"Ich habe bei der Entbindung masturbiert - und das sollten viel mehr Frauen tun!"

Eine Geburt ist nicht der naheliegendste Zeitpunkt zur Selbstbefriedigung - Bloggerin und Aktivistin Angela Gallo empfiehlt es dennoch allen werdenden Müttern.

Posted by Angela Gallo on Freitag, 1. Mai 2015

Ja, richtig gelesen, "Masturbation bei Geburt" und nein, das ist kein Scherz, diese Frau meint es ernst. Angela Gallo ist eine Bloggerin und Aktivistin, die sich schon lange für eine "natürlichere" Geburt starkmacht, und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt.
Und so enthüllte sie auf ihrem Blog, wie sie es nennt, ihr "gar nicht so schmutziges Geheimnis": Bei der Entbindung ihres zweiten Kindes befriedigte sie sich selbst, stundenlang. Und sie ist überzeugt, dass alle Frauen davon profitieren würden, wenn sie sich nicht für ihre Instinkte schämen, sondern ohne Berührungsängste auf ihren Körper hören würden.

"Darum habe ich mich bei der Entbindung angefasst!"

Gallo geht gleich zu Beginn ihres Textes in die Offensive: "Seid jetzt nicht so schockiert. Geburt und Sex funktionieren schließlich genau gleich. (...) Die Geburt bringt das Tier in mir zum Vorschein, und dass ist ein Gefühl, das ich schamlos auskoste. Ich kann es nur als Löwin beschreiben, die aus ihrer Höhle kommt - sexy, stark, entschlossen und warm."

Sie beschreibt exakt, an welchem Punkt der Geburt sie bemerkte, wie sehr sie jeder Wehenschub mit einer völlig neuen Energie füllte - und wie sie sich diesen Empfindungen ohne Vorbehalte hingab:

"Masturbation machte einfach am meisten Sinn, als ich die Wehen über mich ergehen ließ. Ich weiß noch, wie mein Mann mich fragte "Möchtest du jetzt Sex mit mir haben?". Und obwohl ich in diesem Moment keinen Sex mit ihm wollte, war es als hätte er meine Gedanken gelesen! Stimulation der Klitoris war ein absolutes GESCHENK. Dadurch konzentrierte ich mich noch stärker auf meine Vagina, auf die Energie, die in mir freigesetzt wurde. Ich fühlte mich enger verbunden und es gab mir mehr Kontrolle darüber, was ich fühlte. Die Wehen wurden besser kontrollierbar, und die Pausen dazwischen haben auch mehr Spaß gemacht."

War es ein sexueller Orgasmus? Nein.

Mit einer Mischung aus Nostalgie und Erregung beschreibt sie, wie gerne sie sich noch heute an diese Geburt und die Gefühle erinnert, die sie in dieser Form nie wieder erlebt hat.

"War es ein sexueller Orgasmus? Nein. Befriedigend? JA! Es war mein wunderbares, instinktives Schmerzlinderungs-System, das zum Leben erwachte! Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich einen Weg erforscht habe, der mit so viel Scham belegt ist."

Auch woher diese Scham kommt, kann Gallo erklären: "Ob wissenschaftlich, biblisch oder medizinisch: Die Geburt wird seit jeher als etwas beschrieben, dass man "durchmacht", Schmerz als Strafe dafür, dass wir den Apfel am verdammten Baum gegessen haben. Die Vorstellung, dass man bei der Entbindung auch Befriedigung empfinden kann, ist für viele Menschen verstörend." Die Frauen erwarten Schmerzen und schämen sich dann umso mehr, wenn sie Euphorie und Glücksgefühle empfinden - oder halt Lust und Orgasmen.

Drei Gründe für Geburts-Masturbation

Zu guter Letzt gibt Gallo ihren Leserinnen noch drei Gründe mit, warum sie es selbst einmal ausprobieren sollten: Erstens, so die Aktivistin, sind Sex und Geburt im Körper sehr ähnliche Prozesse und greifen auf die gleichen Hormone zurück. Zweitens ist Selbstbefriedigung ein sehr effektives Schmerzmittel. Und drittens fühlt es sich einfach wahnsinnig gut an, basta.

Diese Thesen sind natürlich bewusst überspitzt formuliert, und bieten viele Anhaltspunkte zum Diskutieren. Unter ihrem Blog häufen sich aber auch Kommentare von Frauen, die ihr begeistert zustimmen und von ähnlichen Erfahrungen im Kreißsaal berichten.

Wie empfehlenswert diese Technik nun tatsächlich ist, bleibt unbewiesen. Aber in einem Punkt hat Gallo auf jeden Fall recht: Es ist immer gut, genau auf seinen Körper zu hören und kein Signal zu ignorieren, nur weil es irgendwie peinlich ist. Denn gerade bei einer Geburt weiß der Körper genau, wie es am besten weitergeht - und das muss ja nicht zwangsläufig unangenehm sein.

Videoempfehlung:

heh

Kommentare (14)

Kommentare (14)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Doch ich finde es wichtig zu teilen, sehr mutig, es geht eigentlich nur darum, Möglichkeiten und die Bandbreite aufzuzeigen, wie eine Frau selbstbestimmt gebären kann und wie jede Geburt ein einzigartiges Erleben ist. Und da lese ich lieber über Erlebnisse als über Theorien :-)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich sage es noch mal: die Damen sollen tun, was immer ihnen beliebt. Ich verstehe nur nicht warum sie es der Welt mitteilen müssen. Für mich ist das eben selbst verliebt. Nach dem Motto: Ich bin so frei, ich bin so zufrieden mit mir und meinen Körper, ich fühle mich stark und muss mich für nichts schämen, ich muss der Welt mitteilen, wann ich mich befriedige. Das ist einfach nicht mein Ding.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie manche Menschen trotz Zugang zu Medien immer noch so unaufgeklärt sein können. Sex bedeutet nicht zwingend "den Mann ran lassen", poppen oder sich in der Öffentlichkeit demütigen. Es ist so wichtig, aus sich heraus zu gehn und den passenden Weg für sich selbst zu finden. Und heutzutage darf man wohl seine Meinung teilen und anderen Frauen Mut machen! Das ist doch nicht verwerflich. An die jenigen, die sich so strikt dagegen aussprechen, fragt euch mal warum ihr das so stark ablehnt? Wenns euch so aufstoßt, warum lests den Artikel überhaupt und warum gebts euren Senf dazu? Entweder man kann drüber diskutieren und sich austauschen oder man verschließt sich und haltet dann aber den Mund.

    Genau, was hat Selbstbefriedigung mit "rumschrabbern" zu tun? Das ist wie "Sex darf man nur im Bett haben". Genau das spricht Angela an - auf sich hören und das tun, wonach einem ist. Selbstbefriedigung nicht als beschämend empfinden, sondern al
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Traurig, wenn jemand Selbstbefriedigung mit "rumschrabbern" bezeichnet. Hier wird das wohl als etwas negaives empfunden, fern von sanft und lustvoll. Wenn man es gräßlich findet - ja, dann soll man das unter der Geburt natürlich nicht machen.....Die Geburt soll ja ein schönes Erlebnis sein.....

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ein paar Frauen reagieren ja so überrieben negativ- da mache ich mir ja so meine Gedanken. Wie kommen z.b. diese Damen auf die Idee, Sex wäre nun immer gleich mit Penetration verbunden? Ich kann nur hoffen, dass dies nicht die einzige Spielart von Sex ist, die diese Frauen kennen. das Stimulieren der Klitoris und das Massieren der Scheide in der Schangerschaft und auch unter der Geburt - also jetzt nicht die ganzen Wehen lang - aber Frau kann es erspären, wann es gut tut - kann ein schönes und ekstatisches Geburtserlebnis schenken. Diese Massage/Stimulation kann ja auch der Partner übernehmen. Bei einigen Stammesgesellschaften, in denen die Menschen noch nach am Körper leben, ist das eine durchaus gängige Praxis. Es wäre schön, wenn alle Frauen Ihrem Körper angstfrei und offen begegnen könnten. Der Artikel ist ein erster Schritt dazu. Danke. Viel zu lange war für die Frauen "untenrum" irgendwie eklich und selbst Stillen ist für viele Frauen irgendwie unheimlich.....schade.

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