Mádara: Naturkosmetik aus Lettland

Naturkosmetik aus dem Norden liegt im Trend. Hier wachsen Pflanzen mit besonderen Kräften - und auf die setzen auch vier junge Frauen aus Lettland mit ihrer Marke Mádara.

Paula, Zane, Lotte und Liene sind blond, hübsch, fröhlich und eng befreundet. Ihre Nachnamen lassen sie gern weg, weil die so kompliziert sind. Sie sind alle um die dreißig und dabei, ihre eigene Erfolgsstory zu schreiben. Die von Mádara, einer Naturkosmetik-Marke, die sie 2006 in Lettlands Hauptstadt Riga gegründet haben. Lotte und Zane sitzen auf dem bunten Sofa, über dessen Stoff Hasen, Rehe und Eichhörnchen turnen. Das loftartige Büro von Mádara liegt am Rand von Riga. Blütenlampen und Topfpflanzen illustrieren die grüne Gesinnung der Bewohnerinnen. Kaum vorstellbar, dass diese hellen, minimalistisch möblierten Räume früher zu einer von den Russen erbauten Fabrik gehörten, die stacheldrahtumzäuntes militärisches Sperrgebiet war.

"Heute residieren in diesem Komplex lauter Kreative", sagt Lotte. In der baltischen Metropole, 2014 Kulturhauptstadt Europas, ist man stolz auf junge Unternehmen wie dieses. Und Mádara gehört zu den erfolgreichsten - bei einer Verbraucherbefragung in Lettland zu Popularität und Verlässlichkeit von 500 bekannten Marken erhielt die Firma absolute Spitzenwerte. "Sogar Dior lag hinter uns", sprudelt Lotte heraus. Heimvorteil. Denn neben den Branchengrößen ist Mádara eigentlich noch ein Zwerg, "aber aus der Nische sind wir raus", sagt sie. Acht Jahre nach der Gründung umfasst das Angebot rund 50 "Ecocert"-zertifizierte Naturkosmetik-Produkte mit Wirkstoffen aus ökologischem Anbau. Alle Rezepturen basieren auf überliefertem Wissen um die Heilkraft heimischer Pflanzen. Mit diesem Konzept waren die vier Frauen Trendsetter für eine ganze Reihe neuer Naturkosmetik-Marken nordischer Herkunft, die jetzt Furore machen.

Und Mádara hat längst auch den Sprung über die Grenzen geschafft: Die Marke wird in 25 Länder exportiert, vor allem nach Finnland, Schweden und Norwegen, nach Deutschland und sogar bis nach Korea, Japan und Hongkong. Im Büro stehen zwölf Preise von Beauty-Zeitschriften und Industrieverbänden, auch aus Malaysia und Japan, für Innovation, Design oder Rezepturen. Das Team ist auf 40 Mitarbeiter angewachsen. "Fast alles Frauen", sagt Lotte. "Die Männer bei uns können wir an zwei Händen abzählen", bestätigt Zane. Die beiden fangen lachend gleich damit an und kommen auf insgesamt acht. Frauen-Power eben: Die Unternehmerinnen haben neben dem Job auch Familien gegründet. Die Kinder sind zwischen acht Monaten und vier Jahren alt und werden in der Krippe oder bei Oma betreut. Flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit tun ihr Übriges, damit die vier ihren hektischen Alltag meistern können.

Naturkosmetik: Mádara: Naturkosmetik aus Lettland

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Ihre Erfolgsgeschichte begann, als sie knapp 20 waren, Paula sogar erst 18 und angehende Biologie-Studentin. Lotte arbeitete damals in einem Logistik-Unternehmen, Liene als Grafikerin und Zane im Marketing derselben Werbe-Agentur. Beruflich brachten sie so, ohne es zu ahnen, ganz individuelle Voraussetzungen mit, die sich heute in ihrer Firma perfekt ergänzen: Paula ist in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Mádara tätig. Liene kümmert sich um das Design, Zane erledigt das Marketing, und die umtriebige Lotte führt als Geschäftsführerin das Wort. Mádara entstand, weil alle vier zur Hautpflege nun mal am liebsten Naturkosmetika verwenden. Die war aber Mangelware in Lettland. Weshalb Lotte schon als junges Mädchen anfing, sich mit Hilfe von Rezepturen aus dem Internet Seife und Massage-Öle anzurühren. Sie versuchte, dafür Auszüge heimischer Pflanzen zu nutzen. "Das Klima in Lettland ist ziemlich rau. Die Winter sind lang, die Sommer kurz. Die Pflanzen haben sich darauf eingestellt und sind Überlebenskünstler. Statt großer saftiger Früchte, großer Blätter und Blüten haben wir hier kleine Beeren, wilde Heilkräuter und widerstandsfähige Bäume, die reich an Nährstoffen, Vitaminen und Antioxidanzien sind." Über deren Wirksamkeit hatte sich Lotte in Büchern informiert, die sie im Regal ihrer Eltern fand. Was sie für den Hausgebrauch zusammenmixte, beschrieb sie schließlich in ihrem Blog - und machte damit Zane neugierig.

