Das umstrittene Girl aus “Girls”

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Heute Abend läuft eine weitere Folge “Girls”. Leider auf dem Pay-Sender Glitz. Aber, wer das hat: Einschalten! Sonst: erste Staffel auf Amazon bestellen!

Ja, ja, ich bin leicht anzufixen, was Serien angeht. Aber “Girls” ist im Gegensatz zu meinem letzten Seriengeständnis an dieser Stelle (“Hart of Dixie”) nun wirklich, mit Verlaub, “geiler Scheiß”. Ohne Zuckerguss, reale New Yorker Geschichten von vier intelligenten Mädels, die das Leben mehr oder weniger gut meistern. Meine liebe Stylenotes-Kollegin Julia bloggte darüber bereits vor längerem – was ihr hier nachlesen könnt. Hannah, das Haupt-Girl, gespielt von Lena Dunham, ist so angenehm unperfekt, dass es erst gut tut und dann sogar fast weh tut. Denn das Unperfekte wird gnadenlos gezeigt: Cellulite, schlechter Sex und schmuddelige Wohnungen. Wehtun, weil man es einfach nicht mehr gewöhnt ist von amerikanischen Produktionen. Man hat sich an die glattgebügelte, verzuckergusste, perfekte kaschierte Optik so gewöhnt, dass man fast empört ist über Echtes. Um sich dann zu erschrecken über sich selbst.

Genau das passierte in den USA mit Shooting Star Lena Dunham. Dunham wurde von einer nicht gerade kleinen Gruppe angefeindet, dass sie ihren Megaerfolg nicht verdient hätte, weil sie aus gutem Hause käme, ihr alles in den Schoß gefallen sei und weil sie – und das ist das Schlimmste für diese Kritiker – überhaupt nicht den ästhetischen Anforderungen eines Erfolgsformats in den USA entspräche. Lena Dunham zeigt ihre Cellulite und ihre eher mollige Figur nämlich nicht nur in der Serie, sondern auch auf den roten Teppichen von perfect Hollywood. Welch Affront alle, die sich täglich mühen, den perfekten Ansprüchen gerecht zu werden.

Unser Titel zeigt Lena Dunham auf dem Coverbild der i-D. Im Heft ist ein lässiges Shooting, das Lena in Lippenbluse und kurzem Röckchen zeigt, mit ihren wunderbar unperfekten Beinen. Sehr sympathisch. Ich schätze, dass Dunhams Verächter schlicht neidisch sind. Mit gerade mal 26 eine Erfolgsserie für HBO zu schreiben, die Hauptrolle zu spielen und dann auch einen Preis (Emmy) einzuheimsen, ist schon großes Tennis. Wenn sie es schafft, nebenbei einen Paradigmenwechsel in Sachen Frauenbild einzuleiten, verleihe ich ihr auch einen Preis. Meine persönliche Emma-Gedenk-Trophäe.

 

Credit: I-D Magazine/Todd Cole

 

 

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1 Kommentar
antonia
6. Dezember 2012

Ich hab die erste Staffel ‘Girls’ auch mit Begeisterung verschlungen und fand die sehr gemischten Reaktionen darauf interessant. Einerseits wird die Serie in den Medien und von Zuschauerinnen häufig als feministisch dargestellt, andere kritisieren sie als nicht feministisch genug, oder (zu Recht) daß mal wieder alle Darsteller Kaukasier sind.
Tatsächlich wird eigentlich überhaupt kein spezieller sozialpolitischer Standpunkt rübergebracht, sondern eben ein amüsantes und gnadenloses Porträt junger Frauen in einer Großstadt, die versuchen, sich in der ersten Zeit nach der Uni durchzuschlagen. Klar, alle scheinen aus wohlhabenden Familien zu kommen, und alle streben nach kreativen Karrieren – genau wie Lena Dunham selber damals – aber verglichen mit den oft absurden und praktisch immer ‘beneidenswerten’ Berufen/Garderoben/Frisuren der meisten dramatisierten Frauen im US-Fernsehen scheint diese Kritik eigentlich lächerlich.
Nur weil sie es wagt, endlich mal das normale Leben normaler junger Frauen, inklusive dessen weniger gesendeten Themen und Aspekten, etwas ungeschminkt(er) zu präsentieren, werden ihr gleich Etiketts verpaßt, Pflichten aufgebürdet und Vorwürfe gemacht – anstelle daß sich Frauen fragen, warum sie seit Jahren den ganzen anderen lahmen künstlichen Quatsch hinnehmen, bzw sogar freiwillig anschauen.
Und daß Lenas Körperform weiterhin im Guten wie im Schlechten ein ‘wichtiges’ Thema bleibt und im Lichte ihrer Leistungen nie einfach nur nebensächlich ist, finde ich für uns alle Frauen ein sehr trauriges Zeichen.

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