Wenn ältere Männer nochmal Vater werden: Die fatalen Folgen

ältere Männer Vater

Wenn ältere Männer jüngere Frau heiraten, bekommen sie oft nochmals Kinder. Obwohl sie es insgeheim gar nicht wollen. 

Eine Entscheidung mit teilweise fatalen Konsequenzen, wie der Psychotherapeut Werner Dopfer aus seiner Praxis weiß. 

Christian ist ein sportlicher Typ mit kurz geschnittenen Haaren, von Beruf Polizist. Sympathisch und reflektiert, so wirkte er zumindest.

Er war zu mir gekommen, weil es ein Problem in seiner Ehe gab. Im Rahmen einer unserer ersten Therapie­stunden stellte sich heraus, dass es seine zweite Ehe war. Er hat bereits drei Söhne im Alter von mittlerweile 15, 18 und 20 Jahren mit seiner ersten Frau.

Diese Ehe sei gescheitert, erzählte er, weil er sich zu jener Zeit beruflich extrem engagiert und seine Frau wie auch die Kinder vernach­lässigt habe. Zu seinen Söhnen habe er nur selten Kontakt und zu seiner Exfrau ein angespanntes Verhältnis, was ihn zeitweise sehr belaste.

Er war 48 - sie 33

Nach der Scheidung lebte er einige Jahre allein. Dann traf er während einer Fortbildung auf Mareike. Blond, lebhaft, souverän – eine 15 Jahre jüngere Sozial­pädagogin. Er war damals 48, sie 33 Jahre alt. Sie war die Kursleiterin und hatte bei der über den "Umgang mit Obdachlosen in Ballungsgebieten" refe­riert.

Ihm gefiel ihre lebhafte und selbst­bewusste Art. Er lud sie im Anschluss an das Seminar zum Essen ein. Wenig später fuhren sie gemeinsam Motorrad, seine große Leidenschaft. Mareike begeisterte ihn. Sie brachte neue Energie in sein Leben. Nur ein Jahr später heirateten sie.

Woher kommt sein Jähzorn?

Christian war bei mir, weil Mareike ihn geschickt hatte. Sie wusste nicht mehr ein noch aus: Er war häufig ungewohnt jähzornig und ließ das auch an ihren gemeinsamen Kindern aus, zwei Jungen im Alter von vier und fünf Jahren.

Mareike war der Meinung, dass er endlich seine Lebensgeschichte beleuchten solle, um die Ursachen für seine Wutausbrüche in den Griff zu bekommen. Lange hatte er sich geweigert, Hilfe in Anspruch zu neh­men, aber schließlich hatte sie ihm mit Trennung gedroht, falls er sich nicht end­lich beraten lassen würde.

Die Kinder nerven ihn

Auf meine Frage, warum er noch mal Kin­der gewollt habe, sagte er: "Weil Mareike sich so sehr Kinder gewünscht hat." Auf die Nachfrage, ob denn auch er Kinder mit Mareike wollte, entgegnete er eher verschlossen und lapidar: "Schon."

Erst als ich ihn ermutigte, ehrlich zu sein und kein Theater zu spielen, öffnete er sich vorsichtig: "Das dürfen Sie Mareike nie erzählen, aber um ganz ehrlich zu sein: Die Kinder nerven mich. Ich dachte, die Kindernummer ist durch, aber dann kam Mareike, sie war jung, wir verliebten uns Hals über Kopf, und ich wollte sie. Unbedingt. Sie allerdings wollte unbe­dingt ein Kind."

"Aber jetzt haben Sie ja sogar zwei", entgegnete ich.

"Das zweite war dann eher Zufall. Und jetzt schlage ich mich erneut mit zwei kleinen Kindern rum. Ich habe nicht mehr die Geduld! Ich wollte doch eigentlich nur eine schöne Zeit mit Mareike haben, Motorrad fahren, Urlaube und so weiter. Sie wissen schon."

Ich lud Mareike zu einem Gespräch ein, um mir ihre Sicht der Dinge anzu­hören. Die Situation zu Hause belastete sie extrem. Gleichzeitig wirkte sie erleichtert, darüber sprechen zu können.

Auch ihr stellte ich irgendwann die Frage: "Denken Sie, dass Christian noch einmal Kinder wollte?" Ein wenig zögernd antwortete sie: "Genau genommen glaube ich: nein. Er hat es meinetwegen getan. Er wollte sie nie wirklich. Das merke ich mehr und mehr. Aber ich habe mir immer Kinder gewünscht."

Nur Kinder, weil sie es will? Das kommt häufig vor

Ich höre solche Antworten leider häu­fig. Christian ist nicht der erste Mann, der vor mir sitzt, weil er in eine zweite Ehe "stolperte" und sich mit der wiederhol­ten Kinderfrage nicht wirklich ernsthaft auseinandergesetzt hat. All diese Männer haben eines gemeinsam: Sie sind überfor­dert, frustriert und genervt.

Und natürlich stellt sich immer wieder die Frage: Warum leben erwachsene, reflektierte Menschen ein Leben, das sie so gar nicht wollten?

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Wenn Männer im mittleren Alter – etwa zwischen 45 und 55 Jahren – in eine sogenannte zweite Runde gehen und sich in eine Beziehung mit einer deutlich jüngeren Frau begeben, gibt es dafür natürlich Gründe. Diese sind ihnen oftmals nicht bewusst. Im Lauf meiner psychotherapeutischen Arbeit mit betroffenen Männern konnte ich jedoch folgende fünf Motive ausmachen.

  • "Die große Liebe, Version 2.0": Die erste Runde war nichts. Ich war unreif und dumm, aber jetzt weiß ich endlich, wie ich mit der Liebe umgehen muss. Das ist jetzt die Frau meines Lebens.
  • "Die Naivitäts-Falle": Ich weiß doch, wie es geht. Alles schon einmal gehabt. Das kann ich jetzt und zeige, was ich für ein toller Kerl bin und wie gut ich mit Kindern umgehen kann.
  • "Die Ich-mach-jetzt-alles-besser- Philosophie": Jeder macht Fehler, aber beim zweiten Mal wird alles ganz anders, viel besser. Vor allem ist es mit dieser Frau etwas völlig anderes. Ich werde der beste Vater sein.
  • "Die Privatleben-Philosophie": Ich konzentriere mich jetzt voll auf das Privatleben. Beruflich habe ich alles erreicht. Ich will leben, genießen, einen zweiten Frühling haben.
  • "Die Midlife-Phase": War das nun alles? Welche Chance habe ich noch bei Frauen? Ich brauche einen Selbstbestätigungsschub, bevor ich ein "alter Sack" bin. Jetzt zeige ich noch einmal, was ich alles draufhabe.

Frauen betrügen sich selbst 

Aber natürlich gehören immer zwei dazu. Was treibt eine jüngere Frau an, mit einem Mann, der meistens eine gescheiterte Ehe hinter sich hat, noch mal alles zu wagen? Ich erlebe da häufig eine gewisse Gutgläubigkeit. Obwohl keine Teenager mehr und durchaus beziehungserfahren, neigen sie dazu, rationale Aspekte zu ignorieren und sich dem rosa-roten Moment der scheinbar großen Liebe hinzugeben.

Da existieren dann nur noch diese älteren, reifen Männer, die sicher tolle Väter wären, und die sich danach sehnen, noch mal etwas ganz Neues zu erleben. Deren Vorgeschichte wird dann meistens komplett ausgeblendet. Viele der Frauen sind davon überzeugt, dass dieser Mann sich jetzt – ihretwegen – ganz anders verhalten wird. Manchmal mit fatalen Konsequenzen, wie das geschilderte Beispiel zeigt.

Natürlich ist keinem von beiden Partnern dieser "Selbstbetrug" bewusst. Auch meinem Klienten Christian nicht. Erst, als er zusammen mit Mareike in mehreren paartherapeutischen Sitzungen sein gespaltenes Gefühl bezüglich der Kinder auch artikulieren konnte, ließen seine Aggressionsattacken nach. Er hatte seine Kinder unbewusst als "Prellbock" für seine Unzufriedenheit missbraucht.

Fragt euch nach den Motiven!

Wenn ein Mann allzu bereit in eine zweite Runde geht (manche gehen auch in eine dritte oder vierte), sollte sich also jede Frau zu ihrem eigenen Schutz ernsthaft fragen, wie seine Motive – aber auch ihre eigenen – tatsächlich aussehen.

Für Mareike und Christian kam die Frage spät, aber zum Glück nicht zu spät. Sie hatten den Mut, sich damit auseinanderzusetzen. Der Weg war nicht einfach, aber in dem Moment, in dem sie aufhören konnten, sich etwas vorzuspielen, bekamen sie ihre Probleme in den Griff.

*Die dargestellte Fallgeschichte ist - aufgrund von Anonymisierung und Verfremdung - absolut fiktiv, basiert jedoch auf praktischen Erfahrungen.

Werner Dopfer ist Diplom-Psychologe und seit mehr als 20 Jahren in München als Managementberater, Coach und Psychotherapeut tätig.

Ein Artikel aus BRIGITTE / 2017

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