Naturkosmetik
Kosmetik mit Olivenöl

Das große Potential der Olive. Warum Kosmetik mit Olivenöl so wirksam ist und worauf es bei der Herstellung der Pflegeprodukte ankommt.

Olivenöl verfeinert nicht nur Salate und Suppen - es schützt die Haut mit Linolsäuren und Antioxidanzien vorm Austrocknen und freien Radikalen

Etwa einmal im Monat sitzt Salvador Alamar de Juan mit neun weiteren Herren in einem Konferenzsaal und nippt an blauen Gläsern. Mal mit mehr, mal mit weniger Freude. Freude ist beispielsweise: ein fruchtiger Geschmack mit Noten von grünem Apfel, Mandeln, frischem Gras, im Abgang leicht pikant-pfeffrig und die Erinnerung an das Aroma reifer Banane. Das, was momentan im Glas ist, ist allerdings seiner Meinung nach: metallisch, stichig, mit Nuance von feuchter Erde. Salvador Alamar tippt seine vernichtende Beurteilung in den elektronischen Bewertungsbogen, die anderen neun Verkoster werden nicht besser beurteilen, und damit ist dieses Olivenöl leider durchgefallen. Das heißt, es wird nicht das Herkunfts-Qualitätssiegel erhalten, was der "Consejo Regulador" der Stadt Baena - also der städtische Olivenöl-Kontrollrat - für besonders gute Öle aus der Region Córdoba vergibt.

In Andalusien ist Olivenöl eindeutig mehr als ein Lebensmittel: Es ist Lifestyle und vor allem Hauptwirtschaftsfaktor. Besonders in der bergigen Provinz Jaén sieht man Olivenbäume, so weit das Auge reicht, dicht an dicht an die Hügel geschmiegt, nur unterbrochen von Landstraßen. Spanien ist weltweit das Land, das am meisten Olivenöl produziert - "auch wenn viele Leute immer noch denken, das sei Italien. Dabei exportieren wir sogar einen Großteil unseres Öls dahin!", sagt Salvador Alamar, und dabei klingt er fast etwas betrübt.

Salvador Alamar, Jahrgang 1962, ist schon seit 28 Jahren im Ölgeschäft. Seine Großeltern besaßen eine eigene Olivenbaumplantage, mittlerweile ist er Chef der von ihm gegründeten Firma "Aceites Virgenes", die Olivenöl von andalusischen Plantagen Einsteckankauft und in die ganze Welt exportiert. Der Handel läuft gut: "Früher hat man Olivenöl im Ausland nur ab und an für Salate verwendet. Nun hat sich herumgesprochen, dass man noch viel mehr damit zubereiten kann. Und es wird nicht nur gegessen, sondern mittlerweile auch viel in der Kosmetik genutzt."

Einer seiner Abnehmer in Deutschland ist der Hamburger Konzern Beiersdorf, der pro Jahr rund sieben Tonnen Olivenöl in der "Olivenöl"-Serie der Marke Florena verarbeitet. Die Entwicklung ist recht neu: Obwohl schon Urgroßmutter und antike Griechen wussten, dass Olivenöl trockene Haut pflegt, spielten pflanzliche Öle in der kommerziellen Kosmetik lange Zeit keine besonders große Rolle. Das hat auch einen besonderen Grund: "Olivenöl ist zum Beispiel deutlich komplizierter zu verarbeiten als Silikon- oder Paraffinöle. Das Öl hat schließlich einen gewissen Eigengeruch und kann ranzig werden, wenn man das bei der Produktion nicht berücksichtigt", sagt Anette Bürger, Pharmazeutin in der Forschung bei Beiersdorf und dort zuständig für die Produktentwicklung bei Florena.

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  • Text: Sonja Niemann
    Fotos: Christian Kuhn
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 11/09
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