Die “Fair Wear”-Formel

3
fair-wear-foundation-video

Was passiert eigentlich, bis eine Jeans oder ein T-Shirt bei uns im Kleiderschrank landet? Bei Milch, Äpfeln oder Fleisch legen wir ja inzwischen immer mehr Wert darauf zu wissen, wo die Sachen herkommen. Bei Klamotten ist das meistens anders. Ich jedenfalls könnte euch nicht sagen, wo genau die Hose oder der Pullover, die ich heute anhabe, produziert wurden – und unter welchen Bedingungen. Und das sind keine 6,99-Euro-Schnäppchen, sondern Sachen, für die ich einen anständigen Preis bezahlt habe. Trotzdem hab ich keine Ahnung, ob die Näherinnen fair bezahlt wurden, ob es in der Fabrik einen ordentlichen Fluchtweg gibt, welche Chemikalien bei der Herstellung zum Einsatz kommen und so weiter.

Am Mittwoch war ich auf einem äußerst spannenden Workshop von hessnatur, der sich mit genau diesem Thema auseinandergesetzt hat. Es ging um Sozialstandards in der Bekleidungsindustrie. Nach mehreren Stunden Vorträgen und Diskussionen mit Rolf Heimann (Leiter Corporate Responsibility bei hessnatur), Martin Curley von der Non-Profit-Organisation Fair Wear Foundation und Dr. Bettina Musiolek von der Clean Clothes Campaign war mir auf jeden Fall wieder klar, warum dieses Thema so komplex und teilweise auch schwierig zu vermitteln ist. Mode ist ein globales Geschäft mit einer ziemlich langen Supply-Chain, auf der ziemlich viel falsch laufen kann. Dieser Film der Fair Wear Foundation bringt das in sieben Minuten auf den Punkt (leider nur auf Englisch, demnächst soll’s ihn auch auf Deutsch geben):

Wenn euch das Thema interessiert: Hier findet ihr eine Shopping-Liste mit allen in Deutschland erhältlichen Marken, die Mitglied der Fair Wear Foundation sind. Dazu zählen neben hessnatur zum Beispiel Acne und Filippa K, Gaastra und Schöffel – aber auch der Discounter Takko. Merkwürdig, wenn man solche Meldungen im Kopf hat.

Martin Curley von der Fair Wear Foundation erklärt das so: “Wichtig ist es, dass Unternehmen bereit sind, ihre Supply Chain zu verbessern – nicht, dass sie schon perfekt ist, wenn sie in die Foundation aufgenommen werden.” Will sagen: Auch bei den Firmen, die ihr in der Shopping-Liste findet, läuft nicht immer alles rund, aber man ist sich der Probleme bewusst und will etwas ändern. Darauf kamen wir bei dem Workshop immer wieder zurück: das Erreichen fairer Arbeitsbedingungen in der Textilbranche ist ein Prozess, der langwierig und komplex ist. Umso wichtiger, dass man darüber sprich. Oder sich einfach mal fragt, woher seine Klamotten eigentlich kommen.

Schlagwörter: , , ,

Diesen Artikel teilen

2 Kommentare
Saskia
4. September 2013

Den Film der Fair Wear Foundation gibt es jetzt auch auf Deutsch!
http://www.youtube.com/watch?v=KPJ_Vo9iCeQ

Florian
7. Mai 2013

Grundsätzlich gilt ja im Leben immer die Frage nach den Alternativen. Aktuell denke ich, dass der Bekleidungsindustrie kaum etwas Besseres passieren kann als ein wachsendes Engagement der Fair Wear Foundation. Obwohl noch nicht alles perfekt ist wie Sie ja beschreiben, gibt es meines Wissens nach keine bessere Alternative. Wenn man also die Wahl hat ob fair wear oder nicht, dann lieber fair wear, weil man eine Entwicklung unterstützt, die langfristig zu vielen Verbesserungen beitragen kann.

Netiquette: Bitte hinterlasst beim Kommentieren Euren Namen und eine gültige Email-Adresse. Auch unsere Kontaktdaten sind öffentlich. Eure Email-Adresse wird nicht auf StyleNotes veröffentlicht. Kommentare sollten sich auf das jeweilige Thema des Eintrags beziehen. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne thematischen Bezug zu löschen. Natürlich könnt Ihr uns auch einfach direkt eine Email schreiben.