Papa glaubt an Gott, Mama nicht - und nun?

Kind zündet Kerze in Kirche an

Wie geht man mit der Religion um, wenn die Mutter der Kinder überzeugte Atheistin ist und der Vater katholischer Theologe? Alu Kitzerow über Kompromisse, die vor allem in der Weihnachtszeit nötig sind.

Meine Kinder wissen, dass ich nicht an Gott glaube. Sie wissen auch, dass ihr Vater nicht nur römisch-katholisch ist, sondern auch noch Theologe, also: durchaus an Gott glaubt. Man kann also sagen, dass unsere drei Kinder mit Eltern aufwachsen, die in einer der entscheidenden weltanschaulichen Fragen des Lebens - "Wie hältst du's mit der Religion?" - nicht uneiniger sein könnten.

Christkind? Oder Weihnachtsmann?

Was also tun? Nun, was man als Erziehungsberechtigte eben so tut: Kompromisse finden. Reden. Erklären. Offen sein. Echt sein. Einen eigenen Weg finden, der authentisch genug ist, dass die Kinder ihn nachvollziehen können. Eine eigene Familientradition erschaffen, die zu uns gehört und nur zu uns.

Alu und Konsti sind nicht nur als Eltern ein gutes Team - sie schreiben auch gemeinsam das Elternblog Grossekoepfe.de. Ihre Beiträge drehen sich um das Leben als fünfköpfige Familie in Berlin, sind mal nachdenklich, mal witzig, auf jeden Fall authentisch und fast immer politisch!

Alu und Konsti sind nicht nur als Eltern ein gutes Team - sie schreiben auch gemeinsam das Elternblog Grossekoepfe.de. Ihre Beiträge drehen sich um das Leben als fünfköpfige Familie in Berlin, sind mal nachdenklich, mal witzig, auf jeden Fall authentisch und fast immer politisch!

An keinem Punkt im Jahr ist das so schwierig wie in der Advents- und Weihnachtszeit. Doch Jahr für Jahr basteln wir wacker weiter an etwas, das wir die Christkind-Weihnachtsmann-Connection nennen.


Ehe ich meinen Mann Konsti kannte, war mein völlig anders als heute. Ich mochte es so, wie es war: Als Kinder haben wir zu Hause zusammen den Baum geschmückt, zusammen gegessen, Platten gehört und Märchenfilme geschaut. Die Geschenke brachte der Weihnachtsmann, für die Kinder auch gern persönlich. Schon als Kind habe ich es immer besonders schön gefunden, dass die Feiertage (Heiligabend eingeschlossen) völlig frei von Verpflichtungen waren. Keine engen Zeitfenster, nirgends, alles sehr entspannt und locker.

Seit ich mit Konsti zusammen bin, ist Weihnachten anders. Sehr geregelt, damit man all die Kirchenbesuche, die Essenszeiten und durchgetakteten Zeitpläne unterbringt.

Ein Kirchentermin nach dem anderen? Nervig

Irgendwann hab ich gemerkt, dass ich die Zeit überhaupt nicht mehr genießen kann mit all dem Hin- und Hergegurke. Also haben wir uns vor ein paar Jahren hingesetzt und überlegt, wie unser ureigenes Weihnachten für uns und unsere Kinder aussehen könnte.

Gar nicht so leicht, wenn man aus so verschiedenen Welten kommt. Aber wir haben es ja schließlich auch geschafft, uns bei anderen wichtigen Fragen in Sachen Kirche zu einigen: Ein Jahr nach unserer standesamtlichen Hochzeit haben wir 2008 die kirchliche nachgeholt, und unsere drei Kinder (9, 6, Baby) sind alle römisch-­katholisch getauft.

Bei der Neuregelung unserer Advents­ und Weihnachtszeit haben wir zuerst die Anzahl der Kirchenbesuche angepackt. Da ich von den vielen Kirchenterminen, die die gesamte Adventszeit über bis in den Dezember hinein anstanden, eher genervt war, haben wir uns auf zwei Adventssonntage mit Gottesdienst geeinigt.

