Die Gründerinnen der Kleider-Bibliothek “Kleiderei” im Interview

Könnt ihr euch vorstellen, Kleidung auszuleihen wie Bücher? Vielleicht für die nächste Fete am Wochenende? Für einen Kleckerbetrag? Ihr müsst die Sachen nur wieder ordentlich und sauber zurückbringen. Wir geben zu, das klingt zunächst komisch. Aber möglich ist es – nach Malmö nun auch in Hamburg. Julia beschäftigte sich bereits im Frühjahr mit dem noch jungen Phänomen “Mode-Bibliothek” und traf Michael Schragge, Experte für Nachhaltigkeit und Gründer der “Sustainable Fashion Academy” zum Interview (nachzulesen in der BRIGITTE Heft 18). Er plädierte für ein Umdenken bezüglich unseres Konsumverhaltens, dafür, weniger zu kaufen und stattdessen “Mode-Erfahrungen zu abonnieren”. Dass diese Idee so schnell in unserer Heimatstadt Hamburg möglich werden würde, hätten wir ehrlich gesagt nicht gedacht. Pola Fendel und Thekla Wilkening realisieren den innovativen Kunsumgedanken nun mit ihrer Pop-up Kleider-Bibliothek “Kleiderei” ab dem 1. November auf St. Pauli. Ich traf die beiden Studentinnen in ihrem liebevoll eingerichteten Laden zum Interview:
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Kleider-Bücherei zu eröffnen?
Pola Fendel: Die klassische Situation “Oh nein, ich habe nichts zum anziehen” kennt vermutlich jeder. Meist rennt man dann kurzfristig und kopflos in die Stadt, um sich irgendetwas unüberlegt zu ershoppen. Diese Teile landen dann gerne in der hintersten Schrankecke oder auf dem nächsten Flohmarkt. Wir dachten uns, dass es genau für diese Momente praktisch wäre, wenn es einen Laden gäbe, in dem man sich etwas leihen kann und es nicht gleich kaufen muss.
Thekla Wilkening: Dabei haben wir in der “Kleiderei” natürlich nicht nur “Party-Mode”, sondern auch viele Sachen für den Alltag. Bei uns kann man außergewöhnliche Teile und auch Stile ausprobieren, vor denen man sonst vielleicht zurückschrecken würde.

Eine Kleider-Bibliothek ist im Grunde genommen der komplette Gegen-Entwurf zum weitverbreiteten Konsum-Verhalten: ich möchte ganz viel Klamotten für möglichst wenig Geld. Wieviel Konsumkritik steckt in eurem Projekt?
Pola: Es ist offensichtlich, dass die Teile, die hier hängen, nicht mehr verkäuflich sind und der Konsumgedanke durch das “Leihen” fast komplett verloren geht. Eigentlich ist es eine Fortentwicklung des Second-Hand Gedankens, der in den 70ern losgetreten wurde. Dass man gebrauchte Dinge nicht nur tragen und kaufen, sondern eben leihen bzw. tauschen kann. Die Idee eines gemeinsamen Fundus’, den man gemeinschaftlich teilt.
Aber baut man nicht auch eine Beziehung zu einem Kleidungsstück auf, gerade wenn man es zu besonderen Momenten trägt – so, dass man es nicht mehr weggeben möchte?
Thekla: Klar kennen wir das. Wobei ich denke, dass dieses Phänomen nicht immer zwangsläufig mit dem Besitz-Wunsch verknüpft ist. Es kann auch der Pulli sein, den man sich vom Freund geliehen hat. In dem man sich besonders wohl fühlt – den muss man aber auch irgendwann zurückbringen. Ich glaube, jeder kann das trennen bzw. sich mental darauf einstellen, dass die Sachen, die bei uns mitgenommen, eben auch wieder abgegeben werden müssen.
Pola: Wir sagen auch nicht: “Kaufen ist komplett scheiße”. Wir erhoffen uns eher, die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Einmal, weniger zu kaufen und einmal, besondere Designer-Teile auszuprobieren, an die man sich sonst vielleicht nicht traut – um auf den Geschmack zu kommen und künftig lieber weniger, dafür qualitativ hochwertigere Mode zu kaufen.

Welche Designer führt ihr in der Kleiderei?
Thekla: Momentan haben wir Kollektionsteile von Musswessels, Zealous und Indochine Mermaid. Zukünftig sollen noch weitere Designer dazu komen!
Und wo stammen die restlichen Kleidungsstücke her?
Pola: Wir haben viele Vintage-Teile, die teilweise aus unseren eigenen Kleiderschränken, oder eben von Flohmärkten stammen. Einige Kleidungsstücke haben wir selbstgenäht. Langfristig wollen wir möglichst viele Stile und auch Accessoires hier anbieten. Der Großteil des eingenommenen Geldes wird von uns in den Fundus reinvestiert.
Könnte ich denn auch Kleidung aus meinem Schrank bei euch vorbeibringen?
Thekla: Sehr, sehr gern! Wir nehmen allerdings nichts auf Kommission an, sondern betrachten das als Spende. Über gut erhaltene Vintage-Stücke oder generell besondere Kleidungsstücke freuen wir uns jederzeit.

Wie genau funktioniert das Ausleihen in der Kleiderei?
Thekla: Man kauft sich jeden Monat eine Monatskarte für 14 Euro. Dafür kann man sich pro Woche maximal zwei Teile ausleihen, die dann innerhalb von sieben Tagen gereinigt zurückgebracht bzw. wieder neu getauscht werden müssen. Wenn mal eine Naht auf- oder ein Knopf abgeht, reparieren wir das.
Habt ihr bei den “Party-Klamotten” nicht die Befürchtung, dass die Sachen mit Brandlöchern und komplett zerschlissen wieder zurückgegeben werden?
Pola: Da unser Motto “Leihen wie bei einer Freundin” ist, vertrauen wir auf unsere Kunden, dass sie die Sachen vorsichtig behandeln.
Könnte man Sachen auch kaufen, in die man sich verliebt hat?
Pola: Nein, denn wir wollen die Menschen ja schließlich ein Stück weit “umerziehen”!
Vielen Dank für das Interview!
Kleiderei, Hamburger Hochstraße 24, Öffnungszeiten: Mo – Mi: 17 – 20 Uhr, Do – Fr: 19 – 21 Uhr, Sa: 15 – 20 Uhr
Schlagwörter: Go Green, Hamburg, Kleider-Bibliothek, Kleiderei















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@Gisela Hotlhus: Leider können wir Ihnen nicht weiterhelfen, da StyleNotes ein Weblog und kein Online-Shop ist. Falls Sie sich auf die Kleiderei beziehen – die gibt es nur stationär in Hamburg, ebenfalls ohne Webshop. Herzliche Grüße!