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Ästhetische Eingriffe: Ja, wir haben was machen lassen!

Kleine ästhetische Eingriffe haben enorme Zuwachsraten - doch allzu gern wird darüber in Deutschland immer noch nicht geredet. Hier erzählen drei Frauen, warum sie ihre Schönheit nicht allein drei Liter Wasser täglich und viel Schlaf verdanken

Birgit Buxmeyer, 50 Jahre, Ärztin aus Darmstadt: "Bei Botox bin ich geblieben"

Als Dermatologin habe ich die Einstellung, dass man die Therapien, die man anbietet, auch einmal selbst ausprobiert haben sollte. Bei Botox bin ich geblieben, das lasse ich mir zwei bis dreimal im Jahr gegen Stirnfalten und Krähenfüße spritzen. Ich nehme nur wenig, ganz glatt gespritzt ist nicht schön. Angefangen habe ich vor etwa fünf Jahren, weil mich die Blinzelfalten ums Auge gestört haben. Ich spritze mir das Botox natürlich nicht selbst, da ist mir das Risiko von Blutergüssen zu groß, sondern lasse das eine liebe Kollegin in der Rosenpark-Klinik in Darmstadt machen, wo ich arbeite. Ich habe für mich dabei keinen Nachteil gefunden: Das ist in drei Minuten gemacht, und es handelt sich um ein lange erforschtes Medikament, vor dem man keine Angst zu haben braucht.

Als Dermatologin wird man oft gefragt, was man bei sich selbst hat machen lassen. Ich habe keine Probleme damit, meine Erfahrungen weiterzugeben. Eine Thermage, also eine Hautstraffung mit Radiofrequenz, habe ich auch ausprobiert, aber das ist relativ schmerzhaft und bringt ehrlich gesagt auch nicht bei jedem ein gutes Ergebnis. Ansonsten bin ich mit meinem Gesicht und Körper ganz zufrieden. Als Ärztin versuche ich die Frauen, die zu mir kommen, sehr ehrlich zu beraten. Es gibt welche, die kommen grau in grau gekleidet, mit fusseligen Haaren, und sagen: "Schauen Sie mal, diese Falte da, die ist es, die mich alt macht." Ich versuche dann diplomatisch zu erklären, dass die 300, 400 Euro weitaus besser in ein schönes Kleid, einen guten Friseur oder etwas Make-up investiert wären. Andere muss man bremsen: Die lassen zu viel machen. Dann kippt das Ganze irgendwann, und ein Gesicht sieht aus wie das andere. Es ist besser, sich treu zu bleiben und vielleicht auch mal die eine oder andere Falte zu akzeptieren.

Olga Lück, 54 Jahre, Kosmetikerin aus Hamburg: "Mit Kosmetik lässt sich viel erreichen, aber das nicht"

Gelegentlich lasse ich mir Hyaluronsäurefiller in die Nasolabialfalte und in die Lippen spritzen. Das erste Mal habe ich das vor zehn Jahren ausprobiert, als es noch kaum jemand in Deutschland gemacht hat. Damals war es größtenteils berufliche Neugierde - und eine echte Enttäuschung: Nach nur ein oder zwei Monaten war alles wieder weg, und ich habe es dann erst mal gelassen. Aber man wird ja allmählich älter, und nach ein paar Jahren wollte ich doch noch mal einen Versuch wagen. Diesmal war ich sehr zufrieden: Ich hatte einen tollen Arzt gefunden, und die Methode und die Füllsubstanzen haben sich in den Jahren definitiv weiterentwickelt. Mittlerweile gehe ich etwa alle sechs bis acht Monate hin. Ich könnte darauf nicht verzichten, es macht schon ein bisschen süchtig.

Denn mit Kosmetik lässt sich viel erreichen, aber eben nicht dieser Effekt. Klar tut das Spritzen der Filler in die Lippe auch weh, aber ich finde es aushaltbar. Ich muss auf die Behandlungen richtig sparen, die letzte habe ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt. Aber es ist mir wichtig: Wenn man morgens aufsteht, sieht man sofort okay aus. Ich habe keine Angst vorm Älterwerden, man kann es ja nicht aufhalten. Ich kann in meinem Job als Kosmetikerin aber auch nicht aussehen wie eine zerquetschte Pflaume! Dass viele Frauen nicht darüber reden, dass sie nachgeholfen haben, ist typisch deutsch. Ich komme aus der Ukraine, in Osteuropa haben die Frauen keine Probleme damit. Hier sind die Frauen reservierter, zurückhaltender, und sie sagen: Ich habe das nicht nötig. Aber ich denke, das wird sich bald ändern.

