Estelle: "High Heels sind gut für meine Psyche"

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Estelle

Estelle - genau, das ist die stets umwerfend gewandete Sängerin aus London, die einst Kanye West in American Boy um den Finger wickelte. Kürzlich ist ihr neues, sechstes Album "All of Me" erschienen, im Moment tourt sie durch die Welt. Vor ihrem Konzert in Hamburg habe ich Estelle zum Interview getroffen. Warum sie 1000 Paar Schuhe hat, wo sie ihre Vintage-Teile shoppt und was sie aus einer gescheiterten Beziehung gelernt hat, lest ihr hier.

Cooler Overall – wo haben Sie den denn her?

Der ist Vintage Jean Paul Gautier. Ich liebe Vintage.

Oh, verraten Sie uns ein paar Shopping-Tipps?
Ich wohne seit fünf Jahren in New York. Mein Favorit dort ist Resurrection. Und in der Lower Eastside gibt es viele schräge Secondhand-Shops. Wenn ich zu Hause in London bin, gehe ich auf den Portobello Market. Und in LA gibts einen tollen Laden namens Catwalk.

Ihre Stilikonen?
Ich liebe die Designerin Diane von Furstenberg. Und es gibt da diese Bloggerin, die immer alles richtig macht: Karlas Closet. Unfassbar, wie sie sich anzieht. Sie hat übrigens auch einen Vintage-Onlineshop. Außerdem inspirieren mich Grace Jones, Bianca Jagger und Iman.

Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?
Ich glaube, Londoner Stil ist sehr eklektisch, wir legen uns nicht zu sehr auf eine Richtung fest. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich nicht im Überfluss aufgewachsen bin. Irgendwann fing ich an, mit Mode zu experimentieren. Ich folge keinen Trends. Nehmen Sie zum Beispiel Jacken und Tops mit Schößchen, die sieht man momentan überall. Ich habe sie schon vor vier Jahren getragen, weil sie mir gefallen haben.


Sie haben sieben Geschwister. Wie war das früher bei Ihnen, mussten Sie die Kleider Ihrer Schwestern auftragen?

Ich bin zum Glück das älteste Mädchen. Aber ich habe oft die alten Sachen meiner Brüder getragen, habe Jeans umgekrempelt und Jacken abgeändert. Man muss erfinderisch sein, in der Mode und im Leben.

Ihre Mutter kommt aus dem Senegal, ihr Vater aus Grenada. Wie hat Sie das modisch beeinflusst?

Die westafrikanische Kultur meine Mutter war immer wichtig für mich. Sie gibt mir oft Stoffe, aus denen ich mir dann Röcke, Tops oder einen Turban mache. Man wickelt sie sich einfach um, fertig. Das ist toll.

In den Danksagungen auf Ihrer neuen CD geht es auch um Schuhe. Eine besondere Beziehung?
Oh ja, meine große Liebe. Ich habe mehr als 1000 Paar. Ich weiß schon, was Sie jetzt denken. Aber mal ehrlich: Ich nehme keine Drogen, ich trinke kaum. Man braucht doch irgendeine Sucht. Meine sind eben Schuhe.

High Heels oder Sneakers?
Früher Sneakers, jetzt High Heels. Ich kann sie immer tragen, im Bett oder auf der Straße, für einen Mann oder einfach, um mich morgens schön zu fühlen. Sie sind gut für meine Psyche.

Ihr neues Album heißt "All of Me". Das klingt sehr persönlich - hat es deswegen vier Jahre gedauert, es aufzunehmen?
Während ich das Album schrieb, sind ziemlich viele Dinge in meinem Leben passiert. Ich war mit einem Amerikaner zusammen, wir waren permanent unterwegs. Dabei habe ich versucht, Songs zu schreiben, aber mir fehlte der rote Faden. Ich habe drei Jahre gebraucht, dann hat alles irgendwie Sinn ergeben. Wir haben uns getrennt und ich bin mir über einiges klar geworden: Liebe, Männer, mich selbst, Kinder. Ich bin daran gewachsen. Daraus ist mein Album entstanden.

Was haben Sie durch diese Krise gelernt?

Ich lasse es nicht mehr zu, dass andere mich schlecht behandeln. Einige Menschen in meinem Leben dachten, sie könnten mir Vorwürfe machen, weil ich erfolgreich bin und meinen Weg gehe - und sie nicht. Es war ein hartes Stück Arbeit, zu erkennen, dass ich diese Leute nicht brauche.

In den Danksagungen schreiben Sie auch, dass Ihr Leben in den letzten Jahren sehr unbeständig war.
Wie soll es auch beständig sein, wenn man drei Jahre lang quasi im Flugzeug lebt? Es war eine schwierige Zeit. Meine Freunde waren zu Hause und zogen ihre Kinder groß und ich war dabei, den Kontakt zur Realität zu verlieren. Ich bin sehr dankbar für diejenigen, die micht trotz meines Dauer-Jetlags, meiner Müdigkeit und meiner Gereiztheit ausgehalten haben.

Jetzt sind Sie wieder auf Tour. Wie schaffen Sie es, auf dem Boden zu bleiben?
Mit Yoga. Egal, wo wir ankommen, ich packe meine Yogamatte aus und mache meinen Übungen. Das erdet mich.


Wer jetzt Lust hat, in das neue Album von Estelle reinzuhören, dem empfehle ich das Video zu Thank You.

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