Streng geheim! Die 22700 Schätze des Mode-Depots Wien

Ich darf euch nicht sagen, wo es ist. Und gleich zu Beginn muss ich euch sagen, dass es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Folgendes kann ich euch sagen: 22700 Kleidungsstücke und Accessoires (von der Abendrobe über das Onduliereisen bis zur Halskette) aus dreieinhalb Jahrhunderten werden hier im Mode-Depot irgendwo in Wien gesammelt, restauriert, kategorisiert und gelagert. Ich durfte gestern einen Blick in dieses mit viel Liebe und nochmehr Fachwissen geführte Mode-Archiv werfen.

Auf zwei Ebenen lagern, wohl temperiert und fast steril (weiße Schutzpuschen und Handschuhe sind Plicht!), in diversen Schubladen und Schränken die Schätze der Bekleidungsgeschichte von circa 1750 bis heute. Das meiste stamme aus privaten Haushalten, seien Spenden an das Museum. Doch das ist nicht nur an den opulenten Abendroben interessiert, sondern vor allem an Alltagskleidung. Sie reflektiere, so erklärt man uns, viel besser das tatsächliche Leben und die Funktion der Mode darin. Und sei wesentlich schwerer zu bekommen. Denn meist seien es die reichen Familien, in deren Besitz noch alte Kleider oder Schmuck seien, während der “normale” Bürger kaum Kleidung aufgehoben habe. Dass das Depot so ganz und gar nicht zugänglich ist, stimmt nicht ganz. Manchmal kämen Designstudenten der Wiener Universität her, um im Archiv nach Inspirationen zu suchen, die müssten sich aber vorher anmelden und einen Termin vereinbaren. Es muss ja schließlich alles seine Ordnung haben! Was den Damen tatsächlich Kopfzerbrechen bereitet, ist die Konservierung der Mode. Und die bestmögliche Lagerung. So werden Kaschmirschals aus dem 19. Jahrhundert auf Pappe gerollt (würden sie gefalten gelagert werden, könnten sie an der Falz zerbrechen), Sonnenschirme liegen auf Styropor im Zick-Zack-Muster – alles Methoden, die die drei Mitarbeiterinnen des Depots in den letzten Jahren gemeinsam entwickelt haben. “Präventive Konservierung” nennen sie das. Auch einige Kleider liegen in den Schubladen. Vor allem die sehr schweren Charlston-Kleider aus den 1920ern, die mit ihren vielen Pailletten zu schwer seien und, würden sie auf einem Bügel hängen, auf Dauer die Träger wegen des großen Gewichts reißen könnten, müssten im Liegen gelagert werden. Manche Stücke sind sogar schon so alt und empfindlich, dass sie kaum aus der Schublade genommen werden können, sonst würden die kleinen Perlen einfach abfallen. Aber ich zeige euch am besten mal ein paar Bilder. Strumpfbänder aus dem 19. Jahrhundert liegen neben dem schwarzen Palmers-Modell:
Noch mehr Strumpfbänder, mit denen damals tatsächlich die Strümpfe am Oberschenkel festgehalten wurden, so etwas wie Strapse gab es nämlich noch nicht.
Das hier sind Sonnenschirme aus den 1920ern:

Kleine handbestickte Beutel:
Fächer:
Ein Biedermeier-Kleid (circa 1820) mit abnehmbaren Ärmeln, das so sowohl im Sommer als auch im Winter getragen werden konnte.
Hier sieht man, wie gelblich das Kleid unter den Armen aussieht. Schweiß sei das schlimmste für die alten Stoffe, erklärt man mir. Er greife vor allem die feinen Seidengewebe an. Gewaschen werden hier übrigens auch einige Stücke, mit einem speziellen, ph-neutralen Waschmittel. Aber nur, wenn sie nicht zu alt und empfindlich sind.

Nein, das hier ist keine Folterkammer, sondern eine Sammlung an Geräten, mit denen damals nicht nur die Haare gelockt, geglättet oder gekreppt wurden, sondern auch Stoffe plisssiert. Die Eisen wurden einfach ins Feuer gelegt und schon waren sie einsatzbereit.
Vatermörderkrägen in diversen Variationen.
Bis 2014 müssen die drei Depot-Damen etwa 10000 Stücke aus der Sammlung fotografieren, katalogisieren und digitalisieren. In Zusammenarbeit mit anderen modehistorischen Sammlungen in ganz Europa soll bis dahin ein digitales, öffentlich zugängliches riesiges Modenachschlagewerk im Netz entstehen, “Europeana” genannt. Dann hat endlich jeder die Möglichkeit, auf diese großartigen Schätze der Modehistorie zugreifen zu können.
Schlagwörter: Historische Mode, Mode-Depot, Museum, Wien








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Das hört sich sehr interessant an.
LG