kann sehr gut ohne Hunde. Viele sind schlecht erzogen und werden von ihren Besitzern vermenschlicht. Ich mache mich nun unbeliebt, aber ich stehe dazu: Hunde sabbern, beschallen die ganze , auch gern mal am Sonntagmorgen um halb sieben, ohne dass der Besitzer ihnen klarmacht, dass jetzt mal Klappe halten angesagt ist.

Hunde zerkratzen Parkett und wenn sie furzen, stinkt es zum Gotterbarmen, Hunde machen überall hin, wo man sie hinmachen lässt, nicht jeder räumt ihre Hinterlassenschaften weg, und fast alle wissen, wie es ist, in einen Hundehaufen zu treten.

Sehr hübsch finde ich es auch im Winter, wenn mal Schnee liegt, der an vielen Stellen gelb gefärbt ist. Da weiß man, wie es auch sonst auf der Straße aussieht. Genau: Man läuft in Hundepisse herum.

Aber es sind ja Hunde und die muss man gern haben, gegen die darf man nichts sagen. Warum nicht? Es herrscht doch Meinungsfreiheit.

Dampfende Haufen in Kackbeuteln

Dann diese Besitzer, die voller Stolz den dampfenden, bei großen Hunden oft sehr großen Haufen in einen Kackbeutel bugsieren und dann mit diesem warmen Beutel weitergehen. Grusel. Einmal stand beim Bäcker ein Hundebesitzer mit vollem Beutel neben mir, und es hat gestunken und das, sorry, finde ich grenzwertig.

Einige Hundebesitzer gehen mir besonders auf den Sack: Zum Beispiel der Typ „Wind & Wetter“ (Kurzhaarfrisur, Brille, gut durchblutete Gesichtshaut, Multifunktionsweste, Outdoor-Hosen und festsitzende Schuhe), der mit forschem Schritt durch Wald oder Park läuft. Er dirigiert seinen Hund mit Blicken oder scharfen, kurzen Pfiffen und schaut dem Vierbeiner voller Stolz zu, wenn er artig Stöcke bringt. Er möchte, dass man ihn für seine geniale Erziehung lobt und erhofft anerkennende Sätze wie: „Da hat aber jemand seinen Vierbeiner im Griff“. Sagt man nichts, ist er unterschwellig beleidigt.

Dann gibt es auch noch diese Hundetreffen, wo Herrchen und Frauchen sich gegenseitig beweihräuchern, aber insgeheim denkt jeder, dass sein Hund der beste ist, das ist ähnlich wie bei Eltern und Kindern. Diese Gruppen weichen auf Wegen keinen Zentimeter zur Seite und lassen einen nur ungnädig durch.

Und dann diese Leute, die mit jungen Hunden unterwegs sind: „Er ist ja noch so klein“, sagen sie, wenn der Hund einen anspringt. Und wenn ich dann sage: „Rufen Sie jetzt Ihren Hund zurück“, habe ich schon ein „Wer keine Hunde mag, mag auch keine Menschen“ gehört.

Warum kapieren Hundebesitzer nicht, dass man anders tickt?

Was soll das? Wo bitte steht geschrieben, dass ich Hunde mögen und es gut finden muss, wenn sie mich anspringen oder ankläffen oder besabbern?

Warum können Hundebesitzer nicht einfach akzeptieren, dass man anders tickt? Ich muss kein Gespräch über den tollen Hund anfangen, ich muss auch kein Lob spenden und ich muss keine gütigen „Ach ja, die lieben Hunde“-Blicke erwidern, und ich bin deswegen kein schlechter Mensch.

Ich toleriere ja, dass es Hunde gibt und dass sie irgendwo leben müssen, aber ich möchte nicht dazu gezwungen werden, so zu tun, als würde ich das toll finden.

Und falls das jetzt irgendjemand zu aggressiv findet – keine Sorge, ich bin ganz harmlos. Ich will nur spielen.

Steffi von Wolff: "Später hat längst begonnen"

Die Autorin: Steffi von Wolff war lange Jahre beim Radio, bevor sie 2003 ihren ersten Roman herausbrachte. Ihr neuestes Werk heißt "Später hat längst begonnen"; darin geht es um zwei Frauen, die es zusammen nochmal richtig krachen lassen, bevor das Unabänderliche passiert.

Steffi von Wolff selbst lässt es mittlerweile fast nur noch beim Schreiben krachen. Sie ist am liebsten daheim und macht es sich gemütlich mit Rotwein, einem leckeren Essen - und einer schönen Serie!

Steffi von Wolff: "Ich muss Hunde nicht mögen!"

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Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • BReihle
    BReihle
    Natürlich muss nicht jeder Hunde lieben. Ich muss aber auch Menschen nicht mögen, die im Befehlston mit mir reden. Ein einfaches "bitte" im Satz „Nehmen Sie den Hund weg“ würde den Sinn nicht verfälschen, wäre aber deutlich höflicher.

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