Das weinende Kind in der Krippe – und warum es mir das Herz bricht

Kind in krippe

Dass es Krippen gibt, ist gut und wichtig. Denn viele Eltern müssen oder wollen arbeiten. Aber was, wenn es dort nicht gut läuft? Bloggerin Senta schreibt über eine Situation in der Kinderkrippe, die ihr keine Ruhe lässt.

Unser Blog-Liebling: Senta ist 29 und noch ein Blogger-Newbie - in der Mama-Welt aber schon ein alter Hase, denn sie erwartet derzeit ihr drittes Kind. Aktuell leidet sie nach eigener Aussage furchtbar unter Schwangerschaftsdemenz. Dass sie trotzdem so gut schreiben kann, erfüllt uns mit ehrlicher Ehrfurcht. Wir freuen uns auf weitere Texte von ihr!

Unser Blog-Liebling: Senta ist 29 und noch ein Blogger-Newbie - in der Mama-Welt aber schon ein alter Hase, denn sie erwartet derzeit ihr drittes Kind. Aktuell leidet sie nach eigener Aussage furchtbar unter Schwangerschaftsdemenz. Dass sie trotzdem so gut schreiben kann, erfüllt uns mit ehrlicher Ehrfurcht. Wir freuen uns auf weitere Texte von ihr!

Ich muss mir jetzt mal was von der Seele schreiben. Ich habe heute früh mal wieder etwas beobachtet, was mir keine Ruhe lässt. Aber vorab kurz unsere Erfahrung mit dem Kindergarten:

Meine beiden Kinder kamen mit 1,5 Jahren in die . Einerseits aus finanziellen Gründen, andererseits, weil meine Vertretung frühzeitig das Handtuch geworfen hat und ich aus der Elternzeit zurückgeholt wurde. Durch Umzüge habe ich insgesamt drei verschiedene Einrichtungen kennengelernt und damit auch verschiedene Arbeitsweisen und Konzepte.

Ich hatte Glück …

Ja, das hatte ich wirklich. Denn mir war von Anfang an klar: Wenn meine Kinder nicht in der Krippe bleiben wollen, dann nehme ich sie wieder raus. Ganz so einfach wäre das aber nicht gewesen. Ich hätte meinen Job aufgeben müssen, und wir hätten mit starken finanziellen Einbußen zu kämpfen gehabt.

Gut, dass ich darauf nie zurückgreifen musste. Denn beide ließen sich problemlos eingewöhnen und gingen meist sehr gerne in den Kindergarten. Und wenn das mal nicht der Fall war, haben wir eine Lösung gesucht. Entweder wir blieben zu Hause oder ich bin noch etwas mit in der Einrichtung geblieben.

Kinderweinen – die Geschichte

Heute Morgen war ich spät dran. Wir haben verschlafen, und als wir beim Kindergarten ankommen, sind die meisten Kinder schon da. Vom Parkplatz aus höre ich bereits bitteres Weinen eines kleinen Jungen in der Krippe. Ich kenne den Bub nicht und nehme an, dass er eines der neuen Kinder sein muss. Die Mutter des Kleinen hat sich eben verabschiedet und steht noch vor dem Infobrett und liest. Das Kind steht hinter der verschlossenen Glastür und weint und weint – naja, eigentlich schreit er.

Nach einiger Zeit geht die Mutter. Sie dreht sich nicht mehr um. Meine Tochter zieht sich aus, und wir öffnen die Tür. Der kleine Junge wird festgehalten, damit er den Raum nicht verlassen kann. Ich verabschiede mich von meiner Kleinen und bringe den großen Bruder hoch in den Kindergarten.

Bevor ich wieder fahre, schaue ich immer nochmal durch das Krippenfenster, um zu sehen, ob bei meiner Tochter alles gut ist. Sie spielt in der Spielküche und sieht mich nicht. Der kleine Junge steht immer noch an der Tür – alleine. Er weint und hämmert dagegen. Er weint seit 15 Minuten.

Hört er wirklich auf zu weinen?

Ich habe das schon oft erlebt – wirklich sehr oft – vor allem in der Kinderkrippe. Okay, bei der Trennung der wichtigsten Person ist das ja auch sehr verständlich. Die Kinder sind traurig und zeigen das auch. Das bedeutet erst einmal nicht, dass es ihnen in der Einrichtung nicht gut geht oder sie keinen Spaß haben.

Aber was ist, wenn sie nicht mehr aufhören zu weinen? Was ist, wenn sie eine ganz lange Zeit an der Tür stehen, bitterlich weinen und nicht begleitet werden? Was ist, wenn sie in ihrer Trauer nicht ernst genommen werden?

Die Mamas bekommen beim Abholen zu hören, dass das Kind ja dann gleich wieder aufgehört hat und sind so beruhigt. Aber was ist, wenn das nicht der Fall ist? Wie viel Vertrauen kann man einer fremden Person schenken?

Versteht mich nicht falsch! Ich bin kein besonders misstrauischer Mensch, und natürlich ist Vertrauen die Basis dafür, dass ich mein Kind überhaupt fremdbetreuen lassen kann. Ich vertraue meinen Erziehern auch, aber beim Thema "weinen lassen" gibt es schon sehr unterschiedliche Ansichten. Ich bin mir auch ganz sicher, dass der kleine Junge irgendwann aufhört zu weinen, aber ich frage mich, was das in ihm macht. Warum hört er auf zu weinen? Weil er resigniert?

Mich macht das sehr traurig, und ich kann nicht aufhören, daran zu denken. Der Junge tut mir furchtbar leid. Er ist noch so klein.

Was hätte anders sein müssen? Was hätte die Mutter anders machen können?

Fragen, die ich mir stelle, aber kaum beantworten kann. Erstmal muss ich sagen, dass ich nicht über die Mutter urteilen möchte. Ich weiß nicht, wie die Eingewöhnung lief, wie der kleine Mann sonst im Alltag bei Trennung reagiert – eigentlich weiß ich gar nichts von dieser Familie. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Trauer des Kindes nicht ernst genommen wurde, und wenn das so ist, dann finde ich das falsch.

Optimal wäre es, wenn der Kleine gar nicht erst weinend zurückgelassen wird. Wenn die Eingewöhnung verlängert wird. Wenn er noch länger von der Mama, dem Papa oder vielleicht der Oma begleitet wird. Aber ich weiß, dass das einfach manchmal nicht geht. Dann wäre es sicher besser gewesen, wenn die Mama gleich gegangen wäre, denn so hat er sie sehen können, aber er konnte nicht zu ihr.

Vielleicht wäre es besser gewesen, den Kleinen aus der Situation rauszunehmen. Vielleicht in einen anderen Raum? Denn die Tür ging ganz oft auf und zu, und es standen andere Eltern da, aber seine Mama nicht. Sicher hätte man ihn  nicht alleine lassen sollen.

Mein Impuls: Wenn er es zulässt, den Kleinen in den Arm nehmen. Ihn trösten, ihm sagen, dass es okay ist, wenn er traurig ist. Ihm zuhören. Sein Weinen hat einen Grund, und es ist wichtig, dies anzuerkennen.
Ich hoffe, dem kleinen Jungen geht es gut, und er schafft diese schwierige Anfangszeit.

Text von Senta, ursprünglich erschienen auf erdbeerpause.blog

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