"Der Teufel liegt im Familienbett"

Eltern mit Baby im Bett

Viele Eltern schwärmen davon, mit dem Baby ein Bett zu teilen. Blogger Markus Tschannen nicht. Statt Geborgenheit bekommt er im Familienbett nur eins: blaue Flecken.

Schon lange vor der Geburt hatte ich in einschlägigen Foren über die Unsitte "Familienbett" gelesen. Aha, das Baby schläft nicht in seinem eigenen SNIGLAR, SUNDVIK oder HENSVIK, sondern im MALM der Eltern?

"So ein esoterischer Furz, das Kind braucht sein eigenes Bett",

dachte ich und strich stolz über die schweißgetränkten Buchenstäbe des eben zusammengezimmerten Babybettchens.

Unser Blog-Liebling: Markus Tschannen ist einer von rund 6 Autoren, die im Schweizer Mamablog (der auch ein Papablog ist) über ihr Leben als Eltern schreiben. Das ist oft sehr lustig, manchmal ernsthaft und immer ehrlich und toll geschrieben.

Unser Blog-Liebling: Markus Tschannen ist einer von rund 6 Autoren, die im Schweizer Mamablog (der auch ein Papablog ist) über ihr Leben als Eltern schreiben. Das ist oft sehr lustig, manchmal ernsthaft und immer ehrlich und toll geschrieben.

Um es gleich vorwegzunehmen: Unser Brecht schläft seit seiner Geburt vor 15 Monaten mit uns im "Familienbett". Nein, ich glaube auch heute nicht, dass Rudelschlafen wichtig für die familiäre Bindung ist. Der Brecht hat sich ganz einfach genommen, was ihm nicht zusteht. Er verhielt sich beim Einschlafen und Stillen so renitent, dass er unseren Willen innert Kürze gebrochen hatte.

Müde ließen wir ihn in unserem Bett einschlafen: "Wir können ihn ja nach dem Abstillen wieder an sein eigenes Bett gewöhnen." HA! HA! HA!

Das Babybett landet im Feuer

Der Brecht ließ seine Privilegien natürlich nicht mehr los. Einschlafen in seinem eigenen Bett? Funktioniert nicht. Rüberhieven nach dem Einschlafen? Merkt der Brecht nach exakt fünf Minuten. Wir sind ratlos, haben unsere Hoffnungen begraben und das Babybett im Cheminée (schweizerisch für: Kamin, die Red.) verbrannt.

Hier könnten die Klagen enden, doch nein: Unsere Resignation ist dem Brecht nicht genug. Er demütigt uns auch noch jede Nacht:

  • Beim Einschlafen tritt er einen Elternteil seiner Wahl mit Füßen. Dieses Prozedere dauert etwa eine Dreiviertelstunde und darf unter keinen Umständen unterbrochen werden.
  • Unmittelbar danach – inzwischen eingeschlafen – drängt er den anderen Elternteil durch geschicktes Anrollen aus dem Bett. Zurückrollen geht nicht. Das würde des Brechtes unbändigen Zorn heraufbeschwören.
  • In seinen besonders sadistischen Phasen (zwei bis dreimal pro Nacht, bei Vollmond öfter) dreht er sich rechtwinklig zu uns und rudert mit allen Extremitäten.

Entsprechend verbringen wir Eltern die Nächte, indem wir unsere Körper möglichst platzsparend auf der Bettkante balancieren. Stets in Furcht vor dem brüsken Heranrollen eines fuchtelnden Babykörpers.

Das Familienbett als Machtdemonstration

Das Familienbett kommt uns inzwischen vor wie eine Machtdemonstration unseres Babys: "Ich will das so und ihr könnt nichts dagegen tun. LOL!" Vermutlich ist dieses Verhalten der erste Vorgeschmack auf ein Kleinkind, das zu viele Gene von seinem dickköpfigen Vater geerbt hat. Vielleicht ist es auch nur die gerechte Strafe, weil wir nach der zweiten Nacht damit angegeben haben, wie gut unser Baby durchschläft. Wir Narren. Mit einem hysterisch lachenden und einem hysterisch weinenden Auge denke ich an diese wunderschöne Zeit nach der Geburt zurück.

Es gibt auch Vorteile

Der Vollständigkeit halber will ich aber auch die Vorteile des Familienbettes kurz erwähnen:

  • Man muss nachts nicht aufstehen. Alle notwendigen Manipulationen am Baby lassen sich liegend im Halbschlaf ausführen. Wir sind inzwischen so gut, dass wir sogar zum Wechseln des Fixleintuchs liegen bleiben.
  • Wenn man die Nase voll hat, dreht man sich fluchend weg, um den Partner darauf hinzuweisen, dass er sich um das Problem kümmern soll. Nachts im Familienbett gibt es keine Freunde, nur Feinde (und nach dem Wegdrehen ein paar Tritte in den Rücken).
  • Ab und zu (alle paar Wochen während maximal zwei Minuten) kann man das friedlich schlafende Baby beobachten und sich aus nächster Nähe an seinem glücklichen Gesichtlein erfreuen.

Unter dem Strich aber bleibt das Familienbett eine unbequeme Tortur. Da hilft die beste Tempur-Superflex-Federkern-17-Zonen-Matratze nichts, wenn das Baby einem nur die Reißverschlüsse des abnehmbaren Allergikerbezuges als Liegefläche lässt. Wie man das Familienbett freiwillig wählen kann, ist mir schleierhaft (lest dazu auch das Mamablog-Posting "Familienbett: Sex, lass nach!").

Die Probleme lösen sich ja nicht irgendwann von selbst. Im Gegenteil: Der Brecht wird immer kräftiger (Fußtritte), schwerer (Bodycheck) und länger (Querliegen). Meine Größenberechnungen ergaben, dass er mit 12 Jahren selbst im regungslosen Zustand die ganze Matratze und mit 14 Jahren das ganze Schlafzimmer einnehmen wird. (Da muss ich allerdings noch einmal nachrechnen.)

So wie bisher geht es auf jeden Fall nicht weiter. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zum Äußersten zu greifen, so brutal es klingt. Da müssen wir als Eltern konsequent sein: Meine Frau schläft seit einer Woche auf dem Sofa und ich zusammengerollt am Boden auf VYSSA SNOSA 120 x 60.

Text von Markus Tschannen, ursprünglich erschienen auf http://blog.tagesanzeiger.ch

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