Naturkosmetik: Mádara: Naturkosmetik aus Lettland

Die fragte an, ob sie eine Seife von Lotte kaufen könne. Zur Übergabe trafen sich die beiden Frauen und kamen im Gespräch zu dem Schluss, dass sie einfach selbst Naturkosmetika herstellen sollten, um diese Marktlücke zu schließen. Von richtiger Kosmetik - Lottes Versuche in allen Ehren - hatten sie allerdings keinen blassen Schimmer. Geschweige denn das Startkapital, um eine Firma zu gründen. Na und? Lotte animierte ihre kleine Schwester Paula zum Mitmachen. Sie entdeckten, dass die Autorin ihrer häuslichen Kräuterbücher eine Apothekerin war, die an der Universität in Riga Pharmakologie unterrichtete. Bei ihr stießen sie sofort auf Begeisterung, bekamen nicht nur wertvolle Ratschläge, sondern auch das Angebot, das Labor der Universität für die ersten Versuche zu nutzen. Unentgeltlich. Zane überzeugte nebenbei ihre Kollegin Liene, Design, Auftritt und Logo für eine neue Kosmetikmarke zu entwickeln. Fehlte nur noch der Name für das Unternehmen. Er sollte die Mission der Marke, Kosmetika mit Wirkstoffen aus heimischen Pflanzen herzustellen, widerspiegeln und international verständlich sein. Das Quartett einigte sich auf Mádara, das lettische Wort für Labkraut. Das wächst wild und in Mengen auf den Wiesen . Liene stilisierte das Kraut mit fragilem Stängel zum Firmen-Logo.

Nur mit einer Skizze davon und der Probe einer im Labor der Universität entwickelten Bodylotion sprachen Lotte und Zane bei der Leitung der Kosmetik-Abteilung von Stockmann vor, Äquivalent zum schicken KaDeWe in Berlin. "Wir waren ziemlich nervös", erinnern sich Lotte und Zane an diesen Termin, "aber vom Konzept überzeugt." Der Einkäuferin imponierte der beinahe fanatische Auftritt der beiden. Sie versprach, die ersten Produkte abzunehmen. Mit 5500 Euro aus einem Fonds der Europäischen Union für Existenzgründerinnen und ihren gesamten Ersparnissen entwickelten die Mádara-Frauen vier Bodylotions. Kurz vor Weihnachten 2006 waren sie im Nobelkaufhaus neben Marken wie Clarins oder L'Occitane zu haben - und im Nu ausverkauft. Eine Kapitalspritze, um weiterzumachen.

"Anfangs konnten wir immer nur so viel an Materialien einkaufen, wie wir Geld in der Kasse hatten", sagt Lotte. Sie gab als Erste ihren Job auf, um sich ganz Mádara zu widmen. Mit wachsendem Erfolg folgten auch die anderen. Die Marke wurde bekannter, das Sortiment größer, ein eigenes Labor konnte eingerichtet werden, dann eine moderne Fabrikation. Die ist klein, aber fein und läuft auf Hochtouren. "Bald müssen wir wohl eine neue bauen", sagt Lotte beim Rundgang durch die blitzsauberen Räume im Erdgeschoss. Im Labor wird mit neuen Ingredienzien getüftelt - immer Lettlands Flora im Visier: Roter Klee, Sanddorn, Ackerschachtelhalm und Frauenmantel gehören inzwischen zu den Wirkstoff-Lieferanten. Ihr organischer Anbau erfolgt bei Bauern vor Ort, die Lotte bei Reisen über Land für die Firmenidee begeistert hat.

Verkaufsschlager von Mádara ist die Anti-Aging-Serie. Auf die sind die Frauen stolz, weil darin die regenerierenden Wirkstoffe von Labkraut, der Firmentaufpatin Mádara, zum Einsatz kommen. Außerdem enthält die Rezeptur nicht das für Kosmetika übliche Wasser, sondern Birkensaft. Der hat in Lettland absoluten Kultstatus. Im Frühjahr werden die Bäume angezapft, eine klare Flüssigkeit tritt aus, die voller Vitamine, Enzyme und Proteine steckt. "Alle trinken sie zur Stärkung", erklärt Lotte. Liene, Paula, Zane und sie kräftigen damit die Rezepturen. Und den Erfolg der Marke. Der ist ihnen manchmal selbst nicht geheuer. "Es ist ein Wunder", sagt Zane. " Hätten wir wohl heute noch den Mut dazu?", fragt Lotte - und einmütig schütteln sie den Kopf.

Die Nordlichter der Kosmetik

Text: Angelika Ricard-Wolf BRIGITTE 09/2014

Kommentare (1)

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  • Anonymer User
    Anonymer User
    Die Kosmetik es bei Hilla-Naturkosmetik.de

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Mádara: Naturkosmetik aus Lettland

Naturkosmetik aus dem Norden liegt im Trend. Hier wachsen Pflanzen mit besonderen Kräften - und auf die setzen auch vier junge Frauen aus Lettland mit ihrer Marke Mádara.

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