Bluse und Hose: Anne Valerie Hash
BRIGITTE: Ihre Verbindung zu Frankreich ist sehr eng. Sie haben jahrelang in einem kleinen Dorf in der Nähe von Avignon gelebt, wo Sie heute noch ein Refugium haben.
Marie Bäumer: Ja, derzeit lebe ich mit einem Bein in München, mit dem anderen hier. Wenn es nach mir ginge, wäre ich aus Frankreich überhaupt nicht weggegangen, aber ich musste aus beruflichen Gründen zurück, und dann gibt es in meinem Leben auch noch meinen Sohn, der zur Schule muss. Aber in Frankreich geht es mir einfach besser als in Deutschland.
BRIGITTE: Wie kommt das?
Marie Bäumer: Meine Liebe zu Frankreich entstand, als ich 17 war. Ich machte eine Radtour durch die Bretagne, auf dem Rückweg kam ich nach Paris. Ich erinnere mich noch genau, wie ich dachte: Wenn es so etwas Schönes gibt, dann muss ich da leben. Es hat viele Jahre gedauert, bis das Wirklichkeit wurde. Durch diverse glückliche Zufälle bin ich in der Provence gelandet, in einem kleinen Dorf mit rund 3000 Einwohnern - und drei Friseuren. Unglaublich, oder?
Marie Bäumer, 43, ist auch regelmäßig am Theater zu sehen und führte im letzten Jahr an den Hamburger Kammerspielen erstmals Regie - beim von ihr verfassten Stück "Abschied"
BRIGITTE: Sind die Salons denn voll?
Marie Bäumer: Und wie! Anfangs habe ich mich gefragt, was die da bloß machen, dass da immer Hochbetrieb herrscht. So schnell wachsen Haare doch nicht. Aber die Menschen hier achten einfach mehr auf sich und lieben es, sich schön zu machen. In diesem Land steckt eine unnachahmliche Sinnlichkeit, und das gibt dem Leben einen ganz besonderen Rahmen, der Freude macht.
BRIGITTE: Haben Sie diese Sinnlichkeit auch übernommen?
Marie Bäumer: Wir Deutschen sind immer sehr am bitioniert. Auch ich bin dagegen nicht gefeit. Aber ich habe in Frankreich gelernt, Abstand zu nehmen und Dinge, die mir Freude bereiten, zu genießen. Hier gibt es immer eine Lösung, wenn man ruhig bleibt. Als ich in der Nähe von Avignon in das Haus zog, brauchte ich für meinen Kamin Brennholz. Ich bestellte "frauenfreundliches" Holz - und bekam halbe Eichenstämme geliefert. Ich war verzweifelt und rief sofort den Lieferanten an. Der kam, rauchte eine Zigarette auf meiner Terrasse, sah sich den Berg Holz an und sagte: "Na, dann nehmen wir das halt wieder mit." Wenige Tage später kam er mit kleinen Scheiten, und alles war gut. So läuft das hier. Das musste ich lernen, und ich lerne immer noch weiter.

















