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Zu Besuch im Medical Spa

In einem "Medical Spa" bekommt man Kosmetik und Massagen im Wohlfühlambiente - und ästhetische Eingriffe aller Art. Wir waren zu Besuch. Dazu: die wichtigsten Methoden im Überblick

JetPeel

Das ist es: Aus sehr feinen Düsen wird mit hoher Geschwindigkeit eine Kochsalzlösung auf die Haut gespritzt. Dadurch wird die Haut leicht mechanisch gepeelt, massiert und die Durchblutung angeregt. Es ist möglich, dem Wasser Wirkstoffe wie Vitamine oder Hyaluronsäure beizumischen. Das soll es bringen: Aufgrund der Durchblutung erscheint das Gesicht nach der Behandlung frischer und etwas glatter. Die Haut soll hinterher besonders aufnahmebereit sein für weitere kosmetische Behandlungen. So lange hält der Effekt: nur für ein paar Stunden. Bei regelmäßiger Anwendung soll die Haut zwar auch längerfristig davon profitieren und "verjüngt" erscheinen, aber Fältchen wird man damit nicht los. Es handelt sich um eine kosmetische Wohlfühl-Behandlung. Nebenwirkungen: keine. Das kostet es: ca. 90 bis 150 Euro.

Botox

Das ist es: Das Nervengift Botulinumtoxin wird in extremer Verdünnung in verschiedene Gesichtsmuskeln gespritzt. Das bewirkt eine Entspannung der Muskeln, so lässt sich zum Beispiel die Stirn nicht mehr so stark runzeln. Botox kann auch gegen übermäßiges Schwitzen unter den Achseln eingesetzt werden. Das soll es bringen: Da die Muskeln nicht mehr so stark bewegt werden, glätten sich die darüberliegenden Mimikfalten. Vor allem effektiv bei Glabella-(Zornes-)Falten, Stirnquerfalten, Krähenfüßen. Es dauert ca. drei Tage, bis der muskelentspannende Effekt vollständig einsetzt. So lange hält der Effekt: üblicherweise drei bis sechs Monate. Nebenwirkungen: bei falsch gewählten Dosierungen oder Injektionspunkten z. B. ein unnatürliches Erstarren der Mimik, Hängelider (nach der Behandlung von Krähenfüßen), unnatürliche Augenbrauenstellung nach der Behandlung von Stirnfalten ("Mr. Spock"-Brauen). Aus Sicherheitsgründen wird Botox vor allem für die obere Gesichtshälfte eingesetzt, da Behandlungen in der Nähe des Mundes z. B. Lachen, Essen, Trinken und Küssen beeinträchtigen und zu Veränderungen in der Aussprache führen können. Das müssen Sie wissen: Botulinumtoxin ist ein seit vielen Jahren zugelassenes Arzneimittel, es ist bisher kein Risiko gesundheitlicher Langzeitschäden bekannt. Eventuelle Nebenwirkungen entstehen vor allem durch mangelndes Geschick oder fehlende Erfahrung des Arztes. Kosten: je nach Menge ab ca. 300 Euro.

Faltenunterspritzungen und Liquid Lifting

Was Ärzte im "Medical Spa" alles anbieten - und was wirklich davon zu halten ist: die Methoden, ihr Nutzen und die Risiken im Überblick

