Naturkosmetik

Grüne Kosmetik

Noch nie war grüne Kosmetik so gefragt wie heute. Und noch nie war sie so gut. Wie Öko auf der Haut schick wurde und was Sie von den modernen Naturcremes erwarten dürfen.

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Wie kam die grüne Kosmetik nach Hollywood? Wer sind eigentlich die neuen Ökos? Und: Darf Bio glamourös sein? Über den Weg der Naturcremes vom Holzregal zum Edel-Counter.

Am besten, man beginnt bei Susan West Kurz. Jener sanft lächelnden Heilpflanzenzüchterin aus Massachusetts, die Ende der 90er die Geschäfte der deutschen Naturkosmetikfirma Dr. Hauschka in Amerika führte. Denn wer verstehen will, warum grüne Kosmetik bei uns so boomt und wieso selbst erklärte Öko-Muffel plötzlich nur noch 100 Prozent Natur an ihre Haut lassen wollen, der kommt an der cleveren Geschäftsfrau einfach nicht vorbei.

Es war zu der Zeit, als Bio-Lebensmittel in den USA schwer im Kommen waren. Bio-Supermärkte wie Whole Foods feierten überall Erfolge, aufgerüttelt durch Lebensmittelskandale wechselten immer mehr Leute zu Öko-Produkten. Auch grüne Kosmetik wurde gekauft, ihr Image war jedoch trotz aller Bio-Begeisterung alles andere als glamourös. Susan West Kurz hatte damals für die Vermarktung ihrer Produkte nur ein kleines Budget zur Verfügung. Aber zum Glück auch einen Schauspielerfreund mit Kontakten nach Hollywood. Über ihn schleuste sie die Cremes und Make-ups von der Schwäbischen Alb kurzerhand in die Schminkkoffer der Film-Visagisten. Das kostete fast nichts, die Wirkung aber war gewaltig: Als 2000 der Film „Erin Brockovich“ in die Kinos kam, passenderweise ein Öko-Krimi, wusste nach einem Interview mit Hauptdarstellerin Julia Roberts plötzlich alle Welt: Die Schauspielerin war mit Dr.-Hauschka-Make-up geschminkt worden und seitdem Fan der Marke. Obwohl sie sich beim Aussprechen des deutschen Namens fast die Zunge verknotete. Kollegen wie Brad Pitt und Cate Blanchett zogen nach, die Presse berichtete. Innerhalb weniger Monate hatte Dr. Hauschka Hollywood erobert. Und Bio auf der Haut war plötzlich gar nicht mehr bäh, sondern schick. „Für bestimmte Kunden war der Hollywood-Faktor sicher wichtig“, vermutet heute Christoph Spahn vom Marktforscher Biovista, der den Naturkosmetik- Trend der letzten Jahre beobachtet hat. Seit der Jahrtausendwende boomt die Branche in Europa mit jährlichen Wachstumsraten bis zu 20 Prozent – während der Markt für herkömmliche Kosmetik stagniert. Zum ersten Mal gab es 2007 bei der internationalen Messe für Bio-Produkte Biofach in Nürnberg sogar eine eigene Naturkosmetik-Messe, die Vivaness.

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  • Text: Kristina Marold
    Fotos: Sebastian Denz
    Produktion: Birgit Potzkai
    BRIGITTE Heft 06/2007