Philippe Djian: "Betty Blue"
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Leseprobe "Betty Blue"
Für den frühen Abend waren Gewitter angesagt, aber der Himmel blieb blau und der Wind hatte nachgelassen. Ich ging kurz in die Küche, um nachzugucken, ob im Topf auch nichts anpappte. Alles bestens. Ich ging raus auf die Terrasse, ein kühles Bier in der Hand, und hielt meinen Kopf eine Zeitlang in die pralle Sonne. Das tat gut, seit einer Woche knallte ich mich jeden Morgen in die Sonne und kniff fröhlich die Augen zusammen, seit einer Woche kannte ich Betty.
Ich dankte dem Himmel zum wiederholten Mal und langte mit leicht vergnügtem Grinsen nach meinem Liegestuhl. Ich machte es mir gemütlich. Wie einer, der Zeit hat und ein Bier in der Hand. In dieser ganzen Woche hatte ich, wenn’s hoch kam, so um die zwanzig Stunden geschlafen, und Betty noch weniger, vielleicht auch überhaupt nicht, was weiß ich, immer wieder mußte sie mich aufscheuchen, immer wieder hatte sie noch was Besseres vor. He, du wirst mich doch jetzt nicht allein lassen, sagte sie andauernd, he, was ist denn los mit dir, schlaf doch nicht ein. Und ich öffnete die Augen und lächelte. Eine rauchen, bumsen oder einfach quatschen, ich hatte es schwer, nicht aus dem Takt zu kommen.
Zum Glück brauchte ich mich tagsüber kaum anzustrengen. Wenn alles glatt lief, war ich gegen Mittag mit meiner Arbeit durch und hatte für den Rest des Tages Ruhe. Ich mußte bloß bis sieben Uhr in der Gegend bleiben und auftauchen, wenn man mich brauchte. Wenn es schön war, konnte man mich gewöhnlich in meinem Liegestuhl finden, da konnte ich stundenlang drin liegen bleiben. Mir schien es dann, als hätte ich die rechte Balance zwischen Leben und Tod gefunden, als hätte ich die einzig gescheite Beschäftigung überhaupt gefunden. Man braucht sich bloß die Mühe zu machen, fünf Minuten nachzudenken, dann begreift man, daß einem das Leben nichts Aufregendes bietet außer ein paar Dingen, die man nicht kaufen kann. Ich machte mein Bier auf und dachte an Betty.
– Ach du meine Güte! Hier sind Sie … Ich suche Sie schon überall …!
Ich öffnete die Augen. Vor mir stand die Frau aus Nummer drei, ein Blondchen von vierzig Kilo mit einer piepsigen Stimme. Ihre falschen Wimpern klimperten wie wild im Sonnenlicht.
– Was ist denn mit Ihnen los …? fragte ich.
– Mit mir nichts, meine Güte, aber mit diesem Ding
da im Badezimmer, das läuft über! Kommen Sie, Sie
müssen mir das schleunigst abstellen, ah, ich versteh
das nicht, wie kann so was nur passieren …!!










