Wie wir mit Kindern über den Terror reden können

Kinder kriegen von grausamen Ereignissen oft mehr mit, als man denkt. Bloggerin Béa Beste alias Tollabea gibt Tipps, wie Eltern darüber je nach Alter mit den Kindern reden sollten.

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Das Blog: Tollabea

Die Bloggerin: Béas Lebensgeschichte könnte allein schon einen Blog füllen. Vollwaise, Flüchtlingskind, selbst mit 21 Mutter geworden, erfolgreiche Kommunikationswirtin mit Stationen in Indien und Indonesien, Unternehmen für spielerische Bildung von Kindern gegründet und insolvent gegangen, inzwischen selbständig und sehr beliebte Mama-Bloggerin.

Das gefällt uns: Diese Frau ist nicht nur unheimlich klug und lebenserfahren, sie hat auch einen unerschütterlichen Optimismus. Und das spürt man in jedem Beitrag, von der Bastelanleitung bis zum Erziehungstipp. Unbedingt lesen!

Es ist Schreckliches passiert in , Brüssel - und nun auch in Deutschland. Viele wissen nicht, wie sie darüber mit den Kindern reden sollen. Hier einige Tipps, wie das geht – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Weisheit, aber mit etwas Erfahrung als Mutter und Mensch, der oft in verschiedenen Situationen Eltern zur Seite gestanden hat.

Kinder nehmen aktiv an unserem Leben teil und bekommen mit, was uns berührt und bewegt. Die Medien sind allgegenwärtig und liefern Bilder und Worte, die die Kinder nur zu leicht aufschnappen – genauso wie Fetzen der Erwachsenengespräche. Und dazu kommt auch noch, dass sie auch Intuitionstierchen sind und unsere Stimmungen empfindlich spüren...

So zu tun, als wäre nix los, würde bedeuten, sie mit angsteinflößenden Gedanken alleine zu lassen. Ihnen aber zu viel zu erzählen, mit allen schrecklichen Details, würde sie mit zu viel Trauer und Gewalt konfrontieren. Was ist richtig? Wie viel können sie ab?

Wir müssen nach Alter unterscheiden:

Bis zum Vorschulalter: Einfach nur auf Fragen reagieren

Kinder bis ca. 5 Jahren haben es noch nicht so drauf, Ängste oder andere verwirrende Informationen in sich hineinzufressen. Deswegen können wir davon ausgehen, dass sie schon fragen werden, was passiert ist – falls sie etwas mitbekommen haben.

Außerdem ist für sie der Tod meistens noch etwas Abstraktes. Hier ist es am besten, mit kurzen und kappen Antworten zu reagieren und auf ihre weiteren Fragen zu warten. "Es sind in plötzlich viele Menschen gestorben", könnte schon reichen.

Wenn das berühmte "Warum?" kommt, kann man antworten: "Es sind böse Menschen, die sich selbst und andere umgebracht haben." Wenn es weiter in der "Warum?"-Kette geht, dann könnte eine Antwort sein: "Genau weiß ich das auch nicht, aber die Polizei wird dies aufklären."

Zeigt am besten keine Bilder dazu. Die Kinder sind zu jung, um sie zu verstehen – gerade Bilder würden sie unnötig verängstigen. Wie sehr euch das auch bewegt: Lasst nicht permanent den Fernsehen an mit den ganzen Berichterstattungen, das verwirrt und macht auch die Kinder bange. Vor allem versucht, selbst oder im Familienkreis Spekulationen zu vermeiden, wie sehr das bei uns auch passieren könnte!

Ab Grundschulalter: Eltern sollten aktiv das Gespräch suchen

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder ab ca. 6 Jahren etwas mitbekommen haben, ist eher groß. Vor allem, wenn die Familie versucht, sie in Unwissen zu lassen, möglicherweise sich auch nicht trauen, das Thema anzusprechen.

Fragt ruhig nach, ob sie etwas mitbekommen haben – und wenn dann Fragen kommen, gilt es, darauf auch wieder Schritt für Schritt zu reagieren und kindergerecht zu erklären, was passiert ist. Am wichtigsten dabei ist, auch bei älteren Kindern nicht zu viel in die Details und in schrecklichen Bildern einzusteigen, sondern auch relativ kurz und knapp die Lage zu erklären.

Ich habe auf dem SciLogs-Blog von Spektrum der Wissenschaft einen sehr guten Sprechtext für euch gefunden, von der Religionswissenschaftlerin und Pädagogin Marion Mahnke, am Beispiel der Terroranschläge in Paris:

"Freitagnacht ist etwas sehr Schlimmes passiert. In Paris haben ein paar Leute Attentate begangen. Es sind Terroristen und sie haben dabei viele Menschen verletzt und getötet. Das ist eine schreckliche Sache. Aber ihr sollt wissen, dass das Dinge sind, die gelegentlich passieren. Genau wie Unfälle. Sowas ist schrecklich und kann passieren. Aber wir brauchen nicht davon ausgehen, dass es UNS auch passiert.

Terroristen wollen Aufmerksamkeit. Deshalb suchen sie sich meist Ziele wo die Menschen hinschauen. Berühmte Orte zum Beispiel. Oder eben Ereignisse wo Fernsehen und Zeitungen sowieso schon da sind um zu berichten.

Und sie wollen möglichst viel Schaden anrichten, damit die Menschen sich fürchten und Angst vor ihnen haben. Sie glauben, dass die Menschen dann das machen was die Terroristen wollen."


(Hier könnt ihr noch mehr lesen)

Ihr könnt ruhig zugeben, dass euch das bewegt und sogar beängstigt. Versucht dennoch, eine optimistische Grundeinstellung zu bewahren und nicht ganze Zweifel an der ganzen Menschheit aufkommen zu lassen. Kinder kennen auch Geschichten und Filmen durchaus Bösewichte, die Unheil anrichten – auch in diesem Fall werden sich gute und schlaue Menschen zusammen tun, um dieses Böse nicht siegen zu lassen.

Generell gilt: Mehr Zuhören als selbst reden!

Generell ist es hilfreich, ab einem gewissen Punkt selbst Fragen zu stellen und das Kind erzählen zu lassen: "Was hast du mitbekommen?", "Was hast du gesehen?", "Was macht die Angst?". Genauso wie bei Alpträumen ist es manchmal wichtiger, den eigenen Speicher zu leeren, als ihn neu aufzuladen.

Zum Abschluss noch ein Kommentar der Leserin Eva Busch zu den Terroanschlägen in Paris, der mich sehr beeindruckt hat:

"Meine Tochter ist 5 und hat gefragt, was da in Paris passiert ist. Sie bekommen es überall mit. Sie weiß, dass niemand böse ist. Sie selbst hat es verstanden. Sie sagt, es gibt Gutes und Böses im Herzen eines jeden Menschen. Er selbst ist dafür verantwortlich, was er rausholt. Fand ich eine tolle Erklärung, die sie gegeben hat."

Text von Béa Beste, ursprünglich erschienen auf www.tollabea.de.

Vielen Dank, dass wir ihn hier zeigen dürfen.

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