Steffi von Wolff: "Was ist bloß mit den modernen Vätern los?"

Steffi von Wolff

Bestsellerautorin Steffi von Wolff sind viele der jungen Väter unheimlich. Müssen denn alle  auf Übervater machen?

Manchmal ist es irgendwie ... zu viel

Früher war natürlich nicht alles besser. Da mussten die Frauen – wenn sie neben der ganzen Hausarbeit überhaupt Zeit dafür hatten – alleine mit ihrem Nachwuchs spazieren oder zum Nachmittagskaffee zur ebenfalls bekinderten Freundin gehen. Es war für die meisten Männer undenkbar, eine Windel zu wechseln oder im Haushalt zu helfen.

Das ist heute - ich muss oft sagen leider - anders.

Natürlich ist es gut, dass Väter mehr an der Erziehung und dem ganzen Kinderalltag teilhaben. Früher wussten sie vielleicht gar nicht, wieviele Kinder sie haben und wie sie heißen. Aber manchmal ist es einfach, na ja, irgendwie … zu viel.

Von Müttern kennt man dieses Verhalten. Aber von Vätern?

Komme ich an Spielplätzen vorbei, bleibe ich stehen und beobachte. Ich sehe natürlich Kinder, aber auch Mütter und Väter. Von den Müttern kennt man ja dieses Verhalten, dass sie ständig am Hin- und Herrennen sind, um den Nachwuchs vor einem terroristischen Anschlag oder einer schmutzigen Hose zu retten. Daran ist man halbwegs gewöhnt.

Aber wenn Väter da mit ernster Miene stehen und rufen: „Marleen, der Papa hat gesagt, keinen Sand essen“, und dann mit Feuchttüchern loslaufen und Marleen erklären, was da für schlimme Dinge im Sand sind, und das alles mit so einer Grabesstimme, also ich weiß nicht. Furchtbar.

Das Schlimme ist, dass jeder außer mir diese Väter gut zu finden scheint. In jedem Fall schon mal die auf dem Spielplatz anwesenden, sich selbst als emanzipiert bezeichnenden Mütter. Die gickeln dann und werfen sich geflüsterte Sätze wie „Da kann seine Frau aber froh sein, dass sie so einen Mann hat, meiner würde nicht im Traum dran denken“ oder „Selbstverständlich ist das nicht, hoffentlich weiß das seine Frau“ zu, und ich denke dann, haben wir 1954?

Diese Väter spielen doch nur eine Rolle! Oder nicht?

Und die Männer? Die genießen das natürlich, tun aber so, als sei das alles das Normalste der Welt (was es ja eigentlich auch ist) und sagen dann gerne, aber natürlich so, dass die Frauen es hören: „Morgen gehen wir wieder in den Wald, Torben, da erkläre ich dir die Blätter …“ und die Frauen denken „Oh! Und vielleicht macht er dann später noch ein Lagerfeuer und Vater und Sohn suchen Äste, um später die Kartoffeln über die Flamme zu halten, und dann sitzen sie nebeneinander, der Mond scheint, die Wölfe heulen und er, der Vater, erklärt dem Sohn die Welt, hach!“

Ich weiß nicht, irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Väter eine Rolle spielen und das noch nicht mal gut. Es wird von ihnen verlangt, so macht es oft den Eindruck.

Sie verhandeln die Stuhlbeschaffenheit, als würde es um den Weltfrieden gehen

Sonntags sieht man ja gern mal zwei Pärchen mit ihren Kindern herumspazieren. Meistens schieben die Väter die Kinderwagen und gehen nebeneinander und die Frauen mit etwas Abstand hinter ihnen her, und dann beobachten sie stolz ihre Männer, die sich angeregt über Stuhlbeschaffenheit und Zufüttern unterhalten, als würde es um den Weltfrieden gehen.

Irgendwie, so finde ich, passt das nicht, wenn Väter sich so verhalten. Es wirkt gekünstelt, geschauspielert. Was früher zu wenig war, ist heute zu viel. Okay, wenn um 1900 ein Junge blutend nach Hause kam, hieß es „Jungs weinen nicht“ oder „Indianer kennt keinen Schmerz“, das ist ja auch falsch gewesen.

Aber warum muss eigentlich alles besonders und kann nicht einfach „normal“ sein? Ich meine mit normal einfach normal. Das muss doch hinzukriegen sein.

Steffi von Wolff: "Später hat längst begonnen"

Die Autorin: Steffi von Wolff war lange Jahre beim Radio, bevor sie 2003 ihren ersten Roman herausbrachte. Ihr neuestes Werk heißt "Später hat längst begonnen"; darin geht es um zwei Frauen, die es zusammen nochmal richtig krachen lassen, bevor das Unabänderliche passiert.

selbst lässt es mittlerweile fast nur noch beim Schreiben krachen. Sie ist am liebsten daheim und macht es sich gemütlich mit Rotwein, einem leckeren Essen - und einer schönen Serie!


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