Anke Scheer, 31 Jahre, Sängerin und Sachbearbeiterin aus Hamburg: "Ich wurde auf meinen müden Blick angesprochen"

Zweimal habe ich eine Lidstraffung machen lassen, das erste Mal mit 23. Meine extremen Schlupflider hatten mich schon immer gestört: Man hat gar keinen Teil des Lides gesehen, sogar die Wimpern haben nach unten gezeigt. Ab und zu wurde ich auch drauf angesprochen, dass ich so einen müden Blick hätte. Ich hatte damals eine ältere Kollegin im Büro, die eine Lidstraffung hinter sich hatte, und sie war begeistert. Daraufhin bin ich zum selben Arzt wie sie gegangen, der hat nur 500 Euro für beide Lider genommen. Aber es ist leider auch nicht gut geworden - er war ein Augenarzt, kein plastischer Chirurg, und die ganze Prozedur wirkte so, als sei sie schnell mal zwischen zwei Termine geschoben worden. Das erste Auge hat er mit dem Laser gemacht, ich war nur lokal betäubt und habe mein verbranntes Fleisch gerochen, das fand ich ekelhaft.

Dann funktionierte der Laser irgendwie nicht mehr richtig, und er hat das andere Lid mit dem Skalpell geschnitten. Nach der OP sagte er allen Ernstes zu mir: "Das sieht ja ganz gut aus, das eine Auge ist sogar noch besser geworden als das andere." Und ich dachte: Na, das ist ja toll. Es sah okay aus, aber nicht so, wie ich es wollte. Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass sich gar nicht so viel verändert hat. Daher habe ich vor ein paar Monaten die OP noch mal machen lassen, diesmal im Dämmerschlaf bei einem plastischen Chirurgen. Nach dem Aufwachen hat es ganz schön gezwiebelt und sah übel aus, die Augenpartie war grün und blau. Aber ich bin jetzt sehr zufrieden: Der Blick ist offen und wach, ich kann mich richtig schminken. Meine Freunde wussten Bescheid. Klar ist es netter, wenn man sagen kann, Gott hat einen so gemacht, als wenn man zugeben muss, da war einer mit dem Messer dran.

Was Hautärzte machen - Jünger, straffer, praller: Dermatologen bieten heute diese Methoden an

Botox als Allroundmittel Botulinum Typ A heißt der Stoff offiziell, mit dem Mimikfalten lahmgelegt werden: Botox wird in den Muskel gespritzt und blockiert dort einen bestimmten Botenstoff. Das führt dazu, dass man den Muskel für eine gewisse Zeit (etwa drei bis sechs Monate) nicht mehr so stark bewegen kann. Ursprünglich kommt das Medikament aus der Neurologie - das Nervengift wird auch nach wie vor gegen Spasmen eingesetzt. Beim Dermatologen soll es die Gesichtsmimik schwächen. Beliebt vor allem in Asien: Botox in den Kaumuskel zu spritzen, um das Gesicht ein bisschen zu verschmälern - dies funktioniert deshalb, weil ein geschwächter Muskel ja auch etwas kleiner wird. Diese Methode bieten hierzulande allerdings nicht viele Ärzte an, da Botox in Mundnähe immer die Gefahr birgt, dass das Sprechen, Küssen und natürlich auch das Kauen beeinträchtigt werden. Häufig wird Botox auch gegen starkes Schwitzen unter den Achseln eingesetzt, da so die Schweißproduktion gehemmt werden kann. Und da Botulinum seit vergangenem Jahr offiziell als Migränemittel zugelassen ist, kann es auch gegen Kopfschmerzen in bestimmte Muskelpunkte im Kopf-Nacken-Bereich gespritzt werden.

Mikro-Needling

Haut, die verletzt wird, repariert der Körper selbst - neue, "frische" Haut entsteht: Dieses Prinzip machen sich mehrere Anti-Aging-Behandlungen zunutze, zum Beispiel medizinische Peelings. Ziemlich neu ist "Needling": Der Arzt trägt zuerst eine betäubende Salbe auf und rollt dann mit einer sterilen Walze, die ganz dicht mit bis zu 1,5 Millimeter langen und sehr feinen Nadeln besetzt ist, über das Gesicht. Dabei entstehen zahlreiche kleine Mikroverletzungen, die die Neubildung von Kollagen anregen. Die Haut ist nach der Behandlung für etwa zwei Tage stark gerötet, ein verbessertes Hautbild soll dann nach rund sechs Wochen erkennbar sein. Für einen nachhaltigeren Effekt wird empfohlen, die Behandlung zwei- bis dreimal im Abstand von sechs bis acht Wochen zu wiederholen. Eingesetzt wird das Mikro-Needling auch gegen Pigmentflecken und um die Sichtbarkeit von Aknenarben zu verringern. Roller, die explizit zur Heim-Anwendung verkauft werden, haben dagegen nur winzig kurze Nadeln, die lediglich sehr oberflächlich eindringen. Sie haben absolut nicht (und versprechen es auch nicht) den gleichen Effekt wie ein medizinisches Needling, sondern wirken eher wie ein piksendes Massagegerät.