Das ist es: Es wird ein Füllmaterial ("Filler") unter die Haut gespritzt, das die Falte von innen heraus anhebt und sie sofort verschwinden lässt. Es gibt Filler, die in ähnlicher Form auch in der Haut vorkommen und sich über den Stoffwechsel wieder abbauen (Hyaluronsäure, Kollagen), Filler aus hautfremdem Material, die sich zeitverzögert abbauen (Polymilchsäure, Kalziumhydroxylapatit), sowie Filler, die Kunststoff enthalten und sich gar nicht abbauen (permanente Filler). "Liquid Lifting" bedeutet, dass nicht nur die Falte, sondern ganze Gesichtspartien großflächig und tief unterspritzt werden, um das altersbedingte Absinken des Binde- und Fettgewebes auszugleichen. Das soll es bringen: Feine und tiefe (z. B. im Nasolabialbereich) Falten verschwinden sofort. Beim Liquid Lifting soll das Gesicht wieder jugendliche Konturen bekommen, eingefallene Wangen sollen aufgefüllt werden. So lange hält der Effekt: hängt vom Füllmaterial ab - Hyaluronsäure sechs bis zwölf Monate, Polymilchsäure bis zu zwei Jahre. Permanentfiller halten im Prinzip lebenslang, was jedoch oft eher ein Fluch ist (siehe Nebenwirkungen). Nebenwirkungen: Es ist möglich, dass der Filler durchscheint, sichtbar und/oder tastbar ist. Alle Filler haben das Risiko, dass sich Knötchen bilden können. Bei permanenten Fillern ist das Risiko besonders hoch und kann noch Jahre nach der Behandlung auftreten, der Filler ist aber dann kaum noch zu entfernen. Es ist möglich, dass der Körper allergisch auf Filler-Bestandteile reagiert. Das müssen Sie wissen: Die meisten Ärzte raten wegen der möglichen Komplikationen generell von permanenten Fillern ab! Hyaluronsäure gilt als am verträglichsten, außerdem gibt es nur hier ein Gegenmittel (Hyaluronidase), das den Filler sofort auflösen kann, falls etwas schiefgegangen ist. Fragen Sie den Arzt aber auch hier immer nach dem Namen und dem Hersteller des Fillers, und hüten Sie sich lieber vor billiger Importware. Kosten: sehr stark abhängig von der Menge des Füllmaterials, eine einzelne Falte ab ca. 250 Euro.

Fett-weg-Spritze

Das ist es: Die Spritze enthält u. a. einen Wirkstoff aus Sojabohnen (Phosphatidylcholin), der Fettzellenbestandteile zersetzt und auflöst, die dann über die Leber abgebaut werden. Gespritzt wird in kleine Fettpolster, z. B. ein Doppelkinn. Das soll es bringen: Innerhalb mehrerer Wochen sollen kleine Fettpölsterchen schwinden. Meist sind mehrere Behandlungen im Abstand von sechs bis acht Wochen nötig, um einen Effekt zu sehen. So lange hält der Effekt: nicht eindeutig. Nebenwirkungen: Das Gewebe ist für Tage geschwollen und schmerzt, juckt und brennt. Es ist möglich, dass sich schmerzhafte Verhärtungen bilden. Bei einigen Menschen löst sich weniger Fett auf als erwartet. Das müssen Sie wissen: Die Methode ist bei Ärzten umstritten, da das verwendete Mittel nur zur Behandlung von Fettembolien (Fetttröpfchen in der Blutbahn) zugelassen ist, nicht als Fett-weg- Spritze zur Einspritzung ins Gewebe. Es fehlen daher umfassende wissenschaftliche Studien zu möglichen Langzeit-Nebenwirkungen bei dieser Anwendung. Bei Soja-Allergien, Lebererkrankungen und schweren Nierenerkrankungen darf das Mittel nicht verabreicht werden. Das kostet es: ab ca. 300 Euro je nach Größe der behandelten Areale.

Radiofrequenztherapie (Thermage)

Diana Zahn, 23, ist Studentin aus München und hält ihren Körper lieber mit Joggen in Form

Das ist es: Mit Radiowellen wird die Haut in den tieferen Schichten erhitzt, während die Oberhaut gekühlt wird. Dadurch verschmoren Bindegewebsstränge und schrumpfen. Fettdepots werden so fester umschlossen, zudem bildet die Haut als Folge der ausgelösten Entzündungsreaktion verstärkt Kollagen. Das soll es bringen: Die Haut soll insgesamt straffer werden. Im Gesicht sollen dadurch auch Falten oder Hamsterbäckchen gemildert werden, am Körper werden Radiowellen z. B. zur Cellulitebehandlung eingesetzt. So lange hält der Effekt: Das Ergebnis ist erst Wochen bis Monate nach der Behandlung zu erkennen und soll im besten Fall bis zu drei Jahre anhalten. Es ist jedoch möglich, dass gar kein Nutzen erkennbar ist, laut einzelnen Veröffentlichungen aus den USA soll dies sogar auf fast die Hälfte der Patienten zutreffen. Generell fällt bei jüngeren Menschen der Effekt sichtbarer aus als bei älteren, da junge Haut sich besser regeneriert. Nebenwirkungen: eventuell Schwellungen, Rötungen, Unebenheiten und Blasenbildung an den behandelten Stellen, die meist nach wenigen Tagen verschwinden. Es ist möglich, dass der Effekt wider Erwarten zu stark ausfällt und das Gewebe narbig schrumpft. Kosten: je nach Größe des zu behandenden Bereichs ab ca. 1500 Euro.

