Bangkok: Meditieren im Kloster

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“Lifting, moving, dropping, heben, bewegen, senken” – erklärt der orange gekleidete Mönch milde lächelnd. Er entschuldigt sich erstmal für sein schlechtes Englisch und versucht uns dann in die Geheimnisse der buddhistischen Meditation einzuführen. Wir, das sind 12 Besucher aus 7 Ländern von Brasilien bis Japan, zwischen 20 und 70 Jahren, die in einem kargen, gefliesten Raum mit hartem Teppichboden in einer Reihe stehen.

5 Schritte nach vorn, dann ist die gegenüberliegende Wand erreicht. 10 Meter wären für die Gehmeditation ideal, aber so viel Platz ist nicht da, es geht zum Lernen auch so. Das Wichtigste ist ohnehin die Achtsamkeit, die Konzentration auf das, was wir jetzt in diesem Augenblick tun, erfahren wir. Es beginnt mit dem bewussten Stehen: Standing, standing, standing. Dann der erste Schritt mit rechts, schön langsam: den Fuß bewusst anheben, nach vorne schieben und danach absetzen, in 3 einzelnen Steps. Nun der linke Fuß, left lifing, moving, dropping. Bis zur Wand, der letzte Schritt ist kleiner, damit man parallel steht, dann wieder: Standing, standing, standing und anschließend langsam drehen, in 60 Grad-Winkeln. Turning, turning, turning. Und wieder von vorn. Der Blick ist gesenkt, ich seh trotzdem, dass Bente neben mir ziemlich am Wackeln ist, man glaubt ja gar nicht, wie schwer gehen sein kann. Insgesamt 20 Minuten lang gehen wir auf und ab, der Ventilator brummt, jeder ist zunehmemd mehr mit sich selbst beschäftigt.

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Idealerweise folgt dann eine Meditation im Sitzen: aufrecht sitzen, Beine verschränken. Freddy aus Chicago kann das nicht, er darf sich auf einen Stuhl setzen. Wer will, kann erstmal eine Hand auf den Bauch legen, um den Atem zu spüren: raising beim Einatmen und falling beim Ausatmen, heben und fallenlassen. Aber den Atem dabei nicht steuern, sondern ihm folgen. Die Handhaltung ist nicht so wichtig, unser Mönch hält die Hände lieber nach oben geöffnet, weil ihm dann nicht so warm ist. Jeder so, wie er kann. Nur bei einer Sache ist er streng: wir sollen die Meditation aushalten. Die Position nicht verändern. Wenn es beginnt weh zu tun, den Schmerz wahrnehmen und denken: Pain, pain, pain… Der Schmerz macht eine Kurve, er steigt an, hält sich und fällt dann wieder ab. 20 Minuten, meint er augenzwinkernd, könnten auch wir gut aushalten, ohne Schaden zu nehmen – er meditiert so bis zu 5 Stunden.

Genauso mit den Gedanken umgehen oder wenn es juckt oder ein Hund bellt. Das, was am meisten stört, wahrnehmen und in Gedanken sagen: hören, hören, hören, denken, denken, denken…dann wieder zum Atem zurückkommen. Heben und senken, raising, falling. Zwischendurch können wir Fragen stellen, er erklärt geduldig und übt mit uns, drei Stunden lang. Wer mehr will, kann täglich kommen oder sogar im Kloster wohnen. Dann braucht man weiße Kleidung, die man im Kloster aber auch leihen kann. Beim Rauskommen ist es ein bisschen so wie nach einer Diät, wenn man plötzlich Lebensmittel wieder viel intensiver schmeckt: das Vogelgezwitscher im Kloster, das warme Licht der Nachmittagssonne, die Farben, so eine tiefe innere Ruhe und Zufriedenheit, fühlt sich gut an!
Die Einführung findet täglich statt um 7, 13 und 18 Uhr, einfach hingehen und mitmachen (keine kurzen Hosen oder Miniröcke, T-Shirt, das die Schultern bedeckt).
Wat Mahadhatu, Section 5, Maharaj Road, Phranakorn, Bangkok 10200. Die Einführung kostet nichts, es wird aber um eine Spende fürs Kloster gebeten.

Mehr Infos unter www.centermeditation.org

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