Hautverjüngung und "Lifting" mit Hyaluronsäure

Hyaluronsäure - eine stark wasserbindende Substanz, die natürlicherweise auch in der Haut vorkommt - ist seit ein paar Jahren quasi das Wundermittel der Dermatologen: Als "Filler" spritzt man sie in einzelne Falten, um diese anzuheben und zu glätten. Eingefallene Wangenpartien werden mit größeren Mengen aufgefüllt, um dem Gesicht wieder jugendlichere Konturen zu geben, normale Lippen werden mit Hyaluronsäure zu Schmollmündern. Einige Frauen lassen sich den Stoff sogar unter die Fußsohlen spritzen, damit sie derart abgepolstert länger in Highheels gehen können. Der Vorteil von Hyaluronsäure ist, dass es kein körperfremder Stoff ist und deshalb auch auf natürliche Weise wieder abgebaut wird. Je nach Aufbereitung des Materials dauert das ca. drei bis 18 Monate. Trotzdem sind auch hier Nebenwirkungen möglich, der Filler kann sicht- oder tastbar sein oder Körnchen bilden. Eine weitere Nebenwirkung sind Schmerzen, blaue Flecken und Schwellungen, vor allem wenn große Areale im Gesicht unterspritzt wurden. Mittlerweile setzen einige Ärzte hierfür eine abgerundete Kanüle ein, die das Risiko von Hämatomen verringern soll, damit weniger Gewebe verletzt wird.

Eine so genannte "Feuchtigkeitsmaske von innen" oder, weniger blumig, "Hautverjüngung" wird ebenfalls mit Hyaluronsäure gemacht: Hier wird dünnflüssige Hyaluronsäure recht oberflächlich und großflächig im ganzen Gesicht (wahlweise auch Dekolleté und Hände) gespritzt. Tiefe Falten werden bei dieser Methode nicht aufgefüllt, aber aufgrund der wasserbindenden Eigenschaften der Hyaluronsäure erscheint die Haut hinterher praller und glatter. Für einen nachhaltigeren Effekt wird empfohlen, anfangs drei Säurebehandlungen alle zwei bis vier Wochen durchzuführen, danach muss die Prozedur (die ab circa 300 Euro kostet) dann alle sechs Monate wiederholt werden. Übrigens enthalten auch viele Kosmetika Hyaluronsäure. Laut einer klinischen Studie im Auftrag des Kosmetikherstellers Eucerin sollen sie die gewünschte, sichtbare Wirkung von Unterspritzungen intensivieren können (Studie mit der "Hyaluron-Filler"-Serie von Eucerin).

Gesichtsstraffung mit Thermage (Radiofrequenz)

Eine - in Deutschland bisher eher selten angewandte - Möglichkeit, das Gesicht zu straffen oder Hamsterbäckchen zu mildern, ist die so genannte Thermage: Hierbei werden die tieferen Schichten der Haut mit Radiowellen erhitzt, dadurch schrumpfen Bindegewebsstränge, Fettdepots werden fester umschlossen, zudem wird die eigene Kollagenproduktion angekurbelt. Die Behandlung ist allerdings recht unangenehm, teuer (ab etwa 1200 Euro) und hat auch nicht bei jeder Patientin den gewünschten Effekt - es besteht die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass man hinterher gar keine Veränderung im Spiegel sieht.

Weitere Informationen

Begeben Sie sich in gute Hände Alle hier vorgestellten Methoden sind medizinische Eingriffe, die von Ärztinnen/ Ärzten durchgeführt werden sollten. Vor allem beim Umgang mit Botox und Fillern braucht man Geschick und Erfahrung, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen - wählen Sie deshalb jemanden, der diese Prozeduren häufig ausführt. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie (DGBT) z. B. zertifiziert Ärzte, die firmenneutrale Kurse zu Botox- und Filler-Injektionen durchlaufen haben; Adressen unter www.dgbt.de/aerztelisten/aerztesuche

Alternative aus dem Cremetopf

Sich unters Messer bzw. unter die Spritze zu legen, ist nicht jedermanns Sache. Spezielle Filler-Produkte oder -Seren kombinieren heute oft Kurz- und LangzeitAnti-Aging-Effekte - auch wenn die Ergebnisse natürlich nicht mit denen von medizinischen Eingriffen vergleichbar sind. "Schlaue" Cremes enthalten zum Beispiel Wirkstoffe wie Hyaluronsäure oder Peptide; zusätzlich polstern einige mit mikrofeinen Füllstoffen Falten in Rekordzeit zumindest optisch etwas auf. Anti-Aging-Helfer mit Sofort-Effekt Z. B. "Regenerist Falten-Entspannungskomplex" mit Peptiden und optischen Mikro-Fillern von Olaz. "Top Secret Re-plumping Concentrate- Lip & Contour Shaper" für die Lippen mit glättenden Mikrosphären von Yves Saint Laurent. "Liftactiv Serum 10" mit Hyaluronsäure von Vichy. "Anti Age Hyaluron-Filler Serum-Konzentrat" mit zwei Hyaluronsäure-Arten und einem Wirkstoff, der die hauteigene Hyaluronsäure-Produktion anregen soll, von Eucerin.

Fotos: Jo Jankowski Produktion: Birgit Potzkai

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