Kryolipolyse

Das ist es: ein Verfahren, das Fettzellen durch Unterkühlung zerstören soll. Fettgewebe (z. B. an den Hüften) wird dafür angesaugt und etwa eine bis drei Stunden lang durch die Haut hindurch gekühlt. Das soll es bringen: Innerhalb von zwei bis vier Monaten sollen die Fettzellen - die empfindlicher auf Kälte reagieren als anderes Gewebe - absterben und so kleine Fettpolster reduziert werden. Die Methode ist nur für lokale Fettansammlungen, z. B. an den Hüften, bei sonst normalgewichtigen Personen gedacht. Im Durchschnitt soll sich nach Angaben des Herstellers die Fettschicht um 20 Prozent reduzieren, es kann aber beim einzelnen Patienten auch weit weniger (oder mehr) sein. So lange hält der Effekt: nicht eindeutig, weil Langzeiterfahrungen fehlen. Nebenwirkungen: ein Bluterguss durch das Ansaugen, eventuell eine mehrwöchige verminderte Gefühlsempfindung an der behandelten Stelle. In manchen Fällen ist der Übergang zwischen behandeltem und unbehandeltem Gewebe erkennbar. Kosten: ab ca. 750 Euro.

Soft-Lifting-Fäden

Das ist es: Methode zur Straffung des Gesichts, bei der Polypropylen-Fäden (Aptos-Fäden) mittels einer Hohlnadel unter die Haut geschoben werden. In den Fäden sind kleine Widerhäkchen eingearbeitet, die sich im Gewebe verankern, beim Hochziehen in den Schläfenbereich wird das Gewebe gestrafft. Das ist der Effekt: Hängende Gesichtspartien sollen wieder angehoben werden, z. B. die Wangenpartie oder hängende Mundwinkel. So lange hält der Effekt: im besten Fall bis zu fünf Jahre, oft aber auch nur ein paar Monate. Nebenwirkungen: vorübergehend leichte Schmerzen, Blutergüsse und Schwellungen. Einige Tage danach muss man heftige Gesichtsbewegungen vermeiden. Bei dünnem Unterhautfettgewebe können die Fäden tastbar sein oder durchscheinen. Fäden können sich lösen. Es ist möglich, dass das Gesicht asymmetrisch erscheint. Die größte Gefahr besteht darin, dass Keime unter die Haut gelangen und Infektionen auslösen. Das müssen Sie wissen: Die Methode ist bei Ärzten sehr umstritten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat 2007 nach etlichen Meldungen von Nebenwirkungen einer konkreten Variante des Fadenliftings die Zulassung entzogen. Eine 2009 in einer wichtigen amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlichte Studie aus den USA kam zu dem Schluss, dass die Methode wegen des oft dürftigen Nutzens bei teilweise starken Nebenwirkungen abzulehnen sei. Kostet: ab 1500 bis 4000 Euro.

BUCHTIPP: Hans Weiss, Ingeborg Lackinger Karger: "Schönheit - die Versprechen der Beauty-Industrie. Nutzen, Risiken, Kosten". Hier finden sich umfassend recherchierte, ausführliche Informationen zu vielen gängigen Schönheits-Operationen und minimalinvasiven Verfahren (320 Seiten, 17,90 Euro, Verlag Zsolnay & Deuticke)

Produktion: Sarah Harms Fotos: Jan Rickers Teaserbilder: istockphoto Haare & Make-up: Henrike Kessler Ein Artikel aus der BRIGITTE 23/11

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