Der beste Sonnenschutz für Kinder

Am Strand brauchen Kinder richtig guten Sonnenschutz, klar! Aber auf dem Schulhof oder im Kindergarten ist die ständige Cremerei doch überflüssig - oder?

Freitagmorgen in einem Kindergarten im Norden Hamburgs. Die Sonne scheint, und Dr. Helmut Piazena, Physiker an der Hautklinik der Charité Berlin, baut Computer und Mess-Instrumente auf. Er misst die gesamte UV-Strahlung, die an diesem Vormittag den Kindergarten treffen wird. Gleichzeitig machen Malou und Lasse, beide fünf Jahre alt, für ihn einen ganz besonderen Sonnen-Check. Dr. Piazena will es nämlich genau wissen: Wie viel UV-Strahlung erreicht die Kinder wirklich? Schließlich sind sie ständig in Bewegung, frühstücken zwischendurch im Gruppenraum, laufen raus und rein, verstecken sich im Schatten oder buddeln in der sonnigen Sandkiste tiefe Gräben.

Für eine möglichst genaue Messung der UV-Belastung tragen beide Testkinder deshalb Basecaps mit so genannten UV-Dosimetern, die die Sonnenstrahlen aus allen Winkeln einfangen und speichern. Die Kinder spielen den ganzen Vormittag draußen. Ab elf ziehen die ersten Wolken auf; um zwölf Uhr treffen sich alle drinnen zum Schlusskreis, und um halb eins kommen die Eltern zum Abholen. Malou und Lasse verabreden sich für den Nachmittag zum Schaukeln und Klettern. Der Wetterdienst sagt Regen voraus. Mittags gibt es bei Malou unterm Sonnenschirm Erdbeeren und Blaubeeren mit Milch. Lasse hat mit seiner Mutter drinnen gegessen und kommt um 15 Uhr zum Spielen. Der Himmel hat sich mittlerweile zugezogen, und um 16 Uhr fängt es an zu regnen. Die Dosimeter werden eingesammelt und ins Labor geschickt.

Sonnenschutz für Kinder

Eine Woche später sind die Messwerte da: Malou hat fast doppelt so viel Sonne abbekommen wie Lasse. Gemessen wird die Strahlenbelastung in MED (= Minimale Erythemdosis). Eine MED ist die UV-Menge, die einen Sonnenbrand auslöst. Malou kommt auf einen Wert von 1,7 MED - das heißt, ohne Sonnenschutz hätte sie selbst an diesem durchwachsenen Tag längst einen Sonnenbrand gehabt. Wie sähen die Werte aus, wenn der Himmel strahlend blau gewesen wäre? Dr. Piazena simuliert die Situation am Computer. Malou käme dann auf über neun, Lasse auf über fünf MED!

Warum der Aufwand? "Viele Eltern wissen genau, dass sie ihre Kinder am Strand gut schützen müssen - im Alltag sind sie aber unsicher", sagt Professor Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP) zur Früherkennung von Hautkrebs (ADP). Eine Studie des "National Cancer Institute" in Bethesda (Maryland) hat aber gerade gezeigt, was Dermatologen schon lange vermuten: Je länger man sich der direkten Sonne aussetzt, desto größer wird das Risiko, am aggressiven schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) zu erkranken. Und: Je früher die Haut durch zu viel UV-Strahlung geschädigt wird, desto eher kann das passieren - immer öfter sogar schon bei 20-Jährigen.

Bloß keinen Sonnenbrand!

Kommt es nämlich zur UV-Überdosis (und damit zum Sonnenbrand), können die natürlichen Reparaturmechanismen in der Haut geschwächt werden. Die Strahlen greifen Zellkerne und Erbsubstanz (DNA) an, Genfehler können auftreten - und Jahre später auch Hautkrebs. Besonders gefährdet sind Kinder unter sechs Jahren, unabhängig vom Hauttyp. Ihre Haut ist besonders dünn, und Sonnenstrahlen dringen ungehindert ein. Aber auch später, bis zur Pubertät, ist Kinderhaut immer noch viel empfindlicher als die von Erwachsenen. Deshalb unbedingt: Sonnenbrand vermeiden. Selbst eine leichte Rötung ist schon ein eindeutiges Zeichen für zu viel Sonne und einen möglichen Schaden.

Powerschutz im Hochsommer

An sonnigen Sommertagen ist die Strahlenbelastung zwischen 11 und 16 Uhr am intensivsten. Wie viel UV-Strahlung zu erwarten ist, lässt sich am so genannten UV-Index (UVI) ablesen. Der wird vom Deutschen Wetterdienst zusammen mit dem Bundesamt für Strahlenschutz ermittelt - anhand der Dicke der Ozonschicht, des Sonnenstandes, der Bewölkung, der Ortshöhe und der Reinheit der Luft. Der UVI kann unter www.bfs.de abgefragt werden. Kinder sollten ab UVI 2 (Sonnenbrandzeit etwa 30 Minuten) geschützt werden.

Kinder kriegen die volle Ladung

Kinder sind viel mehr draußen als Erwachsene, sie sind der Sonne deshalb intensiver ausgesetzt. Wissenschaftler haben berechnet, dass 18-Jährige bereits 80 Prozent der Strahlenmenge angesammelt haben, die man im Laufe eines ganzen Menschenlebens im Schnitt erreicht.

Für Schattenplätze sorgen

"Malou und Lasse hätten an einem unbewölkten Julitag in Hamburg beide schwere Sonnenbrände bekommen", zeigt Dr. Piazena anhand seiner Daten. "Sonnenschutz ist also auch bei uns sehr wichtig." Was kann man also tun? Schulen und Kindergärten sollten Schattenplätze einrichten - und das Sportfest muss ja auch nicht ausgerechnet mittags stattfinden, wenn die Sonne am höchsten steht. Über Sandkisten im Garten lassen sich einfach Sonnensegel spannen (z.B. von Jako-O) - notfalls tut es auch ein altes Betttuch. Beim Spielen sollten Kinder ein Käppi tragen, schulterfreie Turnhemden und Tops mit Spaghettiträgern sind leider nicht sonnentauglich. Alles, was rausguckt, muss eingecremt werden, am besten gleich morgens vor Schule oder Kindergarten. Im Freibad ideal sind UV-T-Shirts und -Anzüge, die ursprünglich aus Australien kommen, aber inzwischen auch bei uns hergestellt werden. Sie sehen cool aus, trocknen im Nu und reduzieren das lästige Eincremen auf Arme, Beine und Gesicht.

Brauchen Kinder spezielle Sonnencremes?

Im Prinzip nicht - aber sie sind besonders kinderfreundlich, und das Eincremen fällt leichter. Kindersonnencremes ziehen schnell ein, enthalten wenig oder gar keinen Duft und haben hohe Lichtschutzfilter. Spaß machen Kindern besonders Schäume und Sprays, die es sogar bunt gefärbt gibt. Man sieht, wo man schon gecremt hat, und nach dem Auftragen verschwindet die Farbe. Hautärzten sind Cremes ohne chemische Filter am liebsten, die allein mit Mikropigmenten schützen (auf der Verpackung steht "ohne chemische Filter" oder "nur mit mineralischen Filtern" bzw. "mit Mikropigmenten"): Sie reflektieren das Sonnenlicht wie ein Spiegel und werden auch von Kindern mit Problemhaut gut vertragen - zum Beispiel bei Neurodermitis. Die Cremes sollten dann allerdings kein Parfüm enthalten. Nachteil: Mikropigmentcremes lassen sich nicht ganz so gut verteilen wie leichte Lotions.

Text: Christa Möller

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