Philippe Djian: "Betty Blue"

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Mit einem Ruck richtete ich mich auf, ich fand das ganze alles andere als lustig. Man brauchte sich die Tante nur drei Sekunden lang anzusehen, dann merkte man schon, daß sie total bescheuert war. Ich wußte, sie würde mir auf die Eier gehen, und dann hing ihr auch noch der Morgenrock auf ihren dürren Schultern, ich war von vornherein k.o.

– Ich wollte gerade essen, sagte ich. Kann das nicht fünf Minuten warten, wollen Sie so nett sein …?
– Sie spinnen wohl …!! Eine einzige Katastrophe ist das, überall nur Wasser. Los, kommen Sie mit, aber dalli …
– Erstmal, was ist Ihnen denn kaputtgegangen? Was läuft wo über …?

Sie kicherte dämlich, stand in der Sonne, die Hände in den Taschen.

– Also …, stieß sie hervor. Sie wissen ganz genau … das ist dieses weiße Ding da, was überläuft. Meine Güte, überall dieses Papierzeug …!!

Ich kippte einen Schluck Bier runter und schüttelte den Kopf.

– Sagen Sie mal, sagte ich, ist Ihnen eigentlich klar, daß ich gerade essen wollte? Können Sie nicht für ein Viertelstündchen die Augen zumachen, ist das so schwer …?
– Sind Sie verrückt? Ich mach nicht Spaß, ich rate Ihnen kommen Sie sofort mit …
– Ist ja schon gut, regen Sie sich nicht auf, sagte ich.

Ich stand auf und ging zurück in meine Bude, ich stellte erst mal die Flamme unter den Bohnen ab. Sie waren fast soweit. Dann schnappte ich mir meinen Werkzeugkasten und lief hinter der Verrückten her. Eine Stunde später war ich wieder zurück, pitschnaß von Kopf bis Fuß und halbtot vor Hunger. Ich hielt schnell ein Streichholz unter den Topf, bevor ich unter die Dusche sprang, und dann dachte ich nicht mehr an die gute Frau, ich spürte nur noch das Wasser, das mir über den Schädel floß, und der Geruch der Bohnen kroch mir in die Nase.

Die Sonne überflutete die Bude, es war schönes Wetter. Ich wußte, für den Rest des Tages waren nun die Scherereien vorbei, ich hatte noch nie zwei verstopfte Scheißhäuser an einem Nachmittag erlebt, die meiste Zeit passierte sowieso nichts, war es eher ruhig, die Hälfte der Bungalows stand leer.

Ich setzte mich vor meinen Teller und lächelte, denn es war klar, wie’s weitergehen würde. Essen, dann ab auf die Terrasse und bis zum Abend bloß noch warten, darauf warten, daß sie endlich eintraf und mit wackelnden Hüften zu mir kam, um sich auf meinen Schoß zu setzen. Ich nahm gerade den Deckel vom Topf, als sich die Tür sperrangelweit öffnete. Es war Betty. Lächelnd legte ich meine Gabel hin und stand auf.

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  • Artikel vom 05.02.2010
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