Go Green: Fashion Recycling von Schmidttakahashi

Eugenie Schmidt (rechts) und Mariko Takahashi habe ich im Green Showroom im Hotel Adlon getroffen. Fast flüsternd haben sie mir die neue Frühjahr-/Sommerkollektion 2013 ihres Labels Schmidttakahashi erklärt. Dabei ist ihre Idee so gut, dass sie sie laut in die Welt herausschreien müssten. Sie sammeln alte Klamotten, die niemand mehr haben will, und schneidern daraus neue Teile, die sehr cool und sehr nach Berlin aussehen. “Upcyling” nennt man diesen nachhaltigen Trend, auch wenn die beiden das Wort nicht so mögen, es klingt ihnen zu negativ.
Entstanden ist ihr Label aus einer gemeinsamen Diplomarbeit namens “Reanimation – Wiederbelebungsmassnahmen” an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, dort haben sie Mode- beziehungsweise Textil-und Flächen-Design studiert. Inzwischen gibt es regelmäßig neue Kollektionen, die man unter anderem bei Elemental kaufen kann.
Der Prozess, der hinter ihrer Mode steckt, ist so ausgeklügelt und liebevoll wie bei einem Kunstprojekt. An verschiedenen Orten stellen Schmidttakahashi Container auf, um gebrauchte Kleidung zu sammeln. Wer ein Kleidungsstück spendet, bekommt eine ID-Nummer, mit der man den weiteren Verbleib des Teils online verfolgen kann. Die beiden Designerinnen archivieren alle Teile und lassen sie reinigen, um sie dann im nächsten Schritt auseinander zu schneiden und zu neuen Kleidungsstücken zu kombinieren. So entstehen aus alten Blusen und T-Shirts Kleider oder aus dem Innenstoff von Sakkos Umhängetaschen. Jedes neue Kollektionsteil wird mit einer ID-Nummer und einem QR-Code versehen, so dass man auch als Kunde nachvollziehen kann, aus welchen gebrauchten Kleidungsstücken es entstanden ist. Sie werden als “Parents” des Teils auf der Website angezeigt, andere Stücke, die aus den gleichen alten Kleidern entstanden, sind als “Brothers and Sisters” zu finden. Mode ist hier ganz weit weg vom schnelllebigen Konsumprodukt, es geht um Beziehungen und Geschichten – und vermutlich auch um die Mode der Zukunft.

Neben diesen Unikaten gibt es auch eine zweite Linie namens “Duplikat”. Dafür werden Modelle aus der Unikat-Kollektion in limitierter Auflage aus neuen Stoffen hergestellt, mindestens ein Stück von gebrauchter Kleidung aus dem Schmidttakahasi-Archiv ist aber auch in diesen Duplikat-Teilen verarbeitet.
Schlagwörter: Fashion Week Berlin, Go Green, Green Showroom, Schmidttakahashi
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