Boris Vian: "Der Schaum der Tage"

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Leseprobe "Der Schaum der Tage"

Colin beendete seine Toilette. Nach dem Bad hatte er sich in ein riesiges, weiches Frottiertuch gewickelt, aus dem nur seine Beine und sein Oberkörper heraussahen. Er nahm den Zerstäuber von der Glasplatte und sprühte wohlriechendes Öl auf sein helles Haar. Sein Bernsteinkamm teilte die seidige Fülle in lange orangene Strähnen, so wie die Gabel des fröhlichen Landmanns Furchen in Aprikosenkonfitüre zieht. Colin legte den Kamm hin, griff zur Nagelschere und schnitt die Ränder seiner schlaffen Augenlider schräg, um seinen Blick mit Geheimnis zu umgeben. Er mußte die Lider häufig stutzen, denn sie wuchsen schnell wieder nach. Er knipste die kleine Lampe über dem Vergrößerungsspiegel an und hielt sein Gesicht dicht vor den Spiegel, um den Zustand seiner Haut zu prüfen.

Einige Pickel erhoben sich im Umkreis seiner Nasenflügel. Als sie im Vergrößerungsspiegel ihrer Häßlichkeit gewahr wurden, zogen sie sich behände unter die Haut zurück, und Colin schaltete befriedigt die Lampe aus. Er löste das Frottiertuch, das seine Lenden umhüllte, und rieb mit einem Zipfel des Tuches die letzten Spuren von Feuchtigkeit zwischen den Zehen fort. Im Spiegel konnte man sehen, wem er ähnelte: dem Blonden, der in Hollywood Canteen den Slim spielt. Sein Kopf war rund, seine Ohren klein, seine Nase gerade, und sein Teint schimmerte golden. Er lächelte oft wie ein kleines Kind, so daß sich auf die Dauer ein Grübchen in seinem Kinn gebildet hatte. Seine Beine waren lang, er war ziemlich groß, schlank und sehr liebenswürdig. Der Name Colin paßte einigermaßen zu ihm. Er sprach sanft mit Mädchen und fröhlich mit Männern. Er war fast immer bester Laune, die übrige Zeit schlief er.

Er ließ das Badewasser ab, indem er ein Loch in die Wanne machte. Der geneigte hellgelbe Fliesenboden des Badezimmers leitete das Wasser zu einem Abfluß, der genau über dem Schreibtisch des Mieters in der unteren Etage lag. Vor kurzem hatte dieser, ohne Colin davon in Kenntnis zu setzen, seinen Schreibtisch umgestellt. Jetzt lief das Wasser auf sein Speisebuffet.

Colin schlüpfte in seine Sandalen aus Haifischleder und zog seinen eleganten Hosenanzug an, tiefseegrüne Cordsamthosen und eine Jacke aus haselnußbraunem Wollsatin. Er hängte das Handtuch über die Stange, legte den Badeteppich auf den Wannenrand und bestreute ihn mit grobem Salz, um ihm das aufgesogene Wasser zu entziehen. Der Teppich begann zu sabbern und stieß Trauben von kleinen Seifenblasen hervor. Er verließ das Badezimmer und wandte sich zur Küche, um die letzten Vorbereitungen für das Abendessen zu überwachen. Wie jeden Montagabend kam Chick, der ganz in der Nähe wohnte, zum Essen.

Es war zwar erst Samstag, aber Colin verspürte Lust, Chick zu sehen und ihm das Menu vorzusetzen, das sein neuer Koch Nicolas mit Freude und Hingabe zusammengestellt hatte. Chick war Junggeselle wie Colin, genauso alt wie dieser, zweiundzwanzig Jahre, und er hatte die gleichen literarischen Vorlieben, aber weniger Geld. Colin besaß ein Vermögen, das ihm ein gutes Aus- kommen sicherte, ohne daß er für andere arbeitete. Chick hingegen mußte alle acht Tage seinen Onkel im Ministerium aufsuchen und das Geld von ihm leihen, denn was ihm seine Stellung als Ingenieur einbrachte, reichte nicht für einen Lebensstandard wie den der Arbeiter, deren Vorgesetzter er war. Und es ist schwierig, jemandem Anweisungen zu geben, der besser angezogen und besser ernährt ist als man selbst. Colin half ihm so gut er konnte, indem er ihn möglichst oft zum Essen einlud, aber Chicks Stolz zwang ihn, behutsam vorzugehen, um ihm nicht durch zu häufige Gefälligkeiten zu zeigen, daß er ihn unterstützen wollte.

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Letzte Kommentare
  • Mira
    am 12.05.11 um 20:58
    Now I feel stupid. That's calreed it up for me
 
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