6 Regeln zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Was erleichtert den Wiedereinstieg nach der Elternzeit? Die wichtigsten Regeln von Karriereberaterin Jutta Schwarz.

Karriereberaterin Jutta Schwarz, 46, hat selbst zwei Söhne. Sie lebt und arbeitet in Hamburg.

Karriereberaterin Jutta Schwarz, 46, hat selbst zwei Söhne. Sie lebt und arbeitet in Hamburg.

 Unsere Expertin: Jutta Schwarz ist systemische Beraterin und coacht seit über zehn Jahren Menschen, die sich beruflich verändern und weiterentwickeln wollen. Spezialisiert hat sie sich auf die Beratung von berufstätigen Müttern.


Mehr über Jutta Schwarz erfahrt ihr auf www.juttaschwarz.de.

6 Regeln zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit


1. Das Thema nicht verdrängen


Frauen schieben das Thema Wiedereinstieg gern beiseite. Das ist nachvollziehbar, weil sie vor einer der größten Veränderungen ihres Lebens stehen. Trotzdem sollte man so früh wie möglich, etwa während der Schwangerschaft, ein Modell für den Wiedereinstieg entwickeln. Das ist nicht so leicht, weil es voraussetzt, dass man weiß, wie man sich seine Rückkehr vorstellt. Dieser Zeitpunkt ist deswegen günstig, weil sich dann noch keiner vorstellen kann, wie der Laden ohne einen laufen soll. Ist man aber ein Jahr oder länger draußen, läuft das System ohne einen weiter – und das Verhandeln wird schwieriger.

2. Kontakt halten

Natürlich kann man mal mit dem Kind ins Büro fahren. Generell gilt aber: Sich besser regelmäßig allein mit den Kollegen treffen und nicht zu viel Mutti-Talk machen. Auch wenn die anderen fragen: "Und wie ist es?", der Versuchung widerstehen und das Thema Kind nicht in den Vordergrund rücken. Eher über die Arbeit sprechen, fragen: "Was läuft da bei euch? Wie ist es mit der neuen Abteilung?" Versuchen, dranzubleiben und Interesse an den Strukturen und Themen zu zeigen, Fortbildungen mitmachen. Und hin und wieder zehn Minuten mit dem Chef plaudern, dabei betonen: "Ich freu mich, wenn ich zurück bin." Selbstbewusst auftreten und signalisieren: "Ich bin zwar jetzt Mutter, aber ich stehe bereit." Man kann auch anbieten, mal eine Urlaubsvertretung zu machen, wenn das möglich ist und man sich das vorstellen kann. Oder ganz wenig in Teilzeit arbeiten, das darf man während der . Solche Vorschläge sind ein Weg, um mit einem Fuß in der Tür zu bleiben.

3. Nicht zu lange aussteigen

Je länger man draußen ist, desto mehr entsteht eine Realität ohne einen und auch die eigene innere Realität, die Identifikation mit dem Job lässt nach. Als Karriereberaterin rate ich deshalb zu maximal einem Jahr Elternzeit. Dabei kommt es natürlich darauf an, was man erreichen will. Karriere ist ja kein Muss. Es gibt auch viele Frauen, die wollen mit Kind nicht mehr die ganze Verantwortung im Job tragen, sondern guten Gewissens zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist. Wer aber Erfolg möchte, sollte nicht zu lange wegbleiben und lieber 30 als 20 Stunden arbeiten. Wer länger zu Hause bleibt, der sollte mit dem Partner besprechen, wie man fürs Alter oder im Trennungsfall abgesichert ist.

4. Wissen, was man will

Für einen gelungenen Wiedereinstieg ist es klug, früh selbst Ideen zu entwickeln. Zu überlegen: "Was will ich, und wie viel will ich arbeiten?" Lösungen entwickeln, zum Beispiel: Welche (interessanten) Projekte kann ich während meiner reduzierten Arbeitszeit durchführen, wo kann ich meine wichtigsten Fähigkeiten einbringen, wo ist der Wert für das Unternehmen am größten. Weniger machen, aber dafür die interessanten Sachen. Und Vorschläge anbieten, wer die anderen Aufgaben übernehmen kann. Oder ein Jobsharing-Modell vorschlagen. So etwas macht der Arbeitgeber nicht für dich. Das alles spätestens drei Monate vor der Rückkehr konkret besprechen und für diese Ideen kämpfen. Dafür muss man sich innerlich gut aufstellen und sich sicher sein: "Ich stehe hinter dem, was ich will. Ich weiß, was ich kann." Was leichter ist, wenn man fachlich am Job drangeblieben ist, dadurch bleibt das Thema in einem selbst aktiv.

5. Den Partner einbinden

Man muss leider nicht nur mit dem Arbeitgeber verhandeln, sondern auch mit dem Partner. Steigt die Frau ein Jahr oder länger aus, entsteht nämlich schnell eine neue Realität zu Hause. In der ist dann meist der Mann der Alleinverdiener, und die Frau kümmert sich um die Familie. Damit das kein Dauerzustand bleibt, muss man frühzeitig sprechen. Eine Klientin sagt ihrem Mann zum Beispiel ständig: "In fünf Jahren bin ich dran."

6. Entscheiden: Rückkehr oder Neustart?

Wer sich komplett verändern will und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchte, für den gilt: Information ist alles. Man muss sich mit diesem Traum auseinandersetzen und alles dazu sammeln. Meine Klientinnen führen etwa Kurzinterviews mit Leuten, die etwas Ähnliches machen, von dem sie träumen. Das ist eine Art Realitätscheck. Wenn sie danach weiterhin sagen: "Das begeistert mich, entspricht meinen Fähigkeiten", kann man den Schritt tun.

Protokoll: Merle Wuttke

Wer hier schreibt:

Merle Wuttke

Kommentare (1)

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  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich bin 25 Jahre alt und habe eine fast zweijährige Tochter. Gleichzeitig mit ihrer Geburt habe ich mein Bachelorzeugnis erhalten, in sechs Wochen bin ich nun mit meinem Master fertig, Dank toller Unterstützung viel Organisation in Regelstudienzeit! Ich möchte gerne 30 Stunden in der Woche arbeiten und gerne etwas machen das mit fordert in Anlehnung and meine Praktika und Nebentätigkeiten. Alle reden jedoch immer nur über "Wiedereinstieg", was ist denn mit einem "Berufseinstieg" ohne "Wieder"?

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Was erleichtert den Wiedereinstieg nach der Elternzeit? Die wichtigsten Regeln von Karriereberaterin Jutta Schwarz.

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