Die Kinder können sich an diesen beiden Sonntagen entscheiden, ob sie mit ihrem Vater in die Kirche gehen wollen. Wenn alle wollen, komme ich meistens auch mit. Und wenn es nur ist, um die Kinder am Ende zur Not draußen zu beschäftigen, damit sie nicht zwei Stunden lang in der Kirche rumbrüllen. An den beiden anderen Adventssonntagen ist Gammeln angesagt, jeder darf im Schlafanzug bleiben, wir backen Plätzchen und schauen Filme.

Mein Mann will an Weihnachten zur Ruhe kommen - für mich ist es allem Stress

Mein Mann findet es wichtig, den Kindern einen Gegenpol zu Geschenken und Erwartungen aufzuzeigen. Ein Gefühl von Spiritualität, eine vorweihnachtliche Wärme, die man nicht kaufen kann. Für ihn ist die Advents
zeit "Bedenkzeit", eine Zeit,
 um zur Ruhe zu kommen. Für
 mich bedeutet die Adventszeit 
vor allem Stress - Geschenke
besorgen, Weihnachten vor
bereiten, das alles setzt mich
 unter Druck.

Dass vier enge 
Verwandte im Dezember Geburtstag haben, macht die Sache auch nicht gerade besser. Jeder vorweihnachtliche Kirchenbesuch bedeutet für mich einfach einen zusätzlichen Termin im Kalender, Zeit, die mir am Wochenende zum Durchatmen fehlt. Konsti versteht das. Dafür bin ich ihm dankbar.

Zur weihnachtlichen Familientradition meines Mannes gehören Gottesdienste und Weihnachtslieder und die Geschichte der Geburt Jesu im Lukasevangelium. Die Kinder wissen, dass es ihm wichtig ist, ihnen von Gott zu erzählen. Er singt viel mit ihnen in der Vorweihnachtszeit und liest die Weihnachtsgeschichte.

Was die Gottesdienstbesuche angeht, ist er mir weit entgegengekommen: In seiner Zeit als Ministrant ging er an Heiligabend zweimal in die Kirche und am ersten und zweiten Feiertag je einmal. Jetzt gehen wir gemeinsam mit den Kindern an Heiligabend zum Krippenspiel, und das war's. Wenn es passt, geht Konsti am ersten oder zweiten Feiertag nochmal, aber er findet es auch schön und feierlich, am zweiten Weihnachtstag mit der ganzen Familie im Bett zu liegen, die Geschenke anzuschauen und zu reden.

Den Baum schmücken wir nach langen Diskussionen nicht vor dem 24. Dezember. Danach gehen wir in die Kirche, und dann bauen die Kinder ihre Spielkrippe auf, in die auch Dinosaurier, Autos und Knetmännchen einziehen dürfen. Damit ist unsere bunte Weihnachtsfeierei eröffnet. Die Geschenke bringen das Christkind und der Weihnachtsmann als Team.

Wir zwingen den Kindern nichts auf

Den Kindern leuchtet es ein, dass wir an zugleich die Geburt von Jesus und die Superkräfte vom Weihnachtsmann feiern. Für mich ist das ein guter Kompromiss. Wir zwingen den Kindern nichts auf. Sie sollen selbst entscheiden können, woran sie glauben, und durch unsere offenen Gespräche lernen sie verschiedene Sichtweisen kennen. Und sie können sich sogar vorstellen, dass für ihre Atheistenmutter noch nicht alles zu spät ist.

Neulich wollte meine Große mir zeigen, dass sie meine Bemühungen wirklich anerkennt und sagte: "Wenn du nach all dem hier nicht in den Himmel kommst, Mama, dann weiß ich auch nicht!" Das hat mich sehr gerührt. Es zeigt mir, dass unser Weg für uns der richtige ist. 

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Wie geht ihr mit der Religion in der Erziehung um? Wie sprecht ihr mit euren Kindern und wo hakt es manchmal? Tauscht euch darüber aus in unserer Community.

Text: Alu Kitzerow. Ein Artikel aus BRIGITTE MOM 4/2016

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Kind zündet Kerze in Kirche an
Papa glaubt an Gott, Mama nicht - was sagt man da den Kindern?

Wie geht man mit der Religion um, wenn die Mutter der Kinder überzeugte Atheistin ist und der Vater katholischer Theologe? Alu Kitzerow über Kompromisse, die vor allem in der Weihnachtszeit nötig sind.

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