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Warum Apotheken das neue Medizini-Heft boykottieren

"Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?" fragt das Kinder-Magazin medizini seine jungen Leser in der aktuellen Ausgabe. Apotheker finden das falsch und boykottieren das Heft öffentlich.

Seit Jahrzehnten gehört das Gratis-Heftchen medizini für Familien genauso zum Apotheken-Besuch wie Traubenzucker und Em-eukal-Lollis. Und bislang bot es mit Tierpostern und harmlosen Witzen eher wenig Grund zur Aufregung.

Doch nun hat die Redaktion mit einem Artikel den Zorn von Apothekern und vieler Eltern auf sich gezogen.

In der Januar-Ausgabe richtet sich das Magazin mit der Frage "Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?" an seine jungen Leser und stellt verschiedene Test-Fragen zu Gewicht und Körpergefühl.

Die Post-Apotheke Neckarhausen hält den Test für nicht geeignet für Kinder und hat in einem öffentlichen Statement erklärt, warum sie die Ausgabe nicht im Handel anbietet:

"Als Eltern von kleineren und größeren Kindern finden wir es falsch, bereits in diesem Alter Druck in Richtung 'Bin ich zu dick?' aufzubauen bzw. den Blick in Richtung Schlankheitswahn zu schärfen", schreiben die Mitarbeiter auf der Homepage der Apotheke.

Zwar gibt die medizini-Chefredaktion an, dass der Test Kinder vor Magersucht schützen solle, doch nach Ansicht der Apotheker schießt der Artikel an diesem Ziel vorbei.

Mädchen blickt beschämt in den Spiegel

"Der Test arbeitet mit Suggestivfragen, die darauf abzielen, dass sich Kinder (nicht Teenager) Gedanken über die eigene Figur machen. Dadurch wird in unseren Augen eher das falsche Figurbewusstsein gefördert und unbedarften Kindern eingeimpft, dass dies wichtig und richtig sei. Bildhaft wird der Artikel begleitet von einem Mädchen, das mit beschämtem Blick vor einem Spiegel zu sehen ist."

Ins Rollen brachte die Aktion die Apothekerin Ann-Katrin Kossendey-Koch, die auf ihrer Facebook-Seite einen Screenshot des Tests gepostet hat. Auch sie hält den Test für missglückt.

Auf Facebook schreibt sie:

"Ich habe selber drei Töchter und zwei sind in der zweiten Klasse der Grundschule. Das Thema 'Abnehmen' ist leider schon im Kindergarten präsent, eine meiner Töchter kam mit 4 Jahren nach Hause und fragte mich, wie sie Diät machen könne, ein Kind habe zu ihr gesagt, sie sei zu dick. Aber ist es nicht unsere Aufgabe als Eltern und Erwachsene, den Kindern klar zu machen, dass gesunde Ernährung wichtig ist, aber die Figur keine zentrale Rolle spielt? Gerade bei Kindern, deren Körper sich noch ständig durch Wachstumsschübe verändert? Wie kann ich als Kindermagazin mit dieser Zielgruppe diesem Thema so viel Raum geben?"

Lieber über gesunde Ernährung aufklären

Sollte man das Thema also lieber ganz aus einem Heft streichen, das sich an Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren richtet? Nein, meinen die Apotheker aus Neckarhausen, aber einen Beitrag beispielsweise zum Thema "Gesunde Ernährung für Kinder" hätte man für sinnvoller gehalten.

Für ihr Statement haben die Apotheker viel Lob von Eltern bekommen. Auf Facebook bedanken sich Kunden "für diese verantwortungsbewusste Entscheidung".